Zeit des Ruhms ist vorbei

Dass nach dem rasanten Aufstieg irgendwann ein Fall kommt, ist auch für die E-Reader erwartet worden. Doch dass dieser so schnell und in einem fast ebenso hohen Tempo erfolgt, ist selbst für iSuppli überraschend.

Die Technologie-Marktforscher diagnostizieren einen „alarmierend rasanten Rückgang“ des E-Reader-Marktes, ausgelöst durch den Erfolg von Tablet-Computern:
  • In diesem Jahr würden weltweit 14,9 Mio E-Reader ausgeliefert, ein Rückgang von 36% gegenüber dem Vorjahr.
  • Im kommenden Jahr erwartet iSuppli nur noch 10,9 Mio Geräte, die von den Herstellern verschifft werden.
  • Bis 2016 werde die Zahl sogar auf 7,1 Mio sinken – zwei Drittel weniger als zum Höhepunkt im Jahr 2011. 
Kurze „Zeit an der Sonne“ 

Aus Sicht von iSuppli ist der rasante Anstieg – von 2008 (1 Mio Geräte) bis 2010 (10,1 Mio Geräte) – und der plötzliche Einbruch von E-Readern beispiellos selbst in der für kurze Lebenszyklen bekannten Verbraucherelektronik-Branche. Die Marktforscher sehen in dieser Entwicklung eine grundsätzliche Bestätigung für das Muster, nach dem Geräte, die nur eine Funktion bedienen (in diesem Fall die Lektüre von E-Books), im Leben von Verbrauchern „ohne Reue“ schnell durch multifunktionale Geräte ersetzt werden. Gleichwohl würden andere monofunktionale Geräte wie Digitalkameras, GPS-Systeme und MP3-Player, die ebenfalls unter Druck stünden, „eine längere Zeit an der Sonne“ genießen als E-Reader. 

Der Absatz von Tablets dagegen wachse unaufhörlich. Zwei Jahre nach Einführung des iPad würden in diesem Jahr 120 Mio Tablets verschifft, bis 2016 werde die Zahl auf 340 Mio wachsen, so iSuppli. Inzwischen habe die Vielseitigkeit der Tablets die Kostenvorteile von E-Readern „überholt“. Zum Vergleich: Die Materialkosten beim 7-Zoll-Kindle von Amazon (Ende 2011 erschienen) lägen bei 84 Dollar, die des Google-Tablets „Nexus 7“ dagegen bei 153 Dollar.
E-Reader sind kein „Next Big Thing“
iSuppli geht davon aus, dass die E-Reader-Anbieter versuchen werden, den Markt zu erhalten, indem sie die Geräte zu Herstellerkosten oder darunter anbieten. Als Beispiel führt das Unternehmen den „Txtr Beagle“-Reader an (dessen Start vor der Buchmesse exklusiv von buchreport vermeldet wurde), der mit Hilfe von Mobilfunkanbietern für rund 13 Dollar verkauft werden solle – so teuer sei allein das Display. Doch trotz der niedrigen Preise würden E-Reader nicht mehr die Beliebtheit von früher erlangen. 
Fazit von iSuppli: E-Reader seien nicht das „Next Big Thing“, wie es eine zeitlang schien, stattdessen sei die „Zeit des Ruhms“ („moment of glory“) schnell vorübergegangen.

Kommentare

7 Kommentare zu "Zeit des Ruhms ist vorbei"

  1. Ich glaube, das betrifft nur den us-amerikanischen Markt, hier steigen die Verkaufszahlen immer noch, wir hinken eben 2-3 Jahre hinterher.
    Umstieg auf Tablets? Hier sind gerade die letzten Buchhändler vom LCD zu eInk umgestiegen.

    Meiner Meinung nach werden die Zahlen überdramatisiert, die Zielgruppe- Vielleser ist relativ klein, der Markt in USA ist ausgeschöpft, wer einen eReader braucht, der hat schon einen.
    Wenn fast alle den Reader schon haben und der seine Arbeit gut tut, warum neues kaufen? Das Geld wird in die Bücher investiert und das ist doch gut so.

    Die eReader eben „dumme“ Geräte, ein zwei Jahre altes Gerät kann auch heute mit den Readern der unteren Preisklasse mithalten, die eReader werden selten im 2 Jahrestakt ausgetauscht wie zum Beispiel Smartphones.

    Außerdem gab es längere Zeit kaum Kaufanreize, die Technik stand lange stil, jetzt gehts wieder weiter- die HD Bildschirme und die Beleuchtung bringen doch mancheinen zum Einstieg bzw. Ersetzung seines alten Readers. Sowohl in USA als auch hier ist der Kindle Paperwhite ausverkauft, Kobo und Thalia sind wohl auch zufrieden.

    Ich glaube die Zahlen pendeln sich in USA auch ein und irgendwann kommen ja die Geräte mit farbigem Bildschirm, die sicherlich auch auf Interesse stossen.

  2. 1. Zweifle ich die Zahlen an. 2. Hat sich das erledigt, sobald jemand einmal WIRKLICH ein komplettes Buch auf dem iPad lesen will. Der kauft sich Ruckzuck lieber einen Kindle/Sony

  3. Ich habe hier: http://www.neunetz.com/2012/12… ein paar Schlussfolgerungen aufgeschrieben, und, weil ich Service groß schreibe, sogar die Originalquelle von iSuppli verlinkt.

  4. Zumindest fragwürdig, eine Studie aus dem englischsprachigen Raum ohne Veränderung der Details und ohne Ansehen der Marktgegebenheiten auf den deutschen Markt umzulegen.
    Noch schlimmer, wenn dabei andauernd Äpfel und Birnen verglichen werden.

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