Mission impossible?

Seit Monaten wird über die Expansion von Barnes & Noble in Europa spekuliert. Jetzt liegt der Beweis schwarz auf weiß vor: Die US-Amerikaner haben Mitte März eine Gesellschaft in Berlin gegründet. Ziel: Mit dem „Nook“-Programm auf dem wichtigen deutschen E-Book-Markt Fuß fassen.

Das US-Unternehmen hat am 15. März die Barnes & Noble Digital Media GmbH gegründet, die in Berlin am Potsdamer Platz (Nummer 10, Haus 2, 5. Etage) residiert. Nach einem Bericht von „Werben und Verkaufen“ fungiert der B&N-Manager Eugene DeFelice (Foto),  Vize-Präsident und Chef-Anwalt des US-Unternehmens, als Geschäftsführer. 
Die Ausweitung des digitalen Geschäfts hatte sich zuletzt vor zehn Tagen in London abgezeichnet, wo B&N im Vorfeld der London Book Fair Softwareentwickler einlud, um den Start des „Nook“-Programms auf der Insel vorzubereiten – geplant ist eine Kooperation mit dem Filialisten Waterstones.
Gerüchteweise will die Nummer eins des stationären US-Buchhandels im Schulterschluss mit dem Buchlogistiker Centraal Bookhuis auch einen niederländischen E-Book-Shop eröffnen.

Barnes & Noble trifft auf mächtige Wettbewerber

Sowohl in den Niederlanden als auch Großbritannien trifft B&N allerdings auf mächtige Wettbewerber (hier mehr).

Und auch in Deutschland dürfte die Ausgangssituation für B&N schwierig werden: Denn Amazon und Apple haben sich längst hierzulande hohe Marktanteile gesichert. Nach einer repräsentativen Marktforschungsstudie der Uni Hamburg (hier mehr), die im Oktober 2011 1623 buchaffine Bürger befragt hat, 

  • haben 57% der Befragten beim Branchenprimus Amazon gekauft. 
  • 27% nutzten Apples iBookstore

Die Filialisten halten mit ihren diversen Online-Shops den Anschluss: 

  • Bei Thalia haben 18% und
  • in den Shops der DBH (Welt­bild/ Hugendubel) 14% der Befragten eingekauft. 
  • Am hinteren Ende der Verteilung stehen die Online-Shops „der lokalen Buchhandlung“ mit 6% sowie das Börsenvereinsprojekt Libreka mit 3%. 

Kontakte durch deutschen Branche gibt es schon seit Jahren. Im Oktober 2010 schloss Libreka einen Vertrag mit den Amerikanern zur Lieferung deutschsprachiger E-Books an den US-Store. Auch der Aggregator Bookwire kooperiert mit B&N. Der Content ist also vorhanden, fehlt nur noch ein stationärer Partner, um das hauseigene Reader-Sortiment in Deutschland zu verkaufen.   

Vor seinem Engagement bei B&N war der neue Deutschland-Statthalter von B&N in Kanzleien und mehreren Pharmaherstellern als Justiziar beschäftigt. Da der Amerikaner in der Schweiz studierte, dürfte er des Deutschen mächtig sein. Das Einkommen des 52-Jährigen im vergangenen Jahr taxiert die „Businessweek“ auf 1,5 Mio Dollar.

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