Münster fällt ins Sommerloch

Die Thalia-Tochter buch.de bleibt angesichts des hohen Wettbewerbsdrucks im Sinkflug. Die Zwischenbilanz nach neun Monaten weist rückläufige Erlöse und Erträge aus. Der Negativtrend scheint sich zu verschärfen.
Nach einer Mitteilung des börsennotierten Unternehmens, an dem die Douglas Holding 79,9% der Anteile hält, schrumpfte der Umsatz von Oktober 2011 bis Juni 2012 um 3,8% auf 94 Mio Euro. Auch beim operativen Ergebnis (EBITDA, 912.000 Euro, minus 30%) und Vorsteuerergebnis (EBT, 144.000 Euro, minus 72%) müssen die Münsteraner Federn lassen. 
Der Negativtrend erscheint besonders beunruhigend mit Blick auf die isolierten Zahlen fürs 3. Quartal (1. April bis 30. Juni 2012), in dem das Umsatzminus sogar 7,6% erreichte (auf 23,4 Mio Euro). Das operative Ergebnis rutschte in die roten Zahlen (–299.000 statt im Vorjahreszeitraum plus 99.000 Euro), das Minus beim Vorsteuerergebnis fiel noch deutlicher aus (–597.000 statt –176.000 Euro).
Kein Mittel gegen Amazon

Die Münsteraner Begründung für die schwache Bilanz fällt gleich aus wie in den vorangegangenen Quartalen: die anhaltend negative Kurs- und Preisentwicklung in der Schweiz sowie der steigende Wettbewerbsdruck in Deutschland – nicht genannt, aber gemeint ist Amazon. Außerdem habe die Neujustierung des Marketingmixes noch nicht „die sinkende Effektivität der bisherigen Marketingmaßnahmen zur Neukundengewinnung und Kundenbindung“ vollständig kompensieren können.

Im Interview mit buchreport.de hatte der buch.de-Vorstand im März 2012 angekündigt, dem Kunden künftig „aggressiver“ zu signalisieren, dass es Alternativen zu Amazon gebe. „Und da hilft es uns, wenn wir künftig mit weniger Marken unterwegs sind, und diese Marken klarere Profile für unsere Kunden haben.“ Doch bislang hat sich buch.de noch nicht von einzelnen Marken verabschiedet.

Der Vorstand (nach dem Tod von Oliver Reul, ab März 2010 Vorstandsmitglied, ist Michael Weber alleine im Amt; derzeit wird an einer Nachfolgeregelung gefeilt) hält an seiner im Mai 2012 nach unten korrigierten Prognose für das Geschäftsjahr 2011/2012 fest: Der Konzernumsatz bleibe auf dem Niveau des Geschäftsjahres 2010/2011 (129,6 Mio Euro), das Vorsteuerergebnis werde im Korridor von 0 bis 0,6 Mio Euro liegen.

Gesamter deutscher Onlinehandel schwächelte im Frühjahr

Der Negativtrend bei buch.de findet eine Entsprechung im gesamten deutschen E-Commerce. Der „e-KIX“-Konjunkturindex des E-Commerce-Center Handel (ECC Handel), der monatlich die Stimmung bei den deutschen Onlinehändlern „misst“, weist für die reinen Onlinehändler („pure player“: ohne Katalog- und stationäre Vertriebsschienen) von Februar bis Mai 2012 rückläufige Umsätze aus (siehe Schaubild) – seitdem steigt das Stimmungsbarometer allerdings. 

Besser wird die Entwicklung bei den Multichannel-Unternehmen eingeschätzt, die sich über eine deutliche Verbesserung ihrer Interneterlöse freuen.

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