Warnschild für Piraten

Während der Rückhalt für Warnhinweise an Nutzer urheberrechtsverletzender Portale in der Politik schwindet (hier mehr), scheinen die Nutzer selbst dem Modell gegenüber aufgeschlossener. Dies ist ein Ergebnis einer GfK-Studie im Auftrag des Börsenvereins, des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI) und der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU). Im Detail: 
  • 72% der Deutschen halten es für sinnvoll, Menschen, die Inhalte illegal herunterladen, vom Provider zu warnen, bevor rechtliche Schritte eingeleitet werden.
  • Mehr als die Hälfte (57%) der Deutschen glaubt, dass Personen, das Herunterladen illegaler Inhalte nach dem ersten (29%) oder zweiten (28%) Warnhinweis einstellen würden. Bei den aktiven Downloadern ist der Anteil derjenigen, die an die Wirksamkeit glauben, mit 67% deutlich höher. 
  • Ein Bußgeld für Anbieter illegaler Inhalte halten 77% für angemessen. Für Personen, die diese herunterladen, betrachten 53% eine Geldstrafe als angemessen.
Das Unrechtsbewusstsein ist ebenfalls durchaus ausgeprägt:

  • 97% wissen, dass das Herunterladen oder Anbieten von urheberrechtlich geschützten Medieninhalten über Peer-to-Peer-Netze verboten ist.
  • Unter den Nutzern illegaler Download-Quellen liegt der Anteil immerhin noch bei 88%.  
Den Handlungsbedarf macht die Studie an folgenden Ergebnissen fest:
  • Legale Bezugsquellen: Im vergangenen Jahr haben 16,3 Mio Personen Medieninhalte für den dauerhaften Besitz heruntergeladen. Davon haben 44% (7,2 Mio) ausschließlich legale Quellen genutzt. 
  • Illegale Downloads: Immerhin 3,1 Mio Deutsche haben nach eigenen Angaben urheberrechtlich geschützte Medieninhalte illegal aus dem Internet heruntergeladen, das entspricht 19% der Downloader.
  • Streaming: 14,8 Mio Personen haben 2011 Medieninhalte als Stream genutzt. Die Aufzeichnung gestreamter Inhalte, genannt Streamripping, scheint sich als zusätzliche Nutzungsform in der rechtlichen Grauzone etabliert zu haben: 37% haben diese Dienste im Jahr 2011 verwendet. 
Die Definition von illegalen Downloads wurde nach der Kritik an der ersten Studie noch einmal überarbeitet: Im Vorjahr wurden die meisten Downloads, die nicht kostenpflichtig waren, als illegal eingestuft, wodurch auch legale Downloadangebote wie das „Projekt Gutenberg“ als „illegal“ eingestuft wurden. In der jetzt vorgelegten zweiten Auflage der Studie werden Plattformen für lizenzfreie Produkte (wie das nun explizit in der Studie genannte „Projekt Gutenberg“) als legal eingestuft. 

Ein interessantes Detailergebnis: Zwar sind 72% der Deutschen der Meinung, dass es ausreichend legale Angebote gibt, um E-Books im Internet zu kaufen oder zu nutzen. Doch es besteht noch Handlungsbedarf: Nur 46% sind der Meinung, dass es ein perfektes legales Angebot für E-Books gibt, weniger als beispielsweise im Musikmarkt (59%). 8% besorgen sich nach eigenen Angaben E-Books kostenlos, wenn es sie nicht zu kaufen gibt. 

Für die Studie wurden 10.000 Personen befragt, die repräsentativ für 63,6 Mio Deutsche ab 10 Jahren sind. Zusätzlich wurden 3.000 Personen befragt, repräsentativ für 4 Mio Deutsche Onliner ab 14 Jahren.
Die ausführlichen Ergebnisse sind im aktuellen buchreport.express 34/2012 nachzulesen (erscheint am Donnerstag, 23. August, und ist hier zu bestellen).

Kommentare

2 Kommentare zu "Warnschild für Piraten"

  1. Mela Eckenfels | 22. August 2012 um 15:42 | Antworten

    *seufz* Schade, dass hier eine gewisse Beratungsresitenz zu Tage tritt.

  2. Helmut von Berg | 22. August 2012 um 14:04 | Antworten

    Angesichts der Auftraggeber der Studie würde mich immer auch die konkrete Fragestellung(sumgebung) interessieren, um die Antworten besser einordnen zu können. Auch die Auswahlkriterien der befragten Personen wären interessant. Sie schlicht als »Nutzer« zu umschreiben, halte ich für – wie sagen Juristen da gern – voreilig.
    Die Art der nachgefragten Sanktionen darf man sich auch einmal auf der Zunge zergehen lassen.
    Wir formuliert Karl-Ludwig von Wendt so schön: »Statt selbst die Technologie voranzutreiben, die das eigene Kerngeschäft
    auf Dauer zerstören wird, versucht man, diese Zerstörung möglichst lange hinauszuzögern.«

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