Auftakt zum Verschleudern

Fast zwei Monate vor der Auslieferung des neuen Romans von Joanne K. Rowling rüsten sich die Händler fürs Bestseller-Geschäft. In Großbritannien liefern sich besonders die Supermärkte eine Preisschlacht. In anderen Ländern ärgern sich Übersetzer über die Geheimhaltungspolitik der Autorin, die einzelne Verlage diskriminiere. 

Nach einem Bericht des „Bookseller“ unterbietet der Supermarkt-Riese Sainsbury’s mit seinem Angebot für Vorbesteller (8,99 Pfund) selbst den Online-Giganten Amazon (9,86 Pfund). Bei Waterstones werde „The Vacancy“ für 10 Pfund angeboten. Zum Vergleich: Der empfohlene Ladenpreis von Little, Brown liegt bei 20 Pfund. Sainsbury’s unterbietet den preis also um 55% – und steuert ein Niveau an, das inzwischen typisch für die britische Buchbranche vor Weihnachten geworden ist.

In den USA preist Little, Brown den Roman mit 35 Dollar aus, bei amazon.com kann er für 20,93 Dollar vorbestellt werden (–40%).

Britische Sortimenter über Preiskampf verärgert
Bei den Sortimentern sorgt der Preiskampf erwartungsgemäß für Verärgerung. Das Fachblatt zitiert Jim MacSweeney von der Buchhandlung Gay’s the Word bookshop in London, der den Roman angesichts der Discount-Preise der Wettbewerber gar nicht erst anbieten wolle.

In Deutschland dürften Buchhändler und der Carlsen Verlag dagegen gelassen dem Erstverkaufstag (27. September) entgegensehen:  Preiskämpfe bei der deutschen Ausgabe (gedruckt 24,90 Euro, als E-Book 19,99 Euro) werden gesetzlich unterbunden. Hinzu kommt, dass die deutsche und englische Ausgabe zeitgleich erscheinen (ein Tag später folgt die französische), was die Attraktivität der deutschen Übersetzung erhöhen dürfte – bei den „Harry Potter“-Büchern erschien die englische Ausgabe Monate vor der deutschen. „Wir haben alles daran gesetzt, zeitgleich zu erscheinen“, berichtet Carlsen-Geschäftsführer Joachim Kaufmann. Dies sei auch für den Handel von Vorteil, weil dieser an den englischen „Potter“-Ausgaben nicht viel verdient habe. 

Auch wenn der erste Erwachsenen-Roman von Rowling vermutlich kein „Harry Potter“-Feuerwerk auslösen wird, das Interesse der Leser scheint groß zu sein: Im Ranking der Bücher-Vorbestellungen von amazon.de liegt der Roman auf Platz 26 (an der Spitze rangieren Band 2 und 3 der Erotik-Trilogie „Shades of Grey“). „Wir sind zufrieden mit den Vorbestellungen“, so Kaufmann. Diesmal sei es schwierig, den Erfolg des Romans einzuschätzen.
Carlsen darf jetzt schon übersetzen, andere Verlage blicken in die Röhre
Während Susanne Aeckerle und Marion Balkenhol derzeit in London für Carlsen und Ullstein (wo die Taschenbuch-Ausgabe erscheinen wird) an der Übersetzung arbeiten, müssen andere Verlage warten. Nach einem Artikel des „Guardian“ verweigert die Agentur von Rowling, the Blair Partnership, Verlagen in anderen Ländern wie Italien, Finnland und Slowenien das Manuskript – sie könnten erst zeitgleich mit dem Start der englischen Ausgabe mit den Übersetzungen beginnen. Dieser Schritt solle das Risiko, dass das Manuskript vorab veröffentlicht und auf Piraterie-Seiten verbreitet werde, minimieren, zitiert das Blatt die Agentur. Gegenüber „Publishers Weekly“ erklärte die Agentur, dass einige Verlage (gemeint ist offenbar auch Carlsen) besser in der Lage seien, solche Sicherheitsrisiken zu beherrschen. 
Bei den betroffenen Verlagen und Übersetzern sorgt diese Politik für Verärgerung: „Dies zwingt die Verlage weltweit dazu, die Regeln des guten Übersetzens und Lektorierens zu brechen“, zitiert der „Guardian“ den slowenischen Lektor Andrej Ilc. Um den Roman noch zum Weihnachtsgeschäft in den Handel zu bringen, werde man mehrere Übersetzer beschäftigen und den Lektorats- und Produktins-Prozess beschleunigen müssen.
In Finnland hätten die Übersetzer drei Wochen Zeit – 23 Seiten pro Tag, berichtet die Übersetzerin Jill Timbers.

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Hardcover Belletristik
1
Rowling, J.K.; Tiffany, John; Thorne, Jack
Carlsen
2
Fitzek, Sebastian
Droemer
3
Neuhaus, Nele
Ullstein
4
Ferrante, Elena
Suhrkamp
5
Beckett, Simon
Wunderlich
05.12.2016
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