Alles muss (wieder) raus

Millionen wollte er investieren, den Konzern partout komplett erhalten und die Arbeitsplätze sichern. Doch offenbar hat Karstadt-Besitzer Nicolas Berggruen fast zwei Jahre nach der Übernahme der Warenhäuser die Lust daran verloren. Laut SPIEGEL (Ausgabe vom 6. August 2012) treibt der deutsch-amerikanische Investor den Weiter-Verkauf voran. 

Berggruen habe den Aufsichtsratschef des Unternehmens, Jared Bluestein, damit beauftragt, die Karstadt-Premium- und Karstadt-Sporthäuser abzustoßen, schreiben die Hamburger. Aktuell gebe es Verhandlungen mit der Qatar Holding (kaufte 2010 das britische Kaufhaus Harrods) und dem kanadischen Familienunternehmen George Weston Limited (Eigentümer der britischen Kaufhäuser Selfridges).

Die verbleibenden Karstadt-Häuser könnten nach Einschätzung von Branchenkennern über kurz oder lang bei der Metro-Gruppe landen und mit der gut laufenden Kaufhof-Kette verschmolzen werden.
Krisen-Signale listet der SPIEGEL zahlreich auf: 
  • Nur 24 Kaufhäuser seien bislang unter Berggruen-Regie modernisiert – oder zumindest „gefaceliftet“ – worden. 
  • Konzernchef Andrew Jennings habe in seinem Juli-Rundbrief an die Mitarbeiter eingeräum, dass Karstadt unter ineffektiven Strukturen und Prozessen mit zu vielen Bereichen geringer Produktivität leide.
  • Ende August laufe der Sanierungstarifvertrag aus, durch den Jennings bislang Weihnachts- und Urlaubsgeld gespart habe.
Eine Filetierung des Konzerns hätte voraussichtlich Auswirkungen auf die Bücherabteilungen, die sowohl in Eigenregie als auch von Hugendubel und Weltbild gesteuert werden. Ende Juni hatte buchreport.de berichtet, dass sich die DBH von sieben Karstadt-Standorten verabschiedet, weil Jennings das Sortiment verkleinern und den Fokus auf Mode, Beauty, Uhren und Schmuck legen will. 

Update: Bluestein hat inzwischen dementiert: „Medienberichte, wonach Berggruen Holdings in Verhandlungen sei und/oder die Karstadt Premium Gruppe und/oder Karstadt Sports plane zu verkaufen, sind unwahr und entbehren jeglicher Grundlage“, lässt der Aufsichtsratschef vermelden. „Nicolas Berggruen ist ein langfristig orientierter Investor und dementiert entschieden, dass Teile des Karstadt-Geschäfts verkauft werden sollen.“ Er unterstütze Karstadt-CEO Andrew Jennings und dessen Strategie „Karstadt 2015“ uneingeschränkt.

Kommentare

2 Kommentare zu "Alles muss (wieder) raus"

  1. Hugendubel geht es ebenfalls nicht gut…Weltbild bekommt ja durch den Investor zumindest frische finanzielle Mittel. Hier sollten die Verlage auch mal überlegen, wie man Buchhändler wie Thalia, Hug und WB unterstützt, sonst bekommen sie in Zukunft nur noch von Amazon vordiktiert wie sie zu „handeln“ haben.

  2. Der geplante Verkauf der Buchkette Thalia und somit die Herausnahme aus dem Verbund mit Douglas wäre sicher für den Buchhandel insgesamt gesehen eine negative Signalwirkung.
    Gerade von Thalia gingen ja die großflächigen Sortimente im stationären Ladengeschäft aus.
    Nach der Weltbildkrise, dem anstehenden Verkauf der Bertelsmann Buchclubs wird nun mit Thalia eine Großbuchhandlung zum Verkauf stehen, wo die Voraussetzungen für einen gesuchten Käufer sehr in die Breite gehen.
    Das Ganze gibt wieder einmal weitere Unsicherheiten in der gesamten Buchbranche.
    Es sollte auch hier rechtzeitig in der Chefetage von Douglas für die Mitarbeiter/innen etwas getan werden.
    Ich denke da auch an ein Mitspracherecht der Mitarbeiter/innen.
    Es bleibt jetzt abzuarten, wie sich die Pläne von Douglas entwickeln.
    Eine Kommunikation im Unternehmen ist daher dringend notwendig.
    H. Kraft

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