Filialist am Abgrund

Der niederländische Buchfilialist Selexyz (das Foto zeigt die Filiale in einer Kirche in Maastricht, laut „Guardian“ die schönste Buchhandlung der Welt) hat Insolvenz angemeldet, nachdem ein möglicher Investor abgesprungen ist. In einer kurzen Mitteilung erklärt das Unternehmen, man könne nicht mehr die Mieten und Gehälter zahlen. 

Die in verschiedenen Medien angeführten Gründe für die finanzielle Schieflage des Filialisten ähneln den von Douglas für die Krise der Konzerntochter Thalia ins Feld geführten Ursachen: Der Internethandel sei immer stärker geworden. Das E-Book kannibalisiere den Verkauf gedruckter Bücher. Und der niederländische Buchhandel krisele – 2010 setzte der Buchhandel im Nachbarland 619,5 Mio Euro um, das ist ein Minus von 3,5%. Im vergangenen Jahr fiel das Minus mit 4,6% sogar noch höher aus.  

Denn die Krisenstimmung beim Buchfilialisten (720 Mitarbeiter) hatte sich spätestens im vergangenen Jahr abgezeichnet, als die bisherigen Chefs Matthijs van der Lely (CEO) und Menno van den Brand (Finanzen) aus der Geschäftsführung ausschieden und auf Betreiben der Hausbank ABN Amro Platz für zwei erprobte Krisenmanager machten: Arnoud Maas als CEO und Bart Koops als Finanzen-Kontrolleur. Dem Wachwechsel an der Spitze des Unternehmens, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1753 reichen, im September 2011 waren eine Reihe von Negativmeldungen vorausgegangen:

  • Im Mai hatte van der Lely einen durch anhaltend rückläufige Umsätze begründeten Sparkurs mit der Entlassung von rund 10% der insgesamt 450 Mitarbeiter vorgenommen.
  • Anfang Juni hatte die Buchauslieferung Centraal Boekhuis die Belieferung der 16 Selexyz-Buchhandlungen wegen ausstehender Zahlungsforderungen kurzfristig für einige Tage eingestellt.
  • Kurze Zeit später sickerte durch, dass ABN Amro die Unternehmensberatung Grant Thornton beauftragt hatte, Selexyz kritisch unter die Lupe zu nehmen, weil den Bankern die angedachten Sparpläne der Geschäftsführung angeblich nicht weitreichend genug gingen.
Rückblick: Selexyz war bis 2010 Teil der Boekhandels Groep Nederlands (BGN), die nach dem überraschenden Ausstieg von Mehrheitseigner NPM zerschlagen wurde (hier mehr), mit 29 Campus-Buchhandlungen und akademischem Direktgeschäft auf der einen und den stark unter Druck stehenden Allgemeinsortimenten auf der anderen Seite. Unter der Führung von van der Lely und Unterstützung des Einzelhandelskonzerns Audax, der ebenfalls mit einem Drittel beteiligt ist, wurde seinerzeit ein Management-Buy-out auf die Beine gestellt.

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