Der Unmut über den Verein ist groß

Hat der Börsenverein leichtfertig 585.000 Euro in einem aussichtslosen Schadensersatzprozess gegen ehemalige Geschäftsführer der Buchhändler-Abrechnungs-Gesellschaft (BAG) versenkt? Die Sortimentergenossenschaft eBuch ist davon überzeugt und hält weiter an der Strafanzeige gegen Börsenvereins-Vorsteher Gottfried Honnefelder, Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis und Joachim Treeck, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Börsenvereins-Holding BBG, fest. „Wir haben den Verantwortlichen viele Fragen gestellt. Leider fehlen uns immer noch viele Antworten“, erklärt eBuch-Vorstand Lorenz Borsche (Foto: li.) im Gespräch mit buchreport.
Im Interview äußern sich Borsche und Michael Pohl (re.), ebenfalls Vorstand der eBuch, zum Sachstand.
Wann werden die Gespräche mit dem Börsenverein fortgesetzt?
Borsche: Wir können leider nichts weiter tun und warten auf Signale aus Frankfurt. Unser Gesprächsangebot haben wir immer wieder klar formuliert und erneuern es hiermit. Es ist Aufgabe des Verbands, ein entsprechendes Gesprächsangebot zu machen, nachdem alle Rechtfertigungen, was die Führung des Prozesses und die damit verbundenen hohen Kosten angeht, von uns widerlegt wurden. Bislang müssen wir weiterhin davon ausgehen, dass der Prozess aussichtslos war und der Streitwert viel zu hoch, weil niemals beitreibbar. Das aber, verlangt der BGH, hätte der Aufsichtsrat prüfen müssen.
Wird die eBuch gegen die Entlastung des Börsenvereins-Vorstands auf den Buchtagen gerichtlich vorgehen?
Borsche: Dafür gibt es keine gesetzliche Frist. Es gibt auch keine juristische Pflicht, das zu tun, allenfalls eine moralische. Die Anwälte empfehlen allerdings nicht länger als 6 Monate zu warten. Wir würden uns sehr wünschen, den Fall schon vorher zu den Akten legen zu können. 
Wie hoch ist der Rückhalt bei den Mitgliedern der eBuch?
Pohl: Auf den Buchtagen in Berlin waren drei von fünf Aufsichtsräten der eBuch, beide Vorstände und weitere Mitglieder anwesend, um die über 120 uns übertragenen Stimmen wenigstens zum Teil einsetzen zu können. Historisch betrachtet, hat es noch nie auch nur annähernd so viele Stimmen gegen die Entlastung des Börsenvereins-Vorstands gegeben – wenn es überhaupt jemals welche gab. Fast 20%. Und es hätten dreimal mehr sein können, wenn es eine Möglichkeit gäbe, auch schriftlich unbegrenzt abzustimmen. Mehr Rückhalt, als dass Sortimentsbuchhändler ihren Laden zusperren und nach Berlin reisen, um mit uns abzustimmen, kann man wohl kaum verlangen, wenn man weiß, wie ungünstig Berlin für die Mehrheit der Sortimentsbuchhändler ist.
Wie groß ist der Unmut? 
Borsche: Der Unmut über den Verein ist groß und wir werden immer wieder in Telefonaten von Buchhändlern gefragt, ob man nicht endlich austreten solle. Wir haben uns diesbezüglich immer fair gegenüber dem Verein verhalten und einem Austritt nicht zugeraten. Der Verein hat uns hingegen oft genug unfair behandelt und die Fälle, in denen die Rechtsabteilung gegen uns agiert, wenn wir versuchen, die Preisbindung zu schützen, sind Legion. Aber unsere Erfolge vor Gericht reklamiert man dann auch gern für sich selbst, gerade zuletzt in Sachen Redcoon geschehen.
Wird die eBuch künftig mehr Gewicht auf die Durchsetzung branchenpolitischer Anliegen legen?
Borsche: Wir würden als ziemlich große Gruppe gern gehört werden, ohne dafür unbedingt offiziell in Ausschüssen oder Gremien verankert zu sein, ein regelmäßiger Gaststatus würde uns völlig reichen. Und ja, solange unser Mitglieder in Summe 20-mal so viel Beitrag einzahlen wie ein Regionalfilialist gleicher Umsatzgröße, so lange ist schwer verständlich, dass wir vom Verband allzu oft nicht gehört werden und insgesamt wenig Einfluss auf seine Politik haben.
Die Fragen stellte Rainer Uebelhöde.
aus: buchreport.express 31/2012 (hier zu bestellen)

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