Grünes Licht aus Brüssel?

Im Streit um mögliche Preis-Absprachen beim Vertrieb von E-Books drückt Brüssel aufs Tempo. Offenbar steht die EU-Kommission kurz davor, den von mehreren Großverlagen und Apple vorgelegten Vergleich ohne Abstriche abzusegnen.
Die Nachrichtenagentur Reuters beruft sich auf ungenannte Quellen. Demnach werde die Entscheidung zum grünen Licht im Dezember verkündet. Brüssel erklärte auf Reuters-Anfrage, man sei weiter dabei, den Vergleich zu prüfen.
Die EU-Kartellwächter hatten im September 2012 einen offenen Markttest eröffnet, dem der Vergleich mit HarperCollins, Simon & Schuster, Georg von Holtzbrinck, Hachette Livre und Apple unterzogen werden sollte.
Die wesentlichen Bestandteile des Vergleichs (der sich an einem ähnlich gelagerten Settlement in den USA orientiert):
  • Die Verlage müssen ihre Agency-Verträge aufgeben.
  • Die Verlagshäuser dürfen mindestens fünf Jahre keine „Meistbegünstigungsklausel“ abschließen. Diese Klausel wurde von Apple im Rahmen des Agency-Models eingeführt und verpflichtete die Verlage, ihre E-Books im iBookStore mindestens genauso günstig anzubieten wie in anderen Shops.
  • Die Verlage geben den Shops und in einem Zeitraum von zwei Jahren die Freiheit über die Gestaltung der E-Book-Preise zurück. 
  • Die Händler dürfen die Preise für die Endkunden reduzieren, allerdings maximal in der Höhe des eigenen Rabattes (üblicherweise 30%) – mit dieser Klausel soll das so genannte „Loss Leading“ verhindert werden, bei dem E-Books unter dem Einkaufspreis weiterverkauft werden, um primär Kunden für andere Artikel anzuwerben (eine Geschäftspraxis, die Amazon in den USA pflegt).
Den Vergleich mit Brüssel nicht unterzeichnet hat Penguin (gehört noch zu Pearson, künftig voraussichtlich Teil der Verlagsgruppe Penguin Random House). Der Verlag hatte sich auch in den USA dem Agency-Vergleich verweigert und sucht die Entscheidung vor dem Kadi.

Was ist Agency?

Anders als beim Lizenzierungsmodell, das dem Händler selbst erlaubt, die Bedingungen für den Verkauf der E-Books zu bestimmen, bleibt der Verlag beim Agency-Modell (auch Kommissionsagenten-Modell genannt) rechtlich „Herr des Geschäfts“, diktiert also Bedingungen, vor allem den Preis. Die Kartellwächter sind nicht gegen das Modell an sich, melden aber Zweifel am Zustandekommen des Modells an. Die VErlage hätten sich mit Apple abgesprochen, um den Agency-Ansatz durchzusetzen.

Kommentare

Kommentar hinterlassen zu "Grünes Licht aus Brüssel?"

Hinterlassen Sie einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


IT-Channel

buchreport IT-Channel
  • »Mit der Blockchain können wir erstmals Besitz digital festhalten«  …mehr
  • Verlage und Virtuelle Realität: Es scheitert am Geld  …mehr
  • »Machine-generated books sind ein sehr wahrscheinliches Szenario«  …mehr

  • Webinar-Video

    webinar_videos

    Webinar verpasst?

    Falls Sie ein Webinar verpasst haben, können Sie nachträglich das Video zum Webinar bestellen und sich die Inhalte bequem am Computer anschauen. Hier finden Sie eine Übersicht der verfügbaren Webinar-Videos.

    Hardcover Belletristik
    1
    Brown, Dan
    Bastei Lübbe
    2
    Fitzek, Sebastian
    Droemer
    3
    Riley, Lucinda
    Goldmann
    4
    Meyerhoff, Joachim
    Kiepenheuer & Witsch
    5
    Kehlmann, Daniel
    Rowohlt
    13.11.2017
    Komplette Bestsellerliste Weitere Bestsellerlisten

    Veranstaltungen

    1. 16. November - 3. Dezember

      Münchner Bücherschau

    2. 20. November

      Geschwister-Scholl Preis