Wir erleben eine gewisse Abkehr vom Buch

Die Weiland-Buchhandlungen werden zu Hugendubel und rücken ab 30. Juni komplett unters DBH-Dach (buchreport.de berichtete). Der scheidende Gesellschafter Henning Hamkens (Foto) erinnert sich anlässlich seines 75. Geburtstages im Gespräch mit buchreport an den Beginn der Flächenexpansion.

Sie feiern Ihren 75., ziehen sich aus dem Buchhandel zurück und aus Weiland wird Hugendubel. Ein runder Plan?

Mein Ausscheiden und der Verkauf der verbliebenen Anteile ist vor fünf Jahren im Rahmen der DBH-Gründung vertraglich so vereinbart worden. Es läuft also alles nach Plan. An meinen runden Geburtstag haben wir damals aber nicht gedacht, ich wollte einfach meiner Verpflichtung für unsere 500 Mitarbeiter nachkommen und die Nachfolge sichern. Ich hatte schon vor mehr als zehn Jahren mit Heiner Hugendubel darüber gesprochen, dass wir uns eines Tages zusammentun. Die jetzt erfolgende Umbenennung war bei der DBH-Gründung allerdings kein Thema, aber das ist nach dem kompletten Verkauf auch in Ordnung.

Sie gehörten mit Heiner Hugendubel, Jürgen Könnecke, Helmut Falter und anderen zum Falkauer Kreis, einer Art Erfa-Gruppe größerer, innovativer Standortbuchhändler vor der großen Expansionswelle. Wie sehen Sie rückblickend die Entwicklung?

Der Falkauer Kreis hat die Branche grundlegend gewandelt, bevor es jemand von außen tat. Die Großflächen sind durch die Falkauer, beginnend mit Hugendubel am Marienplatz, eingeführt worden.

Derzeit ist der Begriff Großfläche ja nicht mehr so gut gelitten …

Das stimmt allerdings. Die Flächen waren aber zunächst überschaubar und den Standorten angemessen. Wir waren zuerst ziemlich vorsichtig und hielten schon 600-qm-Erweiterungen für gewagt: Wie will man das bespielen? Irgendwann ist das dann ausgeufert in die 4000-qm-Dimension. Dass das auf Dauer nicht so gut funktionieren wird, hat sich schon seit ein paar Jahren abgezeichnet. Weiland ist da ganz gut aufgestellt, weil wir von vornherein nur solche Flächen eingerichtet haben, wie man sie heute gern durchweg hätte. Das haben wir instinktiv ganz gut gemacht.

Wie wird sich Ihre Branche weiter verändern?

Ein gravierender Einschnitt war der Wandel in den Wissenschaften, als Verlage komplette Programme für die Online-Nutzung an die Bibliotheken gegeben haben. Ich kann mir vorstellen, dass die Umsätze weiter leicht zurückgehen, aber ich spüre keine Panik und glaube nicht an gravierende Veränderungen.

Ich kann allerdings das Medienverhalten der heranwachsenden Generation nicht verlässlich einschätzen, ob die wirklich dauerhaft mit ihren ganzen Tablets und anderen Mobilgeräten hantieren werden oder ob das gedruckte Buch wieder stärkere Aufmerksamkeit findet. Derzeit erleben wir eine gewisse Abkehr vom herkömmlichen Buch.

Die Fragen stellte Thomas Wilking

Henning Hamkens
wurde am 26. April 1937 in Lübeck geboren. Nach Buchhändlerausbildung und verschiedenen Stationen in der Branche trat er 1963 in die Buchhandlung ein, wurde 1964 Gesellschafter und baute die Kette auf heute 35 Filialen und ca. 68 Mio Euro Umsatz aus. 2007 wurde die neu gegründete DBH von Weltbild und Hugendubel Mehrheitsgesellschafter. Zum 30. Juni gehen auch
die bei Hamkens verbliebenen Anteile an die DBH und der 75-Jährige scheidet zum Jahresende aus der Geschäftsführung aus.

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