Atemberaubend, erstaunlich langweilig

Nach der Zahl der Superlative, die man bei Apple stets in Produktpräsentationen verwendet, könnte man meinen, dass der Konzern den Smartphone-Markt mit dem iPhone 5 erneut aus den Angeln heben wird. Wie müssen sich Verlage und App-Entwickler auf die neue Hardware einstellen?
Die wichtigsten Neuerungen im Überblick: 
  • Das laut Apple „weltweit dünnste Smartphone“ ist 18% dünner (7,6 Millimeter) und 20% leichter (112 Gramm) als das iPhone 4S
  • Das neue Retina Display ist höher, aber nicht breiter gestaltet und soll dadurch mehr Fläche bei guter Bedienbarkeit bieten. Es hat – statt 3,5 Zoll beim 4S – jetzt 4 Zoll Diagonale und zeigt 1136 x 640 Pixel an.
  • Das iPhone 5 unterstützt den schnelleren Mobilfunkstandard LTE –in Deutschland allerdings zunächst nur im Netz der Telekom. 
  • Der neue A6-Prozessor soll das neue iPhone doppelt so schnell machen wie seinen Vorgänger. 
  • Auch der Akku wurde verbessert und soll reichen, um acht Stunden lang zu telefonieren oder zu surfen bzw. 225 Stunden im Ruhemodus laufen.
  • Das iPhone 5 soll ab dem 21. September 2012 in Deutschland, Australien, Frankreich, Großbritannien, Hong Kong, Japan, Kanada, Singapur und den USA erhältlich sein. 

„Ein iPhone ohne Wow-Effekt“

„iPhone 5 ist das schönste Consumer-Gerät, das wir jemals entwickelt haben“, rühmt Marketing-Vizechef Philip Schiller das Gerät. Es biete eine „erstaunliche Menge an Innovation und fortschrittlicher Technologie in ein dünnes und leichtes, Edelstein-ähnliches Gerät gepackt, das über ein atemberaubendes 4-Zoll Retina Display, einen rasend schnellen A6 Prozessor, ultraschnelles Wireless“. 
Die Reaktionen von Technikexperten und Journalisten dagegen sind eher verhalten:

  • Das iPhone 5 sei „completely amazing and utterly boring“, schreibt „Wired. Zwar werde das iPhone Jahr für Jahr besser und sei sicherlich auch immer noch besser als alle Modelle der Konkurrenz. Doch es biete aber keine „radikal andere Erfahrung“ mehr, erinnert „Wired“ an Erfindungen wie iPod, iPhone, iPad und MacBook Air, mit denen Apple die Computer- und Musikwelt auf den Kopf gestellt hat. 
  • Apples Vorsprung zur Konkurrenz werde kleiner, urteilt auch „Zeit Online. Das iPhone 5 habe zwar alle Erwartungen erfüllt, sie aber nicht mehr übertroffen wie in den vergangenen Jahren: „Apple, so scheint es, hat mindestens einen Teil seines Nimbus verloren.“
  • „Ein iPhone ohne Wow-Effekt“, heißt es in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Bahnbrechende Innovationen sehen anders aus.“
  • Auch die „Süddeutsche Zeitung“ kritisiert, dass Apple auf revolutionäre Neuerungen verzichtet.

Bei aller Kritik: Ein Verkaufshit dürfte das neue iPhone dennoch werden. Denn bisher galt bei den Apple iPhones die Regel, dass jedes neue Gerät die verkauften Stückzahlen aller Vorgänger erreicht, beruft sich die „FAZ“ auf Marktanalysen. Beim iPhone 5 rechnen Analysten mit mehr als 5 Mio Geräten in den ersten Tagen. 

Ältere Apps sollen auch auf dem neuen iPhone laufen 

Dringender Handlungsbedarf für Verlage und App-Entwickler scheint vorerst nicht zu bestehen: Alte Apps sollen ohne Änderung auf dem größeren iPhone-Display laufen können, wenn man den schwarzen Balken am Rand verschmerzen kann. Apple habe ein Interesse daran, dass auch ältere Apps auf den neuen Geräten abgespielt werden können, erklärt App-Entwickler und Berater Matthias Heubach von Heubach Media auf Anfrage von buchreport.de.

Für Verlage sei die ständige Weiterentwickung der Lesegeräte dennoch eine Herausforderung: „Fakt ist – und das gilt für Android-Geräte noch mehr als für iOS – dass die Content-Anbieter, die es gewöhnt waren, den Herstellungsprozess von Büchern mit Druckunterlagenschluss abzuschließen, für digitale Produkte inzwischen fremdbestimmte Geräte-Updates in ihre Prozesse einplanen müssen“, so Heubach.

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