Lisa Maria Neis: Der Zauber von Pottermore

Lisa Maria Neis: Der Zauber von Pottermore

Weltweit träumten Fans von Harry Potter davon, noch mehr über das Potter-Universum zu erfahren. Mit dem Start der Plattform „Pottermore“ wurde auch den deutschen Anhängern eine neue Tür in diese Welt geöffnet. „Pottermore“ bietet neben dem exklusiven E-Book-Shop tiefe Einblicke in J.K. Rowlings Zauberwelt, gepaart mit interaktiven Elementen. buchreport.de hat die Zauberwelt erkundet.

Zielgruppe
Unmittelbar nach der Anmeldung wird der Nutzer gefragt, welche Bücher und welche Filme der Reihe er kenne. Das gesamte Konzept richtet sich insbesondere an die Leser der Romane, auch wenn man dem Geschehen problemlos als Potter-Laie gewachsen sein dürfte.

Aufbau und Spielcharakter
Die Startansicht lässt den Aufbau des Spiels erahnen: Auf einer sich über den Bildschirm windenden Leiste sind die einzelnen Bände mit ihren jeweils zwischen 17 und 38 Kapiteln abgesteckt. Diese entsprechen in ihrer Aufteilung und Betitelung den Kapiteln der Bücher. Nun gilt es, sie der Reihe nach zu erkunden und unterwegs Gegenstände zu sammeln oder Aufgaben zu absolvieren.

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Oberhalb der aktuellen Ansicht befindet sich während des gesamten Spiels eine Menüleiste. Die einzelnen Münzen zum Anklicken werden peu à peu freigeschaltet und ermöglichen, losgelöst vom gerade gespielten Kapitel, Zugang zu unterschiedlichen Spielbereichen. So kann der User die Winkelgasse besuchen, um Besorgungen zu machen, bei Gringotts (die Bank der Zauberer) seinen Kontostand einsehen oder unter dem Punkt Zaubersprüche beziehungsweise Zaubertränke seine Fähigkeiten trainieren.

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In der Mitte prangt sich das Wappen des Hauses, das zum eigenen Profil führt. Der „Pottermore“-Schriftzug leitet zur Startseite weiter, die anzeigt, in welchem Kapitel man sich befindet und wie weit man insgesamt in dem Spiel fortgeschritten ist.

Die einzelnen Kapitel:

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Ein kurzer Einführungstext ordnet das neue Kapitel in die Gesamthandlung ein. Die folgenden Unterkapitel werden in Form von kleinen Abbildungen angekündigt. Eine wirkliche Zusammenfassung der Geschichte erfolgt bei „Pottermore“ nicht, die Handlung wird lediglich nachempfunden.

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Mehrere Unterkapitel bestehen aus Illustrationen und darin eingebundenen Elementen zum Anschauen oder Sammeln. Oft lässt sich durch das Anklicken eines bestimmten Objekts ein exklusiver Textbeitrag von J.K. Rowling freischalten, der Hintergründe bestimmter Bereiche ihrer Zaubererwelt erklärt.

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Eine Abschlussseite zeigt an, dass das Kapitel beendet wurde. Unter einem weiteren kleinen Text als Überleitung zum folgenden Geschehen sind das in diesem Kapitel freigeschaltete Zusatzmaterial sowie die neuesten Kommentare von Pottermore-Nutzern zu diesem Kapitel aufgelistet.

Zu Kapitelanfang und -ende wird in einem kleinen Kästchen auf den „Pottermore Shop“ verlinkt, in dem alle E-Books und digitalen Hörbücher zum Download angeboten werden.

Individualisierbarkeit
Das optisch ansprechende „Pottermore“-Abenteuer beginnt ereignisarm und wirkt insgesamt sehr statisch. Erst ab Kapitel 5 „In der Winkelgasse“ bekommt das Spiel eine individuelle Note. Bis dahin lassen sich lediglich die Bilder der einzelnen Kapitel betrachten und heranzoomen, ab und an Rowlings Beiträge freischalten und Objekte einsammeln.

In der Winkelgasse dann bekommt der Nutzer sein Geld und in gewissem Maße die Möglichkeit, darüber zu verfügen. Man kann sich ein Haustier aussuchen und erhält einen Zauberstab, der anhand einiger Fragen individuell für den Spieler ausgewählt wird. Dies setzt sich in Kapitel 7 fort, wenn der Sprechende Hut in Hogwarts jeden einem der vier Häuser zuweist. Von diesem Zeitpunkt an kann man über Training, Duelle, erworbene Gegenstände und ähnliches Hauspunkte sammeln, die dem eigenen Haus gutgeschrieben werden.

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Interaktivität
„Pottermore“ versucht, ein offizielles Netzwerk aus Fans des Potter-Universums aufzubauen. Von Anfang an lassen sich Bekannte, die auch bei „Pottermore“ angemeldet sind, „als Freund hinzufügen“. Nach der Ankunft in Hogwarts können Mitspieler dann auch zu einem Zaubererduell herausfordern kann. Eine wirkliche Kommunikation findet allerdings kaum statt, zumal zwar in Kommentaren aufeinander eingegangen werden kann, aber keine Nachrichten untereinander verschickt werden können.

Fazit
„Pottermore“ bietet den Lesern der Bücher und auch den Fans der Filmreihe einen inhaltlichen Mehrwert, der nur hier exklusiv zur Verfügung steht. Das literarische Zusatzmaterial, kleine Anekdoten zur Entstehung der Romane oder direkt aus der Zaubererwelt, ergänzt die bisher bekannte Geschichte durchaus gekonnt. Dieser Mehrwert dürfte für viele Fans der eigentliche Anreiz sein, „Pottermore“ zu erkunden – schließlich erfährt man nur hier Einzelheiten über Professor McGonagalls Biografie, die Geschichte des Hogwarts-Expresses oder das Schulsystem in Hogwarts. Für Nicht-Leser der „Harry Potter“-Bücher hingegen dürften diese Informationen kaum zur Spielfreude beitragen.

Überhaupt bietet „Pottermore“ in erster Linie Buchbezug. Das Spiel ist für sich gesehen trotz einer hübschen Gestaltung nicht sehr attraktiv: In den einzelnen Kapiteln wird im Prinzip immer das gleiche geboten, man kann Bilder heranzoomen und ein paar Objekte anklicken, aber sich nicht frei bewegen. Abgesehen von den immer neuen Ansichten bieten die Kapitel wenig Abwechslung.

Nach Abschluss der 17 Kapitel des ersten Bandes bleibt letztlich, während des Wartens auf Band 2, weiterhin Zaubertränke zu mischen oder sich mit anderen Spielern zu duellieren. Dies bringt zwar keinen neuen Input, verschafft einem selbst und dem eigenen Haus aber immerhin Punkte. Für manche Nutzer mag das Spieler-Ranking einen Anreiz darstellen, „Pottermore“ auch nach Beendigung des ersten Buches regelmäßig zu besuchen. Insgesamt dürfte es aber schwierig sein, die Nutzer über die Dauer ihres konkreten Fortschreitens auf der Kapitelleiste hinaus zu halten.

Für Fans ist „Pottermore“ sicherlich eine schöne Bereicherung und ein netter Zeitvertreib, der sie das Gelesene noch einmal auf eine andere Art als der Film erleben lässt – für alle übrigen bietet das Spiel vermutlich zu wenig Aktionsmöglichkeiten, um zu begeistern.

Lisa Maria Neis ist Volontärin in der buchreport-Redaktion.

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