Content is king

Erst Libri/ebook.de, dann MVB/Netto und jetzt Sony – eine neue Empörungswelle im Buchhandel dürfte perfekt sein: Der japanische Elektronik-Riese, der sein Geschäft mit E-Books und E-Readern zunächst exklusiv über den Buchhandel steuerte, startet in Deutschland einen eigenen E-Book-Store – vermutlich weil das Geschäft mit Hardware durch den verschärften Preiskrieg nicht mehr lukrativ genug ist.

Store umfasst „mehrere hunterttausend Titel“

Sony hatte bereits im Juli gegenüber buchreport.de bestätigt, dass Kunden schon bald ihre E-Books direkt auf dem Sony-Reader kaufen sollen können – bis dato konnten die Sony-Leser Inhalte, anders als beim Amazon Kindle oder dem Kobo Touch, nur über den Rechner oder per W-Lan über die Reader-optimierten Shops von Libri erwerben. Jetzt folgt, gerade noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft, der Start des hauseigenen E-Book-Shops:
  • Nutzer der Reader-Modelle PRS-T2 und PRS-T1 können digitale Bücher jetzt direkt von ihrem Gerät aus kaufen.
  • Besitzer anderer Sony-Reader können dagegen nur am PC oder Notebook auf den eingedeutschten Sony-Store zugreifen und müssen die E-Books dann auf das Gerät übertragen.
  • Laut Sony liegen „mehrere hunderttausend Titel“ im Epub-Format vor, tausende Titel seien DRM-frei oder mit einem Wasserzeichen versehen.
  • Das Sortiment beinhalte sämtliche als E-Book erhältliche Belletristik- und Sachbuchtitel aus der aktuellen SPIEGEL-Bestsellerliste und umfasse E-Books in acht verschiedenen Sprachen, einschließlich Bestseller aus den USA, Großbritannien, Italien und Spanien. 
  • Das Unternehmen, das den Shop für Deutschland und Großbritannien betreibt, sitzt in Luxemburg (wo für E-Books der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 3% gilt, weshalb Amazon und Apple ihr Europageschäft von Luxemburg aus betreiben).

Sony hat sich peu à peu vom Buchhandel gelöst

Damit wird Sony zur direkten Konkurrenz für das Inhalte-Geschäft der Buchhändler, die den Sony-Reader im eigenen Laden verkaufen. Die Kunden haben zwar die Wahl,

  • die E-Books über den von Libri bereitgestellten Reader-optimierten E-Book-Shop eines Buchhändlers zu kaufen (über den Button zu „weiteren Shops“ auf dem Sony-Reader, s. Abb.),
  • Inhalte über die Libri-Endkundensparte ebook.de zu erwerben oder
  • direkt auf den Sony-Shop zurückzugreifen.

Aber: Mit Blick auf die prominente Platzierung des Sony-Store-Links (s. Foto) besitzt Sony offenbar einen entscheidenden Vorteil.

Im Interview mit buchreport hatte Henrik Schäfer, verantwortlich für das E-Book-Geschäft bei Sony Deutschland, im Juli erklärt, dass der Buchhandel ihm sehr am Herzen liege, „da wir dort die größte Kompetenz sehen, was das Thema Content anbelangt“. Die Vielleser – gleich E-Reader-Käufer – seien vor allem im Buchhandel anzutreffen. „Unser Ziel ist es, dem Buchhandel eine Hardware an die Hand zu geben, die er gut verkaufen kann und bei der er auch am Content mitverdienen kann, unabhängig davon, ob der Kunde auf dem E-Reader oder der Internetseite des Händlers einkaufen möchte.“ 

Sony hatte seine E-Reader 2009 zunächst exklusiv über das Barsortiment Libri und die über libri.de angeschlossenen White-Label-Shops der Buchhändler vertrieben. Ein halbes Jahr später wurde das Vertriebsnetz auf den Elektronikhandel ausgeweitet; inzwischen ist Sony nach eigenen Angaben an mehreren 1000 Verkaufsstellen präsent. Jetzt verlieren Libri und die angeschlossenen Buchhändler das Inhalte-Privileg.
Die Nachricht von Sonys eigenem Store führte im Sommer bereits dazu, dass einige Sortimenter ankündigten, die Reader nicht mehr verkaufen zu wollen, sobald Sony einen eigenen Shop startet.

Kommentare

3 Kommentare zu "Content is king"

  1. Wer braucht noch Buchhändler?

  2. Na, da freuen wir uns doch auf den geharnischten offenen Brief, den die eBuch jetzt an den Börsenverein schreibt und verlangt, dass in der Braubachstraße kümftig niemand mehr mit Sony-Laptops arbeiten oder mit SonyEricsson-Smartphones telefonieren soll.
    Sony hat die Konsequenz gezogen aus der Untätigkeit und Larmoyanz, mit der weite Teile des Sortiments das Thema E-Book behandeln. Bedauerlich mag der Schritt sein, aber er ist sehr im Interesse der Verleger. Vielleicht wacht das Sortiment ja doch noch irgendwann auf?

  3. Jetzt wollen alle wie Amazon Geld verdienen mit Content und nicht mit der Hardware. Schön, dass wir Buchhändler immer mehr Konkurrenz bekommen….

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