Susanne Martin: Ich hatte einen Traum

Susanne Martin: Ich hatte einen Traum

Neulich habe ich was schönes geträumt: Ich bekam einen Brief von meinem Barsortiment, in dem es mir mitteilte, dass ich mich demnächst bei der „Buchplattform des unabhängigen Deutschen Buchhandels“ registrieren könnte, einer Datenbank, die die gesammelten Daten von Libri, KNV, Umbreit und Libreka enthält. In dem Brief stand, ich könnte meine Internetseite an diese Datenbank andocken und könnte meinen Kunden so eine gleichwertige Datenqualität bieten, wie es amazon tut (und das zu einem erträglichen Preis), denn alle genannten Lieferanten hätten erkannt, dass es doch irgendwie keinen Sinn mache, sich gegenseitig das Wasser abzugraben, sondern dass die Veränderungen am Markt vielmehr verlangten, alle Kompetenzen zu bündeln und so den globalen Herausforderern auf Augenhöhe entgegenzutreten. Im Anhang fand ich einige sehr dicht beschriebene Seiten eines Vertrages, aber bevor ich beginnen konnte, die zu lesen, klingelte der Wecker.

Ich habe mich dann gefragt: Muss das eigentlich ein Traum bleiben? Müssen wir tatsächlich die Kleinstaaterei in unserer Branche so weitertreiben? Die Verlage belegen ihre E-Books mit hartem DRM und vertreiben sowohl p als auch e ganz gerne selbst. Andere Unternehmen entwickeln ihre eigenen Web- und E-Book-Shops, verhandeln mit Global Playern über Lösungen, ihre Shops auf Readern installieren zu dürfen und alle machen dabei ihre eigenen Fehler und Erfahrungen. Das Gros der Buchhandlungen bleibt außen vor, denn es kann keine eigenen Lösungen entwickeln, muss sich also für irgendeine der angebotenen Lösungen von der Stange entscheiden. Mangels tieferem technischem Sachverstand studiert man oft ratlos die einzelnen Lösungsvorschläge und hört von den VertreterInnen der jeweiligen Häuser natürlich immer, dass die hauseigene die Beste sei und die anderen Lösungen aus diesen oder jenen Gründen viel schlechter seien. Und hat dabei die ganze Zeit das ungute Gefühl, dass man hier zum Spielball der konkurrierenden Anbieters wird und dass man gegen den eigentlichen Konkurrenten mit dem „a“ im Unternehmensnamen sowieso keinen Fuß auf den Boden bekommt. Dessen Datenbank ist allen anderen haushoch überlegen, weil er es sich nämlich leisten kann, die Daten aller relevanten Marktteilnehmer zu beziehen und unter einer Oberfläche so zusammenzustellen, dass wirklich fast jedes Buch auffindbar ist. Und auch die E-Books lassen sich mühelos herunterladen, denn das DRM ist so geschickt verborgen, dass es die KundInnen gar nicht bemerken. Keine Registrierung bei Adobe, nein, einfach runterladen – fertig.

Beim Betrachten dieses Zustands bekomme ich zunehmend Alpträume und frage mich, wie lange es noch so weitergehen kann. Wie lange kann es sich unsere Branche noch leisten, vor lauter Schauen auf die eigenen Vorteile den Blick auf das große Ganze zu vergessen. Wäre es nicht wirklich an der Zeit nach einer echten Branchenlösung zu suchen, die Kompetenzen zu bündeln und Synergien herzustellen? Ist die Zusammenarbeit aller nur im Bereich E-Commerce und E-Books wirklich ein No-Go? Oder bietet es nicht viel mehr die einzige echten Chance, einem Global Player etwas entgegenzusetzen und dabei auch zu gewinnen?

Viele werden mich auslachen oder belächeln, aber ich finde, träumen hilft manchmal, die frustrierende Realität zu ertragen. Und wer weiß, vielleicht wird mein Traum eines Tages ja doch wahr?

Susanne Martin, Schiller Buchhandlung (Stuttgart)

Kommentare

14 Kommentare zu "Susanne Martin: Ich hatte einen Traum"

  1. Liebe Frau Martin,

    schön, daß 12 Jahre, nachdem wir (die eBuch-Gründer) bei Libri das Projekt DBDB (Deutsche Bücherdatenbank) initiiert hatten, dem sich dann auch KNV anschloß, und das damals vor allem von Herrn [zensiert] durch öffentlich gemachte Verweigerung der Daten einer der größten Verlage „abgeschossen“ wurde (wofür der dann mit dem Messedirektorsposten belohnt wurde, weil er die CashCow VLB „gerettet“ hatte), schön, daß sich manche Buchhändler, wie Ihre Kollegin, noch daran erinnern.

    Und, liebe Frau Martin, nein, die richtigen Ideen gehen nicht unter. Inzwischen hat die eBuch – zeitgleich von denselben Menschen initiert – unübersehbar an Gewicht gewonnen und wir haben uns in Sachen einer von Ihnen erträumten Universalbibliographie mit einem ähnlich ‚gewichtigen‘ Filialisten zusammengetan.

    Das (seit Januar 2012) noch im Werden befindliche Projekt trägt den Projektnamen UWK (Unabhängiger Webkatalog), und der Anforderungskatalog dazu ist nach langen Detail-Diskussionen (auch technischer Art) fast fertiggestellt.

    Sie werden davon hören, und wenn Sie einen solchen ‚UWK‘ für Ihre Website haben wollen, mit Ranking, Rezensionsmöglichkeiten, „Meinten-Sie-vielleicht“-Suche und allem anderen Schnickschnack, den man braucht, um gegen amazon zu bestehen, dann unterstützen Sie das Projekt, sobald es lanciert wird, bitte lautstark – eventuell auch gegen diejenigen, die eine solche absolut notwendige Innovation schon einmal zu verhindern wussten.

    Allerbeste Grüße nach Stuttgart,

    Lorenz Borsche
    eBuch eG
    Schwabach

  2. Erst träumen, dann nachdenken, dann planen, dann handeln.
    Spätestens beim Nachdenken sollte die Kundschaft gefragt werden. Alle bewundern Steve Jobs und Apple, weil hier jemand offenbar ein Händchen dafür hatte, seine Kundschaft zufrieden zu stellen und damit sehr viel Geld zu verdienen. Amazon verdient auch sehr viel Geld, weil es ebenfalls die Bedürfnisse seiner Kundschaft befriedigt. Amazons Service ist offenbar – noch – unschlagbar. Was ist das für Service? Einfachste Handhabung, preiswert und schnell, mit Möglichkeit zur Beteiligung. Wer diese Ansprüche nicht zufrieden stellen kann, hat keine Chance. Und wer glaubt, dass die Kunden aus Liebe zur heimischen Buchbranche auf den besseren Service verzichten würden, der träumt wirklich und mit offenen Augen.
    Susanne Martin hat also wahrlich Recht, hier ihre Wünsche und Hoffnungen zu äußern. Wenn sie nicht imstande ist, die Bedürfnisse ihrer Kunden zu bedienen, kann sie aufhören. Es muss doch also möglich sein, ihr und all den anderen Buchhändlern ein erstklassiges Instrument an die Hand zu geben, das sie wieder unabhängig vom großen amerikanischen Bruder macht. Oder will sich die Branche wirklich selbst aufgeben?
    Gesucht sind Leute mit Visionen, Idealen und Ehrgeiz, aber ohne Konkurrenzdenken.

  3. OK – ich ziehe mein „for free“ zurück – darauf kommt es mir auch gar nicht so an; allerdings sollte die Branche daran arbeiten, daß ein größtmöglicher Schatz an digitalisierten bibliographischen Daten tatsächlich so günstig wie möglich an so viele Buchhändler wie möglich kommen kann.

    Im Moment gibt es die Angebote, nach denen ein Buchhändler ungefähr 100 EUR (+/- x EUR je nach Konzept) im Monat zahlt, wenn er die vorkonfektionierten Shops der Barsortimente nutzt; dann hat er nicht die Daten zur Verfügung, sondern nur den Shop im Angebot.

    Dann gibt es Preise für Rohdaten und Webservices für bibliographische Daten, wenn er diese für eigene Kataloge, zum Beispiel Webseiten, einbinden möchte.

    Für diese Daten kann ich im Moment online keine aktuellen Preislisten finden – die kann man bei den Barsortimenten und der MVB anfordern.
    Sie lagen als Listenpreise bislang auf jeden Fall weit, weit über den 100 EUR, die der vorkonfektionierte Shop kostete.
    Die Gründe dafür: Die Entwickler der Kataloge möchten die Daten nicht an jemanden verschleudern, der dann seinen Einkauf woanders (zum Beispiel bei den Verlagen direkt) macht.
    Das Barsortiment Umbreit scheint hier eine andere Politik zu fahren. Vielleicht beeinflußt dies auch die anderen, größeren Branchenpartner.

    Unterm Strich bedeuteten die bisherigen Preise, daß es für kleinere Buchhändler sehr teuer und fast nicht finanzierbar war, eigene Shops zu entwickeln.
    Da die Preise seitens der Barsortimente im Prinzip unabhängig vom Nutzungsgrad gemacht wurden, also für ganz große wie ganz kleine Nutzer genauso teuer waren, waren die Lösungen für kleinere Shops auf jeden Fall unrentabler bis unmöglich.
    Möglichweise gab es bei den Preisen allerdings Spielräume, wenn man zum Beispiel nur ein Teilsortiment brauchte.
    Auf gar keinen Fall drückten die bisherigen Preise und Konzepte der Kataloganbieter so etwas aus: Nehmt alle so viel wie möglich und macht das beste draus; wir werden schon davon partizipieren.
    Vielleicht hatte dies auch mit Performance-Fragen zu tun (wenn viele Unternehmen einen Webservice nutzen, muß dieser schon ganz schön viel zu bieten haben).
    Nach meiner Erfahrung war es aber eher ein politischer Preis: Die Datennutzung sollte so eng wie möglich an den Kauf beim Barsortiment gekoppelt werden.
    Die Preispolitik bei der MVB kann ich dabei nicht so richtig einordnen: Da sie keine Bücher zu verkaufen hat, muß sie anders kalkulieren. Da sie den Schatz VLB aber auch nicht verschleudern darf, muß sie auf entsprechende Einnahmen achten.

    Gar nicht berücksichtigt wird bei diesem ganzen Thema, wie teuer die Katalogerstellung bei den Barsortimenten und der MVB ist.
    Wenn es so wäre, daß die Katalogpreise und Services deshalb so teuer sein müssen, wie sie es sind, weil der Aufwand, die Kataloge zu erstellen, weiterhin so hoch ist (die Autopsie der Barsortimente usw.), wäre zu prüfen, ob es nicht doch günstigere und effizientere Wege geben könnte, das Katalogwissen einzusammeln.

    Könnten diese z-.B. noch fallen, wenn noch mehr Daten durch einen Kanal zu den Barsortimenten kämen?

    Da könnte es vielelicht Potentiale zu geben, und da hat Susanne Martin dann recht, wenn sie drarauf verweist, daß sich da möglicherweise alle gegenseitig das Wasser abgraben.

    Vielleicht könnte, bei allem Verständnis für die Abgrenzungswünsche der Barsortimente (die aber, so mein Eindruck, unter dem Marktdruck vielleicht auch kleiner werden könnten), hier eine gründlichere Prüfung der Potentiale etwas bringen.

    Meine Zielvorgabe einer solchen Prüfung wäre: Wie müßte unsere Branchen-Daten-Infrastruktur aussehen, um möglichst viele valide Daten möglichst günstig an möglichst viele Empfänger zu bringen, die daraus möglichst viel machen.

    Davon abgeleitete Fragen für mich wären:

    In wieweit hat sich hier die Standardisierung (ONIX) bemerkbar gemacht, drückt sie sich irgendwie in den Preisen aus? Könnten diese sinken, wenn noch mehr Daten automatisiert, ggfs. zentralisiert geliefert werden? Wieviele % der Daten erreichen die Kataloghersteller automatisiert? Könnten die Kateloghersteller noch weitere Tools zur Datenpflege zur Verfügung stellen? Brächte es im Aufwand und in den Kosten etwas, wenn ein noch größerer Teil der Datenpflege dezentral, etwa durch die Auslieferungen oder die Verlage angeliefert würde? Könnte z.B. die Verschlagwortung, die offenbar Arbeit macht, noch automatisierter oder dezentraler gemacht werden, oder verlöre dann der Katalog seinen Zusammenhalt?

  4. Liebe Frau Martin,

    Sie haben einen ›großen Stein‹ ins Wasser geworfen!
    Weiter so.

    Herzliche Grüße
    Helmut von Berg

  5. Zunächst danke an alle, die durch Ihre Kommentare meinen Traum ernst nehmen – das habe ich so nicht erwartet!

    @Matthias Ulmer: Das Problem ist, dass amazon EINE Oberfläche anbietet, unter der viele Datenbanken verborgen sind. In unseren Läden können wir im Kundengespräch diese verschiedenen Datenbanken (VLB, Libri, KNV, Ubitweb, antiquaria etc) alle nutzen. Zwar nur teilweise unter einer Oberfläche (WWS), aber wenn der Kunde neben uns steht, können wir im Gespräch auch die anderen Datenbanken mal eben öffnen und so dem Kunden im Laden den bestmöglichen Service anbieten. Bei unseren Webshops können wir das nicht. Denn da entscheiden wir uns i.d.R. für ein Angebot von der Stange und das ist dann defizitär im Vergleich zu amazon. Es sei denn, es gäbe eine Oberfläche, unter der die Daten aller Anbieter zusammengestellt sind.

    @René Kohl: Ich glaube, Dein Traum ist noch größer als meiner 😉

    @Holger Ehling: Ganz bestimmt ist auch die Vermarktung der einzelnen Buchhandelswebshops ein großes Thema. Und ganz bestimmt wäre eine zentrale Verkaufsplattform hilfreich. Aber nur die Daten der MVB reichen, mit Verlaub, dafür nicht aus. Die Barsortimente bieten eine Fülle zusätzlicher Titel aus dem Ausland und Nonbooks an – nicht umsonst liegt ein Erfolgsfaktor von amzon auch darin, dass es inzwischen ein Kaufhaus ist. Über das ZVAB könnte außerdem dem Wunsch nach gebrauchten Büchern Rechnung getragen werden, wären die verfügbaren E-Books unter einer Oberfläche zu finden, könnte man vielleicht auch die DRM-Problematik entschärfen. Und ich bin, wie Renè Kohl der Meinung, dass jede Buchhandlung auch ein Stück weit selbst für die Qualität ihres Internetauftrittes verantwortlich ist und ihm ein individuelles Gesicht geben muss. Die KundInnen in Berlin sind anders gestrickt als die in Stuttgart-Vaihingen und noch mal anders als die in Hamburg-Eppendorf. Ich will ja den Buchhandlungen woanders gar keine Konkurrenz übers Internet machen, aber ich möchte auf meiner Internetseite meinen KundInnen eine ähnlich gute Daten- und Suchfunktionalität bieten wie amazon. Da bin ich ganz bei Angelika Rausch in Sachen Zuverlässigkeit der Datenlieferanten und Veredelung und auch bei Manfred Queisser in Sachen einfacher Bezahlmodus.

    @Thomas Wullkopf: Ja, wir stellen gebrauchte Bücher bei amazon ein ebenso wie übrigens bei booklooker. Das wirtschaftliche Ergebnis ist bei beiden Datenbanken zu vernachlässigen. Aber, wie Sie richtig sagen, dieses Angebot dient zur Komplettierung unseres Angebotes. Und noch viel schlimmer: Wir müssen leider, wie sehr viele andere Buchhandlungen auch, amazon immer wieder als Bibliographie und als Lieferant nutzen. Nur wenn es nicht anders geht, aber das ist leider öfter der Fall als mir lieb wäre. Insofern mögen wir Teil des Problems sein, aber aus Not: Wäre amazon in unserer Branche früher als das erkannt worden, was es heute ist (und davor kann ich nur den Hut ziehen), dann wäre das Problem heute vielleicht nicht ganz so brennend.

  6. Thees Wullkopf | 26. April 2012 um 23:27 | Antworten

    Liebe Frau Martin,

    bei allem Verständnis für Ihren Traum, aber (ist wirklich eine Frage, nicht böse gemeint): Sind Sie nicht selbst ein Teil des Problems?
    Die Schiller Buchhandlung trägt mit ihren eingestellten Büchern bei Amazon dazu bei, dass es bei Amazon wirklich fast jedes Buch gibt. Das tolle daran ist, dass es Amazon nicht einen Lagerplatz kostet, auch wirklich jedes unwirtschaftliche Buch im Portal zu führen, denn das Angebot wird durch Buchhändler wie Sie immer aufgefüllt.
    Frage an Sie: was haben Sie mit Ihrem Angebot bei Amazon bewirkt, außer deren Komplettierung des Angebots? Schauen Sie doch mal nach: haben Sie Erträge aus Ihrem Amazon Shop, die das rechtfertigen?

  7. Erich Zager-Spinn | 26. April 2012 um 22:39 | Antworten

    Hallo Frau Susanne Martin-King,

    Kompliment für das schöne Wortspiel!
    Träume können so schön sein. Aber Barsortimente träumen nicht mit. Das E-Book-Geschäft wurde verschnarcht, Warenwirtschaftssysteme fürs Sortiment wurden halbherzig in den Sand gesetzt und seit geraumer Zeit wird der Onlinehandel dilletiert. Gut, es gibt Libreka. Nach einer noch unveröffentlichten Studie vermuten 98 % aller Leser hinter dem Namen ein Katzenfutter … Warum auch nicht? Heute sickerte aus Thalia-Vorstandskreisen durch, dass man dort im Nonbook-Bereich mit Tiernahrung mehr Umsatz macht als mit Belletristik.
    Nein, die von Ihnen genannte – und naheliegende – Lösung des Branchenproblems kann weder von den Barsortimenten noch vom Verband kommen, beiden fehlen Wille und Professionalität. Die vielen Reden, Versprechungen, Absichtserklärungen etc. aus diesen Richtungen werden langsam zum Ärgernis. Doch wer kann es? Wer betritt den Markt und entwickelt ein Kooperationsmodell? Wer kann die vielen unabhängigen Teilnehmer dieses kleinen Marktes in ein Boot holen? Ich weiß es nicht, ich sehe es nicht.
    Und so verbleibe ich schlaflos im Norden …
    Ihr
    Erich Zager-Spinn

  8. Angelika Rausch | 26. April 2012 um 21:29 | Antworten

    Liebe Susanne,

    schöner Traum! An den Versuch der Deutschen Bücherdatenbank erinnere ich mich noch gut. Damals hatten sich die beiden großen Barsortimente KNV und Libri zusammen getan, eine qualitätsgesicherte Datenbank anzubieten, mit aktuellem Lieferstatus und verlässlichen betriebswirtschaftlichen Daten, angereichert mit sinnvollen verkaufsfördernden Informationen. Die Branche war damals nicht soweit. Das Projekt scheiterte.

    Inzwischen haben wir eine deutlich bessere Datenlage bei den allermeisten Verlagen. Und die Erkenntnis setzt sich langsam durch, dass nur verkauft werden kann, was auf den richtigen Kanälen bekannt ist – Datenqualität, Aktualität und der richtige Content sind der erste Schritt, ohne den es nicht geht.

    Diese Super-Datenbank gibt es aus meiner Sicht nicht alleine durch Datensammeln bei Verlag A-Z. Daraus mag ein Haufen von Daten entstehen. Datenbankqualität braucht mehr. Die Super-Datenbank braucht disziplinierte und verantwortungsvolle Datenlieferanten, IT-Potenzial und Manpower zur Veredelung. „For free“ gibt es das nicht.

    Unsere Branche ist doch eigentlich findig. Da gibt es sicher noch mehr solcher Träume. Und Träume zeigen mögliche Schritte zur Veränderung.

    Herzliche Grüße,
    Angelika Rausch

  9. Liebe Frau Martin,

    mein Traum ist eine Datenbank, die ein gescheites Ranking hat. Die Daten – da stimme ich Herrn Ulmer zu – sind nicht sehr unterschiedlich. Geben Sie doch bitte mal in Buchhandel.de, Buchkatalog.de, Libri.de, umbreitwebshop.de und amazon.de die Begriffe „garten“ und „gestaltung“ ein. Gruselige Ergebnisse ! ..außer bei Amazon. Umbreit macht es etwas besser und bei Ulmer.de findet man auch nicht das richtige. So zieht sich das durch alle Suchanfragen und dann wundern wir uns, dass nicht mehr Kunden unsere Shops nutzen.
    Weiter träume ich von einer branchenweiten 1-Klick Lösung, die den Kaufabschluß beim e-commerce und später beim m-commerce so verbessert, dass der Kunde gerne online beim Buchhandel kauft.
    Hier sind die BAG und die DZB-Bank angesprochen.

    Herzliche Grüße aus dem Saarland
    Manfred Queißer

  10. Lieber Holger,

    ich bin nicht ganz einverstanden mit Deinem Vorschlag oder verstehe ihn nicht richtig.

    Die Vielfalt unserer Branche, die Vielfalt unserer Themen, die Vielfalt unserer Konzepte, die Vielfalt unserer Regionen – die ist nicht in einer zentralen Verkaufsplattform umgesetzt. Für mich sind die Libri-ASP-Shops oder die Einbindung des alten Buchkatalogs zentrale Verkaufsplattformen…

    Aber vielleicht meinst Du auch mehr die Hintergrund-Infrastruktur? Offenbar arbeiten die Barsortimente und die MVB ja an sowas…

    Ich glaube, eine zentrale Frage (und vielleicht Philosophie) bei der Bewertung all dieser Konzepte ist die: Wieviel Spielraum hat der Buchhändler, sich als Empfehlender bestmöglich auszudrücken?
    Problematisch finde ich all die Angebote, wo die Barsortimente für die Händler vor Ort das Marketing und Empfehlungswesen meinen mitmachen zu müssen.

    Ob es vorkonfektionierte Sortimente sind oder eben vorkonfektionierte Empfehlungen und Schaufenster online: Der Buchhändler empfindet sie nicht als seine eigenen – wie soll dann der Kunde das anders sehen.

    Vor allem glaube ich mittlerweile nicht mehr, daß wir uns um das ganze Versand-Geschäft kümmern müssen – der Zug ist zu den großen Playern = Logistikern wirklich längst abgefahren.

    Ich finde, die Online-Shops der Buchhändler haben vor allem eine Aufgabe: Sie müssen das stationäre Sortiment spiegeln.
    Es kann nicht darum gehen, die Bestseller der Barsortimente zu zeigen – man muß seine eigenen zeigen.
    Wir brauchen in Berlin nicht die Gartentipps aus Stuttgart – sondern die Urban Gardening-Empfehlungen, die wir selsbt zusammenstellen.

    Wir müssen auch nicht unbedingt die Lieferbarkeitshinweise der Grossisten ausstellen, wenn der Titel vielleicht bei uns auf dem Ladentisch liegt.

    Die Barsortimente arbeiten ja an den Webservices, vielleicht entwickelt sich da was.

    Ich kann nicht versprechen, daß meine Ideen besser sind als die, die auf dem Markt sind – aber ich finde das eCommerce-Angebot der zentralen Katalog-Anbieter mit ihren vielen kleinen Shop-Klonen ist gescheitert.

    Interessant finde ich Deine Frage, woher der Kunde wissen soll, daß er die Bücher, die er haben will, auch über die Homepage des Buchhändlers bekommt. Da gibt es einige Möglichkeiten. Der Buchhändler könnte es ihm zum Beispiel sagen – wenn er ihm die Tür aufhält. Er könnte es ihm zeigen – indem er seine Webseite im Laden präsentiert. Er könnte es ihm schreiben – wenn er ihm die nächste Mail schickt, um ihm mitzuteilen, daß ein Buch abholbereit ist.
    Es ist ja der gleiche Kunde, der einmal in der Woche bei ihm vorbeikommt, sich mal was zurückstellen läßt, per Telefon seine Abholwünsche äußert…

  11. Die eigentliche Wunde, in die Susanne Martin den Finger legt ist die Tatsache, dass bei allem Gewusel und Datengehubere völlig übersehen wird, dass Buchhändler Brömme aus Bad Boll nicht die geringste Chance im Wettstreit mit den großen Jungs aus Übersee hat – nicht weil Libri und Konsorten keine sauberen Daten liefern könnten, sondern weil schlicht die Mittel zum Marketing fehlen.
    Ohne den Aufbau einer gemeinschaftlichen Dachmarke für den unabhängigen Buchhandel wird das nicht funktionieren – woher soll denn der Kunde wissen, dass er dieselben Bücher, die er bei Amazon & Co bestellt auch beim elektronischen Angebot Buchhändler Brömme und auch noch bei dessen Kollegen Pfleiderer & Häberle um die Ecke bekommt? Im Moment sagt das niemand dem Kunden, jedenfalls nicht in einer Weise, die Gehör finden würde.
    Dabei verfügt die MVB doch eigentlich über die Lösung: Ich kann beim besten Willen nicht verstehen, warum man sich bei dem Unglücksprojekt Libreka weiterhin darauf kapriziert, Dienstleistungen anzubieten, die von Branchenteilnehmern ebenfalls erbracht werden. Was sollen White-Label-Shops? Die sind für den unabhängigen Buchhändler zwar nett, aber im Wettstreit mit Amazon sind diese in etwa so wirkungsvoll wie ein Wachsmalstift gegen einen Panzer.
    Wieso wird Libreka nicht endlich umgebaut zu einer zentralen Verkaufsplattform für den unabhängigen Buchhandel? Die Sache kann relativ einfach genossenschaftlich organisieren, Raiffeisen sei’s gelobt. Es gab ja bei Libreka bereits die Möglichkeit, E-Books über die lokale Buchhandlung abzurechnen, was war denn daran so problematisch?
    Es geht nicht um Technik und Daten und vor allem braucht es weder die MVB noch Libreka um KNV oder Libri zu zeigen, wie das funktioniert. Es geht ausschließlich um schlagkräftiges Marketing für ein Angebot des unabhängigen Buchhandels, und dafür brauchen wir die MVB und Libreka.
    Natürlich braucht man Geld, um vernünftige Kommunikation und Marketing zu betreiben, aber sooo teuer ist das nun auch wieder nicht. Wenn 1000 Buchhandlungen mitmachen und jeweils 1500 Euro einzahlen, kommt ein brauchbarer Betrag zusammen; außerdem sind MVB und Börsenverein doch auch sonst nicht darum verlegen, die eine oder andere Million in Kampagnen zu investieren.

  12. Liebe Susanne,

    ich finde Deine Fragen und Träume und Ideen goldrichtig.
    Wer wäre denn der Adressat Deiner Fragen?

    Und ich träume gerne mal weiter:
    Wie wäre es, wenn die bibliographische Daten, gut strukturiert und aufbereitet, „for free“ im Internet zu haben wären. Wenn es eine zentral Datenbank aller buchrelevanten Daten gäbe (oder vernetzte Datenbanken der verschiedener Betreiber, die mit Büchern zu tun haben)?
    Wenn es einen Kernbereich von Daten gäbe, der nur durch die Verlage gepflegt werden dürfte (ISBN, Preis, Titel…), einen erweiterten Bereich, der von Branchenpartnern und -Profis ergänzt werden könnte (Informationen etwa: Verfügbarkeiten in Barsortimenten oder auch ISBN des Titels in anderen Ländern, oder verschiedene Formen von Warengruppierung und Sortierung, aber auch: Mitarbeiter an einem Buch oder Link zur Rezension zu einem Buch).

    Wenn es für jeden Titel, so wie es eine eindeutige ISBN gäbe, auch eine URI, also eine eindeutige Webadresse gäbe, auf die man sich beziehen können, auf die man verlinken könnte?
    So wie es heute eindeutige Links zu Wikipedia-Artikeln gibt, auf die man referenziert?

    Wenn sich alle die, die aus diesen Daten etwas machen wollten, daraus bedienen dürften (oder meinetwegen auch nur alle privilegierten)?

    Zum Beispiel: Eigene Kataloge erstellen…

    Ich glaube, dahin sollten wir kommen.

  13. Matthias Ulmer | 26. April 2012 um 14:31 | Antworten

    Liebe Frau Martin,

    irgendwie hatte ich das Gefühl, Sie beschreiben keinen Traum sondern die Realität? Ich weiß tatsächlich nicht, welche Unterschiede es zwischen den Datenbanken gibt. Aber mir war das auch nicht als Problem bewusst. Wir melden alle Metadaten und Datenanreicherungen an einen Dienstleister, der sie automatisch an die Barsortimenten, MVB, Auslieferung, Amazon und so weiter weiterleitet. Ob er das an eine Datenbank über eine Schnittstelle macht oder an zehn, das kostet zwar uns zusätzliche Einrichtekosten für die Schnittstellen, die Daten sind für den Kunden aber immer identisch.
    Wie kommt es dann zu unterschiedlichen Daten? Wenn ein Zwischenbuchhändler oder Shop seine Daten zusätzlich anreichert, um so besser, er will sich dann durch Qualität differenzieren. Das wollte ich nicht ändern.
    Wenn aber ein Verlag aus Schussligkeit oder Unorganisiertheit mal hier mal dort Datenpflegt, überall aber etwas anders, dann gibt es da tatsächlich Optimierungspotential.
    Wir müssten erst einmal sondieren, um welche Differenzen es geht und wie diese entstehen. Dann müsste Ihr Traum doch eigentlich Realität werden können?

    Herzliche Grüße
    Matthias Ulmer

  14. historische Umwälzungen begannen schon mit diesem Satz…;-))

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