Postskriptum: Wulff weggeredet

Wenn man die Ereignisse vor dem Rücktritt von Ex-Bundespräsident Christian Wulff sozusagen noch einmal Bellevue passieren lässt, scheint das TV-Interview nach dem Aufkommen der ersten Vorwürfe sein entscheidender Fehler gewesen zu sein. Erst dieser Auftritt brachte viele Bürger auf die Idee, das einnehmende Wesen des „netten Herrn Wulff“ könnte von anderer Art sein, als sie bis dahin glaubten. Da philosophierte Wulff so unbedarft über Urlaube und Geschenke unter Freunden, dass man heute sagen möchte: Wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Präsident geblieben. Jetzt hat Wulff angekündigt, über seine 598 Tage im Präsidialamt ein Buch zu schreiben. Da dürfen sich nicht nur Buchhändler vorfreudig die Hände reiben, sondern auch die Kritiker der üppigen Ausstattung des Kurzzeit-Präsidenten mit Ehrensold, Mitarbeitern und Büromaterial: Wenn Wulff schriftlich ähnlich geschickt agiert wie mündlich, ist er diese Privilegien bald wieder los.  

Magier: Mitnehmend

Hier meine Lieblingsstelle aus dem neuen Buch „Stehpinkeln nach 22 Uhr verboten – Die neuesten skurrilen Gesetze, Klagen & Urteile“ (erschienen bei Goldmann) von Rainer Dresen und Anne Nina Schmid: „Christopher Roller aus Minnesota verklagte den Magier und Illusionskünstler David Copperfield und verlangte, dass dieser ihm seine Tricks verrate. Sein Argument war, dass Copperfield die Gesetze der Schwerkraft überwinde, also über göttliche Kräfte verfügen müsse. Gott aber sei er, Christopher Roller, deshalb fühle er sich bestohlen, weshalb er zehn Prozent des Vermögens von Copperfield forderte.“

Atze: Appellierend

Apropos Vermögen: Einen bedenkenswerten Appell zur Gelassenheit in der sogenannten Griechenland-Schuldenkrise hat jetzt der große Denker Atze Schröder formuliert: „Wir haben immer sehr viel Spaß mit den Griechen gehabt, und jetzt müssen wir es halt bezahlen. Es ist doch unser Fehler, dass wir 40 Jahre lang dachten, der Ouzo nach dem Essen wäre umsonst.“

Schweinkram: Sprachgewandt

Das Rotlichtmilieu gilt nicht gerade als Heimstatt der sprachlichen Finesse. Umso bemerkenswerter ist eine Werbung des Etablissements HeavensGate im westfälischen Dorsten, auf die – räusper – mich ein Freund aufmerksam gemacht hat und in der es heißt: „Wer bei uns nicht verkehrt, verkehrt verkehrt.“ Das ist – unabhängig vom Inhalt – eine sprachgestalterische Leistung, die in anderen Branchen nicht ihresgleichen haben dürfte. Allenfalls könnte ein Messgerätehersteller formulieren: „Wer nicht mit uns misst, misst Mist.“ Aber das würde den Sprachkünstler vom HeavensGate sicher nur ein herablassendes Lächeln entlocken.  

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