Wie läuft der Verlagskrimi, Frau Rodi?

Ulrike Rodi (Foto: li., neben Verlagsgründer Rutger Booß) führt seit 2010 den Krimi-Spezialisten Grafit. Im buchreport-Interview wirft sie Blicke auf einen Tatort mit Kampfspuren.

Große Filialisten treten an der Wachstumsgrenze auf die Bremse und verkleinern die Verkaufsfläche. Wird es für Kleinverlage bald noch schwerer, mit ihren Programmen aufzuscheinen?
Auf jeden Fall. Wobei die Entwicklung ja schon vor längerer Zeit ihren Anfang genommen hat. Schon seit zwei Jahren zeichnet es sich doch ab, dass die Sortimente ihre Lager zurückfahren. Und wie viele Buchhandlungen haben schon aufgegeben. Dass die Großen ihre Flächen zurückfahren, ist nur die Fortsetzung eines Prozesses, der lange in Gang ist. Es gibt immer weniger Ausstellungsfläche für Bücher und die Wahrscheinlichkeit, wahrgenommen zu werden, sinkt.

Ein düsteres Bild. Wie lässt sich gegensteuern?
Wenn ich das Patentrezept hätte, wäre ich froh und glücklich. Man kann wohl aber nur dagegenhalten, indem man versucht, noch stärker an den Endkunden heranzukommen. Wir haben schon vor zwei Jahren mit Social-Marketing-Maßnahmen im Web angefangen. Wir pflegen die Adressen der Grafit-Fans, die wir regelmäßig auch postalisch kontaktieren. Man muss den Kunden und seinen Bedürfnissen so weit es geht entgegenkommen.
Die Verlagskonglomerate lassen bei der Digitalisierung die Muskeln spielen. Welche Rolle übernehmen E-Books und E-Commerce bei Grafit?
Das ist auch für uns ein großes Thema mit klarer Wachstumstendenz. Wir legen seit zwei Jahren alle gedruckten Bücher zeitgleich auch als E-Book vor. Unsere Backlist ist momentan bereits zur Hälfte digitalisiert. Die Absatzzahlen steigen. E-Books sind ganz klar ein wichtiger Umsatzfaktor.

Sie knabbern nach einhelliger Branchenmeinung und nach ersten Analysen aber vor allem am Taschenbuch. Kein Problem für einen  Nischenverlag, der dezidiert auf dieses Format baut?
Wie gesagt: Man muss die Leser dort abholen, wo sie unterwegs sind. Es gibt viele Hardcore-Leser, die Mengen von Texten verschlingen und denen es nicht so sehr darauf ankommt, ein Buch haptisch zu besitzen. Den E-Book-Bereich werden wir auf jeden Fall ausbauen.

Die Dienstfahrt durch das Jahr absolvieren Verlage und Handel bislang mit gemischten Gefühlen. Wie läuft der Krimi für Grafit?
Spezialisierung ist ein Segen, manchmal aber auch ein Fluch. Unsere Spezialität ist ein sehr populäres Genre, das von manchem Großen und vielen kleinen Verlagen bedient wird. Wir müssen an unserer bestehenden Linie festhalten und gute deutsche Krimis machen. Wenn wir uns weiter über die Qualität profilieren, haben wir auch gute Zukunftsperspektiven.
Die Fragen stellte Rainer Uebelhöde

Zur Person: Ulrike Rodi

trat 1992 nach einem Studium der Publizistik, Kunstgeschichte und Germanistik als Volontärin in den Grafit-Verlag ein.  Noch im gleichen Jahr übernahm die 46-Jährige bei den Dortmundern das Lektorat. Seit dem Rückzug von Verlagsgründer Rutger Booß im September 2010 in den Ruhestand führt sie als alleinige Gesellschafterin die Geschäfte. 

aus: buchreport.magazin 10/2012

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