Wir setzen auf eigenständige Verlagskulturen

Nach der Übernahme durch die Bonnier-Tochter Piper soll der Berlin Verlag wieder zurück zu den Wurzeln finden: Weg von der von Bloomsbury verordneten zentralen Struktur zurück zur eigenständigen Verlagskultur lautet die Strategie von Hartmut Jedicke (Foto), Geschäftsführer von Bonnier Media Deutschland. Herausforderungen und Perspektiven erläutert er im Interview mit buchreport.de.
Bloomsbury Berlin verzeichnet seit Jahren Umsatzrückgänge. Was fehlt dem Verlag?
Wir glauben daran, dass dem Berlin Verlag einerseits durch die Kooperation mit Bloomsbury London, aus der schon viele große Erfolge – darunter Khaled Husseini, Ben Schott, William Boyd, Elizabeth Gilbert – entstanden sind, und andererseits durch die Zusammenarbeit mit Piper bzw. den Einbezug in bestimmte Standards der Bonnier Gruppe jetzt Möglichkeiten zur Verfügung stehen, den Verlag deutlich voranzubringen. 
Dazu bedarf es eines großes Engagements der Mitarbeiter in Berlin, weil wir hier ein großes Stück Arbeit vor uns haben. Aber bei meinem gestrigen Besuch im Verlag habe ich deutlich gespürt, dass die Mannschaft dazu bereit ist. 
Wie strukturieren Sie den Verlag innerhalb der Bonnier Gruppe um? 
Im Augenblick sehe ich das Haus als einen Hauptstadt-Verlag, der die besondere Lebendigkeit und kulturelle Vielfalt der Stadt in seinen Programmen widerspiegelt. Der Berlin Verlag steht für gehobene Literatur und für ein anspruchsvolles Sachbuchprogramm. Bloomsbury Berlin ist etwas populärer und durch die Vielzahl der angelsächsischen Autoren – und großen Erfolgen in der Vergangenheit – etwas internationaler aufgestellt. Eine sehr interessante Mischung mit vielen Möglichkeiten, die keinerlei Anlass bietet, daran etwas ändern zu wollen.
Inwiefern passen die Verlage zusammen? 
Wir setzen als deutsche Bonnier Gruppe sehr auf Dezentralität. Also unabhängige Verleger in lokal verwurzelten Verlagen, eigenständige Hauskulturen, Einheiten, die für Menschen überschaubar sind, in denen sie sich wohlfühlen. Mitarbeiter, freie Mitarbeiter, Übersetzer, Autoren. Das ist die eine Seite. 
Aber wir haben auch starke zentrale Elemente, weil kleine übersichtliche Häuser allein keine Synergien schaffen können. Wir arbeiten beispielsweise in Logistik, Administration, zentraler Betreuung bestimmter Kundengruppen und teilweise im Einkauf sehr zentralistisch, um Kosten zu sparen und doppelten Aufwand zu vermeiden. Einen weiteren Verlag in dieses System einzubeziehen ist kein großes Problem. Die Kostenvorteile sind immens und wirken schnell.
Ansonsten ist uns aber klar, dass Veränderungen ihre Zeit brauchen. Ich bin mir nicht sicher, ob die Londoner Börse, an der Bloomsbury Plc notiert ist, immer sehr geduldig ist.
Unsere Gesellschafter sind geduldig. Wir haben die Bonnier Familie hinter uns, die seit über 200 Jahren das Buchgeschäft kennt. 
Warum halten  Sie an der Marke Bloomsbury fest? 
Mit dem Namen Bloomsbury verknüpfen sich doch eine Reihe großer Erfolge aus dem englischsprachigen Raum. Warum sollten wir diese Marke aufgeben?
Sie haben im Herbst auch die Verantwortung für den britischen Bonnier-Ableger übernommen. Was verbindet und was trennt den deutschen und den britischen Markt aktuell?
Das ist ein Thema, über das man eine Doktorarbeit schreiben könnte. Kurz gesagt: Neben vielen Unterschieden in der Buchhandelsstruktur, auch durch die nicht existierende Preisbindung in Großbritannien, gibt es aber doch überwiegend Gemeinsamkeiten in den Problemstellungen der Verlage – zum Beispiel die verstärkte Konzentration auf Spitzentitel und die zunehmende Digitalisierung.
Die Fragen stellte Daniel Lenz. 
© Foto: Bonnier Media

Mehr zum Thema lesen Sie im kommenden buchreport.express 10/2012 (erscheint am 8. März). 

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