Britische Bilderbuch-Expertise für deutschen Lese-Nachwuchs

Usborne ist Großbritanniens Kinderbuchverlag des Jahres. Im August ging der deutsche Ableger mit Partner dtv an den Start. 

Peter Usbornes Leidenschaft sind Kinderbücher. 1975 hat er den Londoner Verlag gegründet, der seinen Namen trägt und der kürzlich von der britischen Buchbranche zum Kinderbuchverlag des Jahres gewählt worden ist. Eine längst überfällige Auszeichnung, wie viele meinen, denn Usborne Publishing ist nicht nur einer der führenden Kinderbuchverlage auf der Insel, sondern eine gradlinige Erfolgsstory

Mehr als 2000 Titel sind derzeit lieferbar, jährlich kommen ca. 350 Neuerscheinungen hinzu. Finanziell ist der Verlag bestens aufgestellt: Das Ende Januar zu Ende gegangene Geschäftsjahr 2011/12 steht mit einem Umsatzplus von 18% auf 45 Mio Pfund in den Büchern, unter dem Strich werden seit Jahren tiefschwarze Zahlen geschrieben.  Das Geheimnis des Erfolgs trotz schwächelnder Branchenkonjunktur erklärt der 74-jährige Verleger so: „Nichts überhasten, Risiken vermeiden und auf organisches Wachstum setzen.“

Diese pragmatische Einstellung spiegelt sich auch im Programm wider. Angefangen hat Usborne mit Bilder- und Beschäftigungsbüchern, die auch heute noch die Visitenkarte des Hauses sind. „Wir sind bekannt für gut gemachte Sachbücher mit dem gewissen Etwas.“ Ausklappseiten zum Beispiel oder Mitmachbücher mit aufziehbaren Fahrzeugen oder Stickern. Der Aktionsradius wurde schrittweise erweitert, so dass Us­borne heute alle Altersstufen vom Baby bis zum Teenager bedient. Seit fünf Jahren ist auch Belletristik im Programm.

Wichtigster Vertriebspartner ist der Buchhandel, aber von Anfang an wurde mit Usborne Books at Home auch der Direktverkauf gepflegt. Die Organisatoren dieser „Tupper-Partys mit Büchern“ sind meist Hausfrauen, die für jedes verkaufte Buch eine Kommission von 25% bekommen.

Die Familie Usborne hält nach wie vor die Zügel fest in der Hand. Sie besitzt 73,75% der Anteile, den Rest hat Peter Usborne vor 20 Jahren an den US-Kinderbuchriesen Scholastic verkauft, mit dessen Verleger Dick Robinson er befreundet ist. Ein cleverer Schachzug, denn mit dem Zugriff auf Scholastics rund um den Globus gespanntes Vertriebsnetz konnte Usborne seine eigenen, von der Lust am Reisen und Neugierde auf fremde Länder geprägten internationalen Ambitionen umsetzen.

Heute ist der Verlag unter seinem Namen mit Tochterunternehmen in Frankreich, Italien, Holland, Spanien und Lateinamerika aktiv – und jetzt auch in Deutschland. Usborne Verlag heißt das im Frühjahr gegründete Joint Venture mit dtv, in das die Briten die Bücher und die Münchner ihre Expertise in Sachen Vertrieb und Marketing einbringen. Die Entscheidung für dtv fiel, als die Briten von dessen neuer Vertriebskooperation im Kinder- und Jugendbuch hörten.

Geführt wird der Verlag von London aus von Nicola Usborne sowie der gebürtigen Münchnerin Claudia Holzer, die vorher in der Lizenzabteilung von Usborne war. Aber, betont Peter Usborne, „alle wichtigen Entscheidungen treffen wir gemeinsam mit dtv“ und auch das Tagesgeschäft wird in enger Absprache abgewickelt. Die letzte Entscheidung, welche Bücher ins Programm aufgenommen werden, liegt ebenfalls bei dtv. „Wir prüfen Usbornes Vorschläge auf ihre Tauglichkeit für den deutschen Markt“, erklärt Alexander Weiß, der Vertriebsleiter Kinder- und Jugendbuch des Münchner Verlags.

Das Startprogramm umfasst 36 Sach- und Beschäftigungsbücher für Babys und Kleinkinder und wird seit August sukzessive ausgeliefert. „Das ist eine gute Größenordnung; nicht zu groß, um den Handel zu überfordern, aber auch nicht zu klein, um übersehen zu werden.“ Die Akzeptanz der Bilderbücher mit dem englischen Absender im deutschen Buchhandel ist „richtig gut“, sagt Weiß. „Vor allem, wenn man bedenkt, dass es eigentlich nicht unbedingt die beste Zeit ist, um einen neuen Verlag in Deutschland zu installieren.“

Für Peter Usborne war die Gründung des Usborne Verlags eine „fast logische Konsequenz“, denn der deutsche Markt gehört seit Jahren zu den wichtigsten Partnern der Londoner. Mehr als 600 Buchrechte wurden seit 1975 an 39 verschiedene Verlage verkauft. Und auch privat gibt es eine starke „German Connection“: Usbornes Mutter stammt ebenso wie seine Ehefrau aus Deutschland. 

Text: Anja Sieg

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