Hype ist wenig verwunderlich

Shades of Grey“ prägt die Schlagzeilen und lässt die Kassen im Buchhandel klingen. Ist der Erfolg der Erotik-Trilogie ein Einzelfall? Oder zeichnet sich ein Trend im Buchhandel ab, auf den andere Verlage aufsetzen wollen? buchreport.de fragt bei Verlagen nach. Den Anfang macht Judith Mandt (Foto). Sie betreut als Lektorin das Erotiksegment bei Bastei Lübbe.
Ist der Erfolg der Erotik-Trilogie ein Einzelfall oder zeichnet sich hier ein breiterer Buchtrend ab?
Das wird spannend zu beobachten sein, denn „50 Shades“ ist gewissermaßen ein Sonderfall. Dass ein Hype auch in Deutschland entstanden ist, ist wenig verwunderlich, bedenkt man die einmalige Entstehungsgeschichte der Trilogie, sie wurde zuerst im Internet als Fanfiction zur Twilight-Saga bekannt und populär. Die Frage ist: Beschränkt sich der Hype nur auf dieses Buch mit seiner besonderen Entstehungsgeschichte oder zieht er andere erotische Literatur dauerhaft mit? Das sehen wir eher skeptisch.
Werden Sie vermehrt erotische Titel ins Programm nehmen? 
Wir werden – wie seit vielen Jahren schon – auch weiterhin einen Erotiktitel pro Monat in unserer Erotikreihe veröffentlichen. Sollten wir einen Titel entdecken, bei dem wir der Meinung sind, dass er eine noch breitere Zielgruppe anspricht als die unserer Erotikreihe, so werden wir diesen – wie in der Vergangenheit auch schon öfter vorgekommen –  sicherlich in unserer allgemeinen Reihe platzieren und entsprechend hervorheben.
Der US-Verlag Plume versieht die Bücher von Anne Rice mit dem Hinweis „If you liked 50 Shades of Grey, you’ll love the Sleeping Beauty trilogy“. Werden auch Sie bestimmte Backlist-Titel verstärkt bewerben oder gar neu auflegen, um vom Erotik-Trend zu profitieren?
Der Trend bleibt ja noch abzuwarten. Allerdings verkaufen sich viele unserer Erotik-Backlist-Titel auch ohne Werbung recht erfreulich, zum Beispiel „Die Nichte der Marquise“ von Daria Charon. Was die Sleeping-Beauty-Trilogie von Anne Rice angeht, so ist diese bereits in den 90ern in Deutschland (bei Goldmann) erschienen und steht unseres Wissens nach immer noch auf dem Index, was den Abverkauf solcher Titel im stationären Buchhandel natürlich nicht leichter macht.
In den USA und in Großbritannien wurde die Hälfte der Bücher von E.L. James als E-Book verkauft. Profitieren erotische Titel besonders vom digitalen Format?
Das ist sicher schwer auf andere Erotiktitel zu übertragen, da „50 Shades“ ja ursprünglich im Fanfiction-Bereich im Internet entstanden ist, also nicht parallel als E-Book und physisches Buch veröffentlicht wurde. Insgesamt schätzen wir das digitale Format für den Bereich der Erotik wichtiger ein als für andere Genres, weil der Einkauf dort – wie im Versandbuchhandel – einfach anonymer erfolgen kann.
Weitere Interviews zum Thema folgen in den kommenden Tagen. 

Kommentare

1 Kommentar zu "Hype ist wenig verwunderlich"

  1. Seit wann heißt das denn Triologie?

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