Die Autoren schlagen zurück

Lange Zeit haben sich die Urheber in der Debatte über das Urheberrecht zurückgehalten, jetzt folgt der massive Protest gegen die drohende Aufweichung des Urheberrechts. Auf Initiative des Berliner Literaturagenten Matthias Landwehr (Foto: li.) haben zahlreiche Autoren und Künstler einen Aufruf gegen den „Diebstahl geistigen Eigentums“ unterzeichnet (hier die Webseite zur Aktion). Die „Zeit“ flankiert die Aktion mit einem Feuilleton-Aufmacher (in der Ausgabe vom 10. Mai 2012).

Das Urheberrecht sei eine historische Errungenschaft bürgerlicher Freiheit gegen feudale Abhängigkeit, und es garantiere die materielle Basis für individuelles geistiges Schaffen, heißt es in dem Text, den prominente Vertreter der Kulturbranche wie Sven Regener, Mario Adorf, Charlotte Roche, Daniel Kehlmann, Julia Franck, Elke Heidenreich und Martin Walser unterzeichnet haben. 
Die Aktion richtet sich insbesondere gegen den von der Piratenpartei hervorgehobenen angeblichen Interessengegensatz zwischen
 Urhebern und „Verwertern“. Dies sei ein „abwegiges Bild unserer Arbeitsrealität“. In einer arbeitsteiligen Gesellschaft gäben Künstler die Vermarktung ihrer Werke in die Hände von Verlagen, Galerien, Produzenten oder Verwertungsgesellschaften, damit diese ihre Interessen bestmöglich vertreten und verteidigen. Und weiter: „Die neuen Realitäten der Digitalisierung und des Internets sind kein Grund, den profanen Diebstahl geistigen Eigentums zu rechtfertigen oder gar seine Legalisierung zu fordern. Im Gegenteil: Es gilt, den Schutz des Urheberrechts zu stärken und den heutigen Bedingungen des schnellen und massenhaften Zugangs zu den Produkten geistiger Arbeit anzupassen.“

Anfang April hatte eine von buchreport initiierte Umfrage, an der sich mehr als 700 Urheber, Agenten, Verleger, Dienstleister und Buchhändler beteiligt hatten, eine ausgeprägte verbale Mobilisierungsbereitschaft gezeigt. Demnach sind gut 90% der Ansicht, dass Kreative und Buchbranchenangehörige stärker fürs Urheberrecht auftreten und gegen Verstöße in die Offensive gehen sollten (hier mehr zur Umfrage).

Auch VG Wort verteidigt Urheberrecht

Auch die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort), die die Tantiemen aus Zweitverwertungsrechten an Sprachwerken inDeutschland verwaltet, mischt sich in die Debatte ein. In einem Positionspapier spricht sich der Wirtschaftsverein gegen die Verkürzung von Schutzfristen („würde das geistige Eigentum der Urheber deutlich entwerten“), gegen Fair-Use-Regeln nach US-amerikanischem Vorbild („führt zu erheblicher Rechtsunsicherheit“) und für eine angemessene Vergütung digitaler Privatkopien aus (hier das komplette Papier zum Download).

Im Vorfeld der Landwehr-Aktion hatte bereits die Autorengruppe „Das Syndikat“ dazu aufgerufen, sich für den weltweiten Schutz des Urheberrechts einzusetzen. Neben einer Erklärung hat die Gruppe auch drei Anzeigenmotive entworfen, bei denen ein Anonymous-Vertreter Leichen (von Autoren) fleddert (s. Foto).

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Kommentare

8 Kommentare zu "Die Autoren schlagen zurück"

  1. Johannes Klingebiel | 15. Mai 2012 um 2:35 | Antworten

    Peinlich wie die Autoren Anonymous und Piraten verteufeln und sich so jeder Debatte in den Weg stellen.
    Und so jemand bezeichnet sich als kreative und geistige Elite.
    Ebenso peinlich ist, wie wenig Ahnung mancher Kommentator von Anonymous und den Piraten hat.

  2. Sascha Leifhelm | 14. Mai 2012 um 21:50 | Antworten

    Wenn sich Herr Landwehr und das „Syndikat“ ernsthaft und sachlich an der Diskussion beteiligen wollten, würden sie vermutlich davon absehen ihre Gegner in der Diskussion als blutrünstige Leichenfledderer und „Seelenräuber“ darzustellen.
    Billige, polemische und beleidigende Provokationen erhalten unsachliche Reaktion aus dem Netz. so einfach ist das. Und ich bin mir ziemlich sicher, die Designer dieser Anzeigen waren sich dessen voll und ganz bewusst.

  3. Edwin Haberfellner | 11. Mai 2012 um 5:35 | Antworten

    Korrekt und einfach auf den Punkt gebracht. Besten Dank!

  4. Sebastian Dederichs | 11. Mai 2012 um 0:01 | Antworten

    Lieber Wolf R.,

    Anonymous ist keine Armee, die irgendeinem untersteht. Anonymous macht, was Anonymous will und niemand anders.

  5. Wolf-R. Marunde | 10. Mai 2012 um 22:37 | Antworten

    Anonymus gerieren sich mit ihren DDoS-Attacken immer mehr als der martialischer Arm der Piraten. „We are Anonymus. We are Legion. We do not forgive. We do not forget. – Expect us -„
    Ein pubertärer Hackerspaß ist es nicht mehr, was die treiben.

  6. Sonja Ullrich | 10. Mai 2012 um 22:14 | Antworten

    Naja, dass Anonymous ein Verfechter von Downloads für lau ist, ist ja kein Geheimnis mehr. Ebenso wenig, dass E-Books genau wie Filme im Netz gesaugt werden:
    http://www.cafebabel.de/articl

  7. Mela Eckenfels | 10. Mai 2012 um 21:39 | Antworten

    Gerade die heutige Aktion beweist, dass es nicht nur um Geld geht. http://www.mela.de/archives/13

  8. Sebastian Dederichs | 10. Mai 2012 um 17:46 | Antworten

    Was hat denn bitte Anonymous mit dieser Debatte zu tun? Ganz schwach, da versucht wohl jemand, kurz vor einer wichtigen Wahl nochmal eine große Gefahr für die etablierten Parteien zu schädigen … was ein Zufall, das diese Aktion diese Woche, und nicht nächste Woche aufgerollt wird …

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