Kampfansage an Raubkopierer

Stroemfeld-Verleger KD Wolff hat Strafanzeige gegen Amazon, deren Tochter Abebooks und eine Münchener Internetbuchhandlung erstattet. Der Vorwurf: Die Firmen böten Raubkopien von historisch-kritischen Ausgaben der Werke Franz Kafkas an. 
Per Print on Demand würden die ursprünglich im Stroemfeld Verlag erschienenen Werke über den Amazon Marketplace (hier) bzw. Abebooks (hier) angeboten. Die Originale seien eingescannt worden und würden nun als Nachdrucke angeboten, so der Vorwurf. 

Zwar sei das Werk Kafkas gemeinfrei – nicht aber die historisch-kritischen Ausgaben, heißt es in dem Strafantrag, der buchreport.de vorliegt. Unterschrieben haben auch die Herausgeber der Reihe, Roland Reuß und Peter Staengle

Auf Anfrage von buchreport.de teilte Amazon mit, man habe unverzüglich reagiert und die entsprechenden Titel entfernt. Eine Überprüfung der Redaktion am Freitagmorgen hat allerdings ergeben, dass einige Titel immer noch im Amazon Marketplace zu finden sind:

Amazon selbst sei es ein wichtiges Anliegen, sämtliche Rechtsverletzungen auf seiner Website möglichst schnell und effektiv zu unterbinden, heißt es von Amazon weiter. Unter http://amzn.to/H7f5Hm könnten Urheber Amazon über die Verletzung gewerblicher Schutzrechte informieren, was eine schnelle Reaktion auf einen gemeldeten Rechtsverstoß sicherstelle. 

„Wissenschaftliche Editionen werden für Verlage wertlos“ 

Bei zwei Ausgaben ist der Verlag laut Amazon „unbekannt“, auf Abebooks und amazon.com wird als Rechteinhaber der Verlag Nabu Press angegeben. Die Nachdrucke werden zu Preisen zwischen 11,81 und 20,17 Euro verschleudert, während die Originale des Verlags regulär 128 Euro kosten. 
„Da diese aufwendig gestalteten und auf jahrelanger Forschungsarbeit basierenden wissenschaftlichen Standardwerke zu einem Bruchteil des aktuellen Ladenpreises angeboten werden, entsteht unseren Herausgebern und dem Verlag ein beträchtlicher Schaden“, heißt es im Strafantrag. „Vor allem aber werden künftige wissenschaftliche Editionen wertlos – weil kein Verlag darauf spekulieren kann, dass es sich die wissenschaftlichen Erschließungskosten je amortisieren werden. Mithin beschädigt diese Praxis die Editionswissenschaft.“ 

Immer mehr schwarze Schafe auf Internet-Plattformen

Stroemfeld ist kein Einzelfall. Die auf die Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen spezialisierte Agentur Lisheennageeha moniert folgende Entwicklungen:

  • Raubkopien: Immer wieder würden bei Amazon Raubkopien angeboten, insbesondere der Wiley Verlag sei betroffen. Bis vor kurzem habe der Autor David Blevins zahlreiche Raubkopien angeboten, beispielsweise unter leicht verändertem Titel Peter H. GregorysComputer Viruses for Dummies“ (Wiley Verlag). Seine Titel wurden inzwischen entfernt. buchreport.de hatte erst kürzlich berichtet, dass immer mehr „Autoren“ über das Self-Publishing-Programm von Amazon plagiierte Inhalten anbieten (hier nachzulesen). Auch im Apple iBookstore sind dem Internetmagazin fastcompany.com zufolge bereits einige Plagiate aufgetaucht. 
  • Wikipedia-Kopien: Auch Wikipedia sei eine beliebte Quelle für schwarze Schafe: Das Internet-Lexikon warnt selbst, dass etwa die VDM-Verlage Alphascript, Betascript, Fastbook Publishing und Doyen Verlag „darauf spezialisiert sind, Wikipedia-Artikel als Print-on-Demand-Bücher über den Online-Buchhandel zu vertreiben“.
  • „Notiz“-Bücher: Unter dem Pseudonym „Cram101bietet ein „Autor“ so genannte Textbook Reviews an, insgesamt über 20.000 Werke. Er lässt Lisheennageeha zufolge Summarizer über die Werke laufen und publiziert fast leere Seiten mit wenigen Stichwörtern. Der so entstehende Leerplatz soll angeblich dazu dienen, dass sich Leser Notizen zum Originalwerk machen können. Die Werke kosten bis zu 30 Euro. 

Eine neue Aufgabe für den Börsenverein? 

Zudem sei auffällig, dass nur die Werke kleiner Verlage von solchen Urheberrechtsverletzungen betroffen seien, große Häuser hingegen nicht angegriffen würden, kritisiert Verleger Wolff. So werde gezielt gegen die schöpferische Leistung kleinerer Verlage und ihrer Autoren vorgegangen, weil diese nicht die Finanzkraft hätten, sich mit den Großen des Internethandels zu messen.
Die schiere Masse der Verstöße gegen das Urheberrecht mache das Unterfangen, gegen Verantwortliche effektiv vorzugehen, zu einer Sisyphus-Aufgabe, greift auch Felicitas von Lovenberg das Thema in der „FAZ“ (29.3.) auf. Und fordert: „Anstatt Anwälte auf der ganzen Welt zu engagieren, könnte ein Anfang die Einrichtung einer Website sein, auf der geistiger Diebstahl unkompliziert gemeldet werden kann – vielleicht eine Aufgabe für den Börsenverein?“

Kommentare

1 Kommentar zu "Kampfansage an Raubkopierer"

  1. Dr. Wolfgang Philipp Müller | 1. April 2012 um 4:40 | Antworten

    Einfach nur unseriös dieser Beitrag: Die Verbreitung von Wikipedia-Content im Zusammenhang von Raubkopien zu nennen und damit den Eindruck zu erwecken, es handle sich ebenso um eine illegale Urheberrechtsverletzung, ist ziemlich unseriös und sagt alles über den redaktionellen Standard des buchreports. Die von unseren Verlagstöchtern in den Handel gebrachten redaktionell aufgearbeiteten Wikipediainhalte sind ausnahmslos rechtlich zulässig. Das haben die Rechtsabteilung des Börsenvereins, die Rechtsvertreter der Wikimedia u.v.a.m. immer wieder festgestellt und bestätigt. Zudem enthält jeder unserer Wikipedia-Titel im Klappentext und auf dem Cover einen entsprechenden Hinweis. Außerdem hat der Käufer ein Rückgaberecht. Die Wikipedia-Lizenzen fordern geradezu die kommerzielle (!) Verwertung ihrer Inhalte – und genau das tun wir und zwar legal, offen kommuniziert und ohne jedes Risiko für den Buchkäufer. Dass es tatsächlich Kunden gibt, die unsere Wiki-Bücher kaufen wollen, scheint sich die Redaktion von buchreport nicht vorstellen zu können. Geistige Weite kann man halt nicht kaufen, man hat sie oder eben auch nicht.

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