Leipziger Laufpass

Der seit Jahren defizitäre Medienhändler Zweitausendeins will sich von seinen Filialen trennen. Wie das Unternehmen mitteilt, sollen die 14 eigenen Standorte als Franchise fortgeführt werden. Man sei bereits im Gespräch mit Interessenten, heißt es aus Leipzig. Gleichzeitig baut Zweitausendeins das Versandgeschäft aus.

Die Pläne im Detail:

  • Interessenten können die bestehenden Filialen unter Franchise-Bedingungen übernehmen oder neue Standorte eröffnen.
  • Käufer dürfen das Zweitausendeins-Sortiment auch durch Produkte anderer Anbieter komplettieren.
  • Das künftige Management vor Ort erhalte einen größeren Gestaltungsspielraum, „um sich präzise auf die lokalen Marktbedingungen einzustellen“.

Filialen, die keinen Franchise-Nehmer fänden, will Zweitausendeins „nach dem jetzigen Stand“ weiterbetreiben, erklärt Zweitausendeins-Geschäftsführerin Bianca Krippendorf auf Nachfrage von buchreport.

Zweitausendeins hat 14 eigene Filialen und 16 Shop-in-Shop-Kooperationen aufgebaut. Insgesamt ist der Versender in 28 Städten präsent. Das Foto zeigt die Zweitausendeins-Filiale in Leipzig. 

Gleichzeitig will Zweitausendeins (wie von buchreport Mitte April 2012 berichtet) den Versandhandel ausbauen:

  • Vor allem das Online-Geschäft soll vorangetrieben werden: Die Umsätze mit dem 2011 aufpolierten Online-Shop seien im vergangenen Jahr im zweistelligen Bereich gewachsen. Bis zum Sommer soll der Internet-Auftritt weiter optimiert werden, unter anderem mit einer verbesserten Suchmaske.
  • Auch der Katalog-Versandhandel wachse nach zwischenzeitlichen Einbrüchen inzwischen wieder.
  • Die Veröffentlichungen im Eigenverlag sollen deutlich erweitert werden: Im Bereich Buch soll sich die Zahl der Titel im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppeln. Bei den Filmen sind 15 DVD-Neuerscheinungen pro Monat geplant. Das CD-Angebot (bisher Klassik) soll um Pop, Jazz und Hörspiel ergänzt werden.

Medienhändler will 2012 die Wende schaffen

Zweitausendeins schreibt nach eigenen Angaben seit sieben Jahren rote Zahlen. Die Umsätze gingen in den vergangenen Jahren von 39 Mio Euro (2005) auf 18 Mio Euro (2011) zurück. In diesem Jahr will Zweitausendeins wieder ein ausgeglichenes Ergebnis vorlegen und 2013 wieder die Gewinnzone erreichen. 

Im vergangenen Jahr erreichte das Online-Geschäft einen Umsatzanteil von 23%, das klassische Katalog-Versandgeschäft über die „Merkhefte“ mit 21% fast genauso viel. Die Filialen sind mit knapp der Hälfte am Umsatz beteiligt. Neben den eigenen Filialen hat der Versender inzwischen bundesweit 36 Shop-in-Shop-Kooperationen eingerichtet.

Die Vorgeschichte

  • 1969 gründen Lutz Kroth und Walter Treumann Zweitausendeins.
  • 1971 steigt Wolfgang Müller ins Unternehmen ein und startet das Musikprogramm.
  • 1997 verabschiedet sich Walter Treumann als Gesellschafter aus der Geschäftsführung.
  • 2005 zieht sich Lutz Kroth aus dem operativen Geschäft zurück.
  • Im Februar 2006 wird die Logistik an die Bertelsmann-Tochter Arvato ausgegliedert.
  • Im September 2006 übernimmt die MK Medien Beteiligungs-GmbH der Brüder Michael und Rainer Kölmel Zweitausendeins zu 100% (bis dahin hielten Kroth und Treumann je 40%, Müller 20%).
  • Im Oktober 2009 verlässt Geschäftsführer Till Tolkemitt das Unternehmen.
  • Ende 2009 verabschiedet sich auch Geschäftsführer Hubert
    Snehotta
    , Bianca Krippendorf übernimmt an der Seite von Ralph Koch.
  • 2007 werden in der Zentrale in Frankfurt administrative Abteilungen ausgedünnt.
  • Seit Juni 2010 ist auch Peter Willeitner Teil der Geschäftsführung.
  • 2010 werden in den 14 Filialen 43 von 116 Stellen abgebaut. Das Kundencenter wird stillgelegt (14 Mitarbeiter). 
  • 2011 zieht die Zentrale von Frankfurt nach Leipzig (hier mehr). Elf neue Stellen werden in der Verwaltung geschaffen.
  • Im Sommer 2011 verlässt Fabian Reinecke, Sohn von Zweitausendeins-Gründer Lutz Kroth und verantwortlich für das den Katalog „Merkheft“, das Unternehmen. Wenige Tage später verabschiedet sich auch „Merkheft“-Redakteur Ralf Kessenich.

Ein Interview mit Zweitausendeins-Geschäftsführerin Bianca Krippendorf mit weiteren Details lesen Sie im aktuellen buchreport.express (erscheint am 19. April 2012 und kann hier bestellt werden).

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