Schlechtes Wetter macht gute Laune

Die Schwäche der gesamten Buchbranche war 2011 auch an den Verkaufsstellen am Bahnhof spürbar. Im Buchgeschäft gab es einen deutlichen Hänger. Mathias Gehle (Foto: Valora Retail), Vorsitzender des Verbandes der Bahnhofsbuchhändler und Geschäftsführer von Valora Retail Deutschland, sieht im Interview jedoch gegenläufig positive Entwicklungen in den ersten Monaten dieses Jahres. 
Die Print-Vertriebskanäle geraten an vielen Stellen immer stärker unter Druck: Wie stehen die Signale am Gleis? 
Im Vergleich zu anderen Distributionskanälen ist die Geschäftslage im Bahnhofsbuchhandel relativ stabil. In den Kernsortimenten Presse und Buch lagen die Umsätze 2011 in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Trotz ungünstiger Wetterbedingungen und langer Streiks der Privatbahnen schrumpfte der Umsatz „nur“ um 2,2%. Einbrüche bei den Tageszeitungseinkäufen wurden durch positive Trends in den Sortimenten Nonpress, Tabak und Convenience aufgefangen. 
Liegt das Geschäft mit den Büchern im Fahrplan?
Der Buchbereich hat sich im zurückliegenden Jahr deutlich nach unten entwickelt. In diesem Jahr haben wir aber eine sehr positive Entwicklung. Der Bahnhofsbuchhandel liegt momentan auf einem ganz ordentlich aufgelaufenen Plus im Vergleich zum Vorjahr.
Während das stationäre Sortiment nur schwer in die Gänge kommt. Warum brummt es am Gleis vergleichbar stärker?
Für eine Bewertung ist es noch etwas zu früh. Der April läuft besonders gut, was wohl auch am relativ schlechten Wetter liegt. Es erhöht die Kundenfrequenzen in den Bahnhofsbuchhandlungen. Ich glaube aber auch an einen weiteren wichtigen Grund: Wir setzen in unserer Fokussierung klar auf das Buchthema und nicht so stark auf die Nonbook-Komponente, die im stationären Buchhandel auf der großen Fläche immer stärker akzentuiert wird. Damit haben uns die großen Sortimenter durchaus einen Gefallen getan, denn dadurch strahlen wir dem Kunden gegenüber noch stärker Buchkompetenz aus. Der Kunde erkennt bei uns den Markenkern Print – bei Zeitschriften und bei Büchern. 
Ihr Verband tagte in Berlin unter der Überschrift „Print inszenieren und emotionalisieren“. In welche Richtung fährt der Zug?
Emotionalisieren heißt, dass man immer neue Anreize schaffen muss. Das kann über Visualisierung, also die Präsentation und das Hervorheben von Titeln geschehen. Der Bahnhofsbuchhandel stellt im Eingangsbereich schon jetzt Neuheiten vor. Wenn Sie in eine Verkaufsstelle gehen, wird man dort höchst selten noch einen MA-Tisch finden. Wir haben immer das aktuelle Angebot vorn. Impulsausgerichteter Ladenbau, Ausleuchtung, Farbgebung –  es gibt viele Stärken und Ansätze, auf denen der Bahnhofsbuchhandel weiter aufbauen kann. 
Wie läuft die Beziehung mit der Bahn?
Sie ist von einer zunehmend höheren Professionalisierung geprägt, was für beide Seiten gilt. Man spricht ehrlicher und auf Augenhöhe miteinander. Gleichwohl ist die Bahn natürlich sehr anspruchsvoll was das Thema der Mietbelastung anbelangt. Wie ein Einkaufscenter-Betreiber kennt die Bahn den Wert ihrer Immobilien. Und sie weiß, dass sie natürlich grundsätzlich Alternativen hat, wenngleich der Bahnhofsbuchhandel einen gewichtigen Teil der Mieterlöse der Bahn ausmacht. 

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