Verlage müssen sich mehr zeigen

Verlage sind unter Druck. Im Zuge der Digitalisierung und der neuen Möglichkeiten für Autoren, selbst zu publizieren, wird die Rolle der Verlage in Frage gestellt. Im Zuge der Urheberrechtsdiskussion wird ihnen sogar das Etikett „Content-Mafia“ angehängt.

Elisabeth Ruge (Foto) bis März 2011 Verlegerin des Berlin Verlags (der kürzlich an Bonnier verkauft wurde), baut gerade ein neues Programm und den Imprint-Verlag Hanser Berlin auf, der mit einem vorgezogenen ersten Titel „Ziemlich beste Freunde“ gleich weit oben auf der SPIEGEL-Bestsellerliste landete. „Ja“, sagt Ruge im buchreport-Gespräch, „Verlage haben womöglich in diesen turbulenten Zeiten bislang versäumt, zu vermitteln, worin ihre Leistung liegt. Man hat auch viele Entwicklungen im Internet, angefangen mit der Wikipedia, lange nicht ernst genommen. Man muss heute gründlich erklären, warum es vielleicht doch gut ist, für bestimmte Prozesse zu bezahlen, für die Aufbereitung, für die Verlässlichkeit von Inhalten. Wir sollten nicht so tun, als sei das – auch gerade für jüngere Generationen – selbstverständlich erkennbar.“

Elisabeth Ruge glaubt sogar, dass es Unterstützung von unerwarteter Seite gibt, eine Bewusstseinsveränderung bei den Treibern und Vordenkern der digitalen Welt: „Diese Menschen, die sich sehr stark im Internet engagieren, verstehen allmählich, dass da eine riesige Textproduktion im Gang ist, die die seltsamsten Blüten treibt, so dass es vielleicht doch interessant ist, eine Instanz zu haben, die Texten zu einer höheren Qualität verhilft. Sie erkennen, dass Redaktion und Lektorat eine Bereicherung sind. Es gibt eine Bewegung, die diese Instanz des Lektors wieder stärkt.“

Allerdings müsse auch die Verlagsbranche aus ihrer Defensivrolle. Ruge: „In unserer Branche gibt es zu wenig Enthusiasmus und zu viel Angst, dass alles kaputt gemacht wird: Wird es uns noch geben? Diese Art zu fragen ist falsch. Unsere Welt wird im Augenblick grundlegend umgekrempelt, und da wird keine Rücksicht genommen auf eine Branche, die sich nur verteidigt. Wir haben ganz viele wichtige Dinge beizutragen, Qualität, Tiefe und Präzision.“

Das ausführliche Interview mit Elisabeth Ruge sowie ein Beitrag über die Pläne und Perspektiven von Hanser Berlin steht im buchreport.magazin Juni 2012 (hier zu bestellen).

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