Offline-Gigant verbannt Amazon-Geräte

Der Wettbewerb zwischen Online- und Offline-Händlern gewinnt an Schärfe: Während hierzulande gerade die Verbundhändler von Electronic Partner eine Allianz mit Amazon zum Vertrieb der Kindle-Tablets geschlossen haben, gibt der größte US-Einzelhändler dem Online-Primus den Laufpass. 
Vor wenigen Tagen erklärte Wal-Mart, dass die E-Reader und Tablets von Amazon künftig nicht mehr in den eigenen Geschäften verkauft werden sollen. Die Gründe blieben in der Pressemitteilung ungenannt. Die Tatsache, dass Wal-Mart aber weiterhin Geräte von Apple, Google, Barnes & Noble und Samsung verkauft, zeigt, dass der Schritt als Attacke gezielt gegen Amazon zu verstehen ist. Nicht nur die Tatsache, dass immer mehr Kunden ihre Einkäufe im Netz erledigen, beunruhigt offenbar die Einzelhändler. Speziell Amazon ist ihnen ein Dorn im Auge, seitdem der Onliner eine App herausgebracht hat, mit der Kunden vor Ort im Geschäft Preise vergleichen – und direkt bei Amazon kaufen können.

„Der Kindle Fire ist das Trojanische Pferd. Das ist eine Einkaufs-Plattform, die sehr viel mehr Kategorien umfasst als E-Books. Sie tangiert Wal-Mart in einer anderen Art und Weise, als es die frühen Kindle- und andere E-Reader getan haben“, erklärt Andrew Rhomberg, Chef bei der E-Book-Empfehlungsplattform Jellybooks, der „New York Times“.

Für den weltgrößten Onlinehändler ist ein solcher Laufpass nicht neu. Im Mai 2012 hatte bereits Target in den USA die Kindle-Geräte verbannt.
Demgegenüber haben die sonstigen großen Handels-Partner von Amazon, Best Buy, Staples und Office Depot, laut „New York Times“ dem Onliner (vorerst) die Treue geschworen. In Großbritannien kooperiert Amazon mit der Buchkette Waterstones.
Dass die bisherigen „pure player“ der Onlinewelt verstärkt ins Stationäre drängen, zeigt auch das Beispiel von Redcoon. Der Online-Händler aus dem Hause Media-Saturn will laut „Lebensmittel Zeitung“ Anfang 2013 seine erste Filiale eröffnen. In einem Interview mit der „Wirtschaftswoche“ erklärte Geschäftsführer Reiner Heckel, dass man sich aufgrund von Selektivverträgen gezwungen sah, diesen Weg zu gehen. Durch solche Verträge versuchen Elektronikhersteller den stationären Handel zu schützen, indem sie Onlinern nur einen Teil der Produktpalette zukommen lassen. Aber „gerade im Netz erwartet der Kunde, dass er aus dem kompletten Sortiment auswählen kann“, so Heckel. Viele 
Online-Händler hätten daher bereits „Alibi-Shops“ eröffnet, um an die Ware zu kommen. Auch scheinen die Hersteller im doppelten Sinne zu selektieren: Auf Amazon sind stets alle Produkte verfügbar.
Neben Elektronikartikeln verkauft Redcoon seit Frühjahr 2011 auch Bücher und sorgte mit Preisbindungsverstößen für Schlagzeilen. „Unser Ziel ist es, als Fachdiscounter angesehen zu werden und Bücher passen gut zu diesem Image“, erklärt Heckel. Es sei demnach „gut möglich, dass auch E-Books künftig bei uns eine Rolle spielen werden“.

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