Karl-Ludwig von Wendt: Ein Social-Writing-Experiment

Karl-Ludwig von Wendt: Ein Social-Writing-Experiment

Es gibt kaum einen Verlag, der das Konzept „Social Writing“ nicht zumindest diskutiert. Auch wenn einige Verlage bereits aktiv geworden sind: Bei genauerem Hinsehen haben ihre Projekte nicht viel „Soziales“ an sich. Deshalb starten wir nun ein Experiment, das der Branche neue Wege aufzeigen soll: Das Social-Writing-Projekt Mygnia.

Die Buchbranche durchlebt unsichere Zeiten. Freud und Leid liegen dicht beieinander, und wenn man ehrlich ist, scheinen die Risiken der Digitalisierung für die etablierten Geschäftsmodelle die positiven Perspektiven zu überwiegen. Umso wichtiger ist es, jede sich bietende Chance zu ergreifen und neue Wege auszuprobieren, seien sie auch noch so unerprobt.

Mit genau diesem Gedanken im Hinterkopf habe ich zum Ende des vergangenen Jahres meinen gut bezahlten Job als angestellter Unternehmensberater gekündigt und mich zusammen mit zwei Weggefährten in das Abenteuer der Existenzgründung gestürzt. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass in dem aktuellen Umbruch die Mutigen profitieren, die Zaghaften aber mittelfristig verlieren werden. Meine Firma briends möchte in diesem Sinne Verlagen und Händlern mit Rat, Tat und Technik helfen, den Wandel zu bewältigen. Als Berater habe ich große Handels- und Mobilfunkunternehmen in ähnlichen Umbruchphasen begleitet und weiß, wie schwer es ist, etablierte Strukturen auf neue Anforderungen auszurichten.

Vor allem habe ich gelernt, dass Reden bestenfalls Silber ist, Handeln aber Gold. Deshalb warten wir bei briends nicht, bis wir von einem Verlag den Auftrag dazu bekommen, sondern starten auf eigenes Risiko ein Experiment, von dem wir glauben, dass es neue Wege für die Zukunft aufzeigen kann: Mygnia – ein Social-Writing-Projekt mit dem Ziel, in einer Online-Community ein einzigartiges literarisches Universum zu erschaffen und damit eine neue, starke Contentmarke im Buchmarkt zu etablieren.

„Social Writing“ ist ein in letzter Zeit gern in den Mund genommener Begriff, der häufig mit Self-Publishing-Plattformen wie Wattpad, Neobooks oder Bookrix gleichgesetzt wird. Kaum ein Verlag, der nicht ähnliche Konzepte zumindest diskutiert. Doch bei näherem Hinsehen haben diese Projekte meist nicht viel „Soziales“ an sich. Im Gegenteil: Oft gibt es ein regelrechtes Hauen und Stechen um die vorderen Plätze in den Bewertungsrankings, und manchem ist jedes manipulative Mittel recht, um an die Spitze zu gelangen. Statt sozialem Miteinander herrscht hier bestenfalls Nebeneinander, schlimmstenfalls Gegeneinander.

Dabei zeigen Projekte wie Wikipedia, Linux oder das unerhört erfolgreiche kollaborative Computerspiel Minecraft die Macht des Miteinanders in sozialen Netzwerken: Der Erfolg des einen hilft hier allen anderen. So entsteht nicht nur ein Wir-Gefühl in der Community, sondern diese wird dadurch auch umso attraktiver für Außenstehende und erreicht eine enorme kommunikative Strahlkraft. Nicht zuletzt entstehen so Ergebnisse, die eine Firma, geschweige denn ein einzelner Mensch, allein niemals erzielen könnte.

Genau dieses Miteinander ist die Idee bei „Mygnia“: Es geht darum, gemeinsam eine unbekannte fiktive Welt zu erforschen. In dem in Kürze unter meinem Pseudonym Karl Olsberg erscheinenden E-Book „Mygnia – Die Entdeckung“ beschreibe ich, wie ein Experiment am CERN schief geht und ein Portal in eine Parallelwelt entsteht. Ein Wesen aus dieser Welt dringt in unsere ein, ein kleiner Junge verschwindet, seine Mutter muss gemeinsam mit einem Journalisten das Geheimnis aufdecken. Doch im Unterschied zu anderen Olsberg-Thrillern ist die Geschichte damit nicht abgeschlossen. Im Gegenteil: Der Roman ist als eine Einladung an die Leser und Leserinnen zu verstehen, mit mir gemeinsam die unbekannte Welt Mygnia zu erforschen (zum Trailer von Mygnia).

Was wäre, wenn wir tatsächlich eine neue Welt entdecken würden? Was würden wir dort finden? Wie würde ein solches Ereignis unsere eigene Welt verändern? Würden wir aus den Fehlern der Kolonialisierung und Umweltzerstörung lernen oder würde erneut allein die Gier unser Handeln leiten? Und was, wenn wir auf der anderen Seite auf Zivilisationen treffen, die uns ebenso gefährlich werden können wie wir ihnen? Diese Fragen möchte ich nicht allein beantworten, denn wir haben uns ein sehr anspruchsvolles Ziel gesetzt: Gemeinsam wollen wir die komplexeste und faszinierendste fiktive Welt seit J.R.R. Tolkiens „Mittelerde“ schaffen.

Dabei geht es nicht darum, dass alle gemeinsam eine einzige Geschichte weiterspinnen. Stattdessen kann jedes Community-Mitglied seine eigenen Geschichten erzählen, die im übergreifenden „Mygnia-Universum“ spielen, oder durch Bewertungen, Kommentare und die Mitarbeit am Mygnia-Wiki helfen, die unbekannte Welt zu erforschen. Mygnia ähnelt damit dem Fanfiction-Genre, bietet jedoch eine ausgefeilte Plattform für echte Zusammenarbeit in der Community, die wir bei briends entwickelt haben.

Mygnia ist ein Experiment, das genauso schiefgehen kann wie das am CERN. Die größte Herausforderung wird es sicher sein, eine aktive Community aufzubauen – so etwas kann dauern. Wir sehen das Projekt deshalb vor allem als eine große Chance an, zu lernen. Und weil wir nicht nur über das „Miteinander“ reden, sondern wirklich daran glauben, werde ich das Projekt mit regelmäßigen Beiträgen in diesem Blog begleiten. So kann uns jeder Interessierte über die Schulter sehen, mit uns bangen und hoffen, Erfolge und Rückschläge mitverfolgen. Am Ende sind wir hoffentlich alle schlauer, und vielleicht zeigt uns Mygnia ja neue Wege – nicht in Parallelwelten, sondern in eine chancenreiche Zukunft für die Buchbranche.

Noch authentischer können Sie Mygnia natürlich erleben, wenn Sie selbst mitmachen! Die Plattform wird am 30. März live geschaltet, wenn nicht auf den letzten Metern noch etwas schief geht. Ab sofort können Sie sich auf www.mygnia.de mit Ihrer E-Mail-Adresse vorregistrieren und erhalten eine E-Mail, sobald es los geht. Probieren Sie es aus!

Karl-Ludwig von Wendt studierte Betriebswirtschaftslehre und promovierte über künstliche Intelligenz. Er hat neun Jahre Erfahrung als Unternehmensberater mit dem Schwerpunkt Online-Transformation im Handel und in der Telekommunikation. Zwölf Jahre war er Unternehmer in der New Economy, wo er zwei Start ups gründete und u.a. mit dem eConomy-Award der Wirtschaftswoche für das „Start up des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Als Karl Olsberg schreibt er Thriller, Jugend- und Sachbücher. Im Januar 2012 gründete er die briends gmbh, die sich mit der Entwicklung von Contentmarken im Buchmarkt sowie mit Social Writing beschäftigt.

Kommentare

1 Kommentar zu "Karl-Ludwig von Wendt: Ein Social-Writing-Experiment"

  1. Update: Mygnia ist wie geplant heute live gegangen! http://www.mygnia.de

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