Lobend, aber auch unerbittlich

Zahlreiche Literaturverlage haben in diesem Frühjahr ein Erstlingswerk im Programm. Eines davon ist Pia Ziefles Debüt „Suna“, das bei „Ullstein“ erscheint. Im Rahmen der buchreport-Reihe „Ball der Debütanten“ erzählt sie, wie sie ihren Weg in den Literaturbetrieb gefunden hat.

© Gerald von Foris

Mein Roman in drei Sätzen.
Luisa ist in den 70er-Jahren von einem kinderlosen deutschen Ehepaar adoptiert worden. Von ihren leiblichen Eltern weiß sie nur, dass ihre Mutter aus Serbien stammt und ihr Vater aus der Türkei. Zu Beginn der Geschichte wird sie Mutter eines Kindes, das niemals schläft, und als ein Arzt zu ihr sagt, „es kann keine Wurzeln schlagen, finden Sie Ihre“, spürt sie, wie wichtig es für sie ist, herauszufinden, wo sie wirklich herkommt. Am Ende ihres Weges erzählt sie ihrem schlaflosen Kind in sieben Nächten, was ein anatolischer Eselhändler, ein serbisches Unwetter, ein türkischer Dichter, der Islam und die deutsche Politik in den 70er-Jahren mit ihr und ihrem Leben zu tun haben, und findet in all diesen Geschichten, zwischen all diesen Menschen eine Heimat für ihre Tochter – und für sich selbst.

Mein literarisches Vorbild.
Das ist eine schwere Frage. Ich habe sofort ein paar Namen auf der Zunge, aber dann doch wieder nicht. Ich lese sehr, sehr viel und wenn mir jemand gut gefällt, dann lese ich alles, was ich bekommen kann . Das ist ein ganz intensives Eintauchen in die Welt eines anderen, aber wenn ich selbst schreibe, versuche ich ganz nah an dem zu sein, was sich in mir bemerkbar macht.

Mein Weg zu Ullstein.
Mein Wunsch war, mich nicht allein auf Verlagssuche begeben zu müssen, also habe ich in einer Winternacht eine Mail an meine jetzige Agentin geschrieben. Sie hat mir den Rücken freigehalten für das Schreiben und sie hat mir immer wieder Mut gemacht, wenn ich ihn verloren hatte unterwegs – einmal habe ich das Manuskript sogar komplett umgeschrieben. Aber so ist „Suna“ schließlich bei Ullstein in sehr guten Händen angekommen.

Was meine Lektorin getan hat.
Die Zusammenarbeit mit meiner Lektorin war sehr intensiv und unverzichtbar, obwohl ich schon eine grundlegende Überarbeitung hinter mir hatte. In der Auseinandersetzung mit jemandem, dem ebenso viel am Text liegt wie mir, habe ich sehr viel an Sicherheit gewonnen, wie und was ich erzählen möchte. Eine Lektorin lobt zwar ausführlich, aber sie legt trotzdem unerbittlich den Finger in die Stellen, an denen Mut zur Präzision gefordert ist, zur Klarheit. Oft wusste ich zwar für mich, was ich sagen wollte, musste aber erkennen, dass das im Text so noch nicht zu spüren war.

Gedruckt oder digital?
So ein kleiner Reader, mit dem man von überall aus einkaufen kann, das ist schon sehr verführerisch, aber ich lese sehr gern Bücher aus Papier, ich sehe sie gern im Regal stehen und lasse mich beim Schreiben allein von ihrer Anwesenheit inspirieren.

Meine Lieblingsbuchhandlung.
Unsere örtliche Buchhandlung Schramm. Wegen der Möglichkeit, auch online zu bestellen, und der sehr guten Beratung. Wenn ich allein stöbern will, kann ich an den Regalen Ausschau halten, welches Buch eine kleine Banderole trägt: Da stehen nämlich die Namen derjenigen Mitarbeiter drauf, die dieses Buch besonders empfehlen – sehr praktisch, aber vor allem sehr persönlich.

Der Literaturbetrieb.
Im vergangenen Jahr war ich in Leipzig auf der Buchmesse, da war ich noch mitten im Schreiben an „Suna“ und völlig erschlagen von allem. Im Verlauf dieses Jahres aber sind mir aus dem Literaturbetrieb nur sehr zugewandte und sehr engagierte Menschen begegnet, denen Bücher, ihre Geschichten und die Menschen dahinter sehr am Herzen liegen.

Mein Plan B.
Den habe ich, bezogen auf das Schreiben, nicht. Ich bin zufrieden und glücklich mit dem, wie es ist, und das, was kommt, wird schon das Richtige sein.

Zur Person
Jahrgang 1974, ist Schriftstellerin und Bloggerin. Als Journalistin schreibt sie unter anderem für den „Tagesspiegel“, die „Berliner Zeitung“ und die „Frankfurter Rundschau“. Nach Station in Berlin, wo sie unter anderem in einer Werbeagentur und als Drehbuchautorin für interaktive Medien und Games gearbeitet hat, lebt sie heute mit ihrer Familie in der Nähe von Tübingen.

Pia Ziefle: Suna
304 S., Ullstein, 18,00 E
ISBN 978-3-550-08892-6

Bislang sind in der Serie folgende Teile erschienen:  

    Die komplette Serie lesen Sie im buchreport.magazin 3/2012  (hier zu bestellen)

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