Der Krieg der Plattformen

Zum Auftakt der Buchmesse-Woche hat der Unternehmensberater Benedict Evans anlässlich der „Publisher’s Launch“-Konferenz die Strategien der großen Technologiefirmen auf dem E-Book-Markt skizziert. Und auch die kleineren Verfolger haben sich am Main mit Blick auf den scharfen Wettbewerb positioniert. 

Evans wichtigste Einschätzungen zum „Krieg der Plattformen“:

  • Während es Google (analog zu Facebook) primär um Anzeigenerlöse gehe und aus diesem Grund den iTunes-Klon Google Play bewusst rudimentär halte, wolle Apple mit der geschlossen Infrastruktur in erster Linie Hardware verkaufen.
  • Amazon erwirtschafte in den USA nur noch ein Viertel des Umsatzes mit Medien, Tendenz sinkend; entsprechend bestehe das Ziel der Kindle-Tablets primär darin, dass die Nutzer bei Amazon einkaufen, von der Waschmaschine bis zum Fotoapparat – E-Books stünden dabei nicht im Zentrum. Laut Evans kommt das Fire-Tablet besonders häufig in den Fernseh-Werbepausen zum Einsatz, wenn die Nutzer im Amazon-Shop einkauften. 
  • Gemeinsamer Nenner von Google, Amazon und Apple sei das intergrierte Hardware-Inhalte-Ökosystem; wer dieses nicht anbieten könne, sei auf dem Tablet-Markt auf verlorenem Posten. 
Angesichts der Marktmacht der vier „Horsemen“ (ein Zitat von Google-Chef Eric Schmidt, gemeint sind neben Google Facebook, Amazon und Apple) wächst der Druck auf die kleineren Akteure, sich zu positionieren. Kobo-Content-Sales-Chef Michael Tamblyn räumte ein, dass die Kanadier in diesem Jahr hinter ihrem Plan (12 neue Länder in 2012) liegen – was Tamblyn mit der Übernahme durch Rakuten und dem Start eines Angebots in Japan begründete –, kündigte für die Buchmesse aber die Bekanntgabe einer neuen größeren Kooperation an. Aktuell habe Kobo 10 Mio Nutzer und 3 Mio Titel in der Datenbank. Das weitere Wachstum sei programmiert: Der globale E-Book-Katalog wachse aktuell um 3% – pro Woche. Der Titelkatalog in Deutschland sei in nur 6 Monaten um 206% gestiegen. 
Auch Barnes & Noble setzt im Kampf gegen Amazon besonders auf den eigenen, möglichst internationalen Titel-Katalog. Dieser umfasse aktuell 18 Sprachen und sei „so wettbewerbsfähig wie der des größten Wettbewerbers“. Theresa Horner, Vice President für den Bereich digitale Inhalte bei B&N: „Das ist ein globales Geschäft, und wir benötigen die Inhalte von jedem Verleger in jeder Sprache auf jedem Markt, auf dem wir agieren“. Und: „Es geht in erster Linie um Inhalte, nicht um Technologie“. Neben der Internationalisierung legte Horner den Fokus besonders darauf, Inhalte für die ganze Familie anbieten zu wollen. 

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