Keine Zeit zu verlieren

Im Streit um das Agency-Modell streben mehrere Großverlage und Apple eine friedliche Lösung mit der EU-Kommission an (hier mehr). Überraschend: Während Holtzbrinck in den USA vor Gericht für das Agency-Modell kämpft, will sich die deutsche Verlagsgruppe in Europa auf einen Vergleich einlassen. Rüdiger Salat (Foto) erklärt, warum.
„Holtzbrinck war an keinerlei Abstimmungen in irgendeinem Land beteiligt“, betont der Holtzbrinck-Chef in einer Stellungnahme, habe sich aber „nach reiflicher Überlegung entschlossen, der EU-Kommission Verpflichtungszusagen vorzuschlagen und ist bereit, diese Verpflichtungszusagen abzugeben, soweit sie sich letztlich als akzeptabel erweisen“. 
In den USA dagegen verweigert sich Holtzbrinck-Tochter Macmillan dem Agency-Vergleich und sucht die Entscheidung vor dem Kadi. Der Unterschied aus Sicht von Salat: In Europa könne sich ein Kartellverfahren lange hinziehen und zu einer erheblichen Rechtsunsicherheit führen. Die Folge: Holtzbrinck würde sich nicht mit voller Kraft im E-Book-Verlagsgeschäft auf dem europäischen Markt engagieren können. Deshalb strebe man eine einvernehmliche Lösung mit der EU-Kommission an.
Auch Hachette Livre betont, dass man nicht gegen Wettbewerbsrecht verstoßen habe. Man wolle sich dennoch auf den Vergleich einlassen, weil, „die Kosten, die Länge und die Folgen eines Verfahrens vor der EU Kommission das Geschäft und die allgemeine Entwicklung des E-Book-Marktes zu stark beeinträchtigen“ würden.

Von HarperCollins hieß es, man kooperiere mit der EU, um eine Lösung zu finden.

Apple und Simon & Schuster haben ihre Entscheidung für den Vergleich bisher nicht kommentiert.

Den Vergleich mit Brüssel nicht unterzeichnet hat Penguin (Pearson). Der Verlag will vor Gericht für das Agency-Modell kämpfen und sich vorerst nicht zu dem Fall äußern. 

Mehr zum Thema ist im buchreport-Dossier zum Agency-Streit nachzulesen. 

Foto: © Mike Minehan

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