Sittenwidrige Dumpinglöhne

Bei der Thalia-Tochter Grüttefien verdienen Buchhändler bis zu 40% weniger als ihre Kollegen in den anderen Konzern-Filialen, kritisiert die Gewerkschaft Verdi in Bremen und fordert nun gleiche Gehälter für alle Thalia-Mitarbeiter. 
Während die Beschäftigten in fast allen Thalia-Filialen nach Tarif bezahlt würden, bekämen sie bei den seit Oktober 2006 mehrheitlich zu Thalia gehörenden Grüttefien-Filialen einen „sittenwidrigen Dumpinglohn“ bezahlt, erklärte Richard Schmid von der Gewerkschaft Verdi der „taz“
Demnach erhalten die Grüttefien-Mitarbeiter einen Stundenlohn von höchstens 8,90 Euro, die Kollegen der anderen Thalia-Filialen dagegen einen Tariflohn von 13,52 die Stunde. Auf eine Spätöffnungszulage und einen Nachtzuschlag müssten die Grüttefien-Angestellten ebenfalls verzichten. 
Unternehmenssprecherin Mirjam Berle bestätigt auf Nachfrage von buchreport.de, dass es aufgrund der dezentralen Struktur der Gruppe hinsichtlich der Gehälter regionale Unterschiede gebe, doch sei die Firma Grüttefien hinsichtlich ihrer Strukturen nicht direkt mit anderen Vertriebsgesellschaften in der Thalia Gruppe vergleichbar. „Die Firma Grüttefien ist außerdem von je her nicht Tarif gebunden, daher halten wir einen direkten Vergleich mit Tarif gebundenen Unternehmen für irreführend und nicht sinnvoll“, so Berle. 

Kommentare

1 Kommentar zu "Sittenwidrige Dumpinglöhne"

  1. Es gibt Buchhändler, die denn gewerkschaftlich ausgehandelten Tariflohn bezahlen? Wo?

    Meine Lebensgefährtin und ich sind seit 1999 bei verschiedenen Buch- und Einzelhändlern angestellt gewesen und sind es noch. Von unseren Arbeitgebern hat sich keiner an Tarifbedingungen gehalten, die mit Ver.di ausgehandelt wurden. Haustarife sind da schon ein Segen. Bis vor kurzen haben wir sogar ohne Vertrag gearbeitet. Nicht legal aber normal. Ich würde sogar wetten, dass von den TOP50 Buchhandelsketten sich keiner an den gewerkschaftlich ausgehandelten Tarif hält. Lohn, Urlaubsanspruch, Überstundenregelung, Weiterbildungsmöglichkeiten. Überall wird zusammengestrichen und abgeschafft. Die Krisenstimmung macht es möglich und wir Angestellten schlucken.

    So gesehen entsprechen Löhne von 8,90 € dem allgemeinen Buchhandels-Geschäftsgebahren. Ich selbst stehe für weniger im Laden und habe Kolleginnen, die weniger als ich verdienen. So wenig wie möglich für Personal zu zahlen gehört eher zum Standardrepertoire jeder Geschäftsleitung. Das Ausloten von vertretbaren Grenzen ist eher normal statt ungewöhnlich. Schließlich ist man Händler.

    Vom Börsenverein, als Dachverband der Arbeitgeberseite, werden Sie nie ein Wort zu diesem Thema hören. Obwohl die genau wissen was in den einzelnen Betrieben los ist. Eine Diskussion die eine moralische Verantwortung der Mitglieder gegenüber ihren Beschäftigten zum Thema hat ist mir nicht bekannt. Somit ist die Überschrift „Sittenwidrige Dumpinglöhne“ mehr als fällig!

    Ver.di bemerkt die Sittenwidrigkeit aber immer erst dann, wenn Kollegen und deren Arbeitsplätze an der symbolischen Wand stehen. Wir verdienen knapp über dem Sozialhilfesatz für 40 Stunden Arbeit pro Woche! Die Liste der sozialen Armseligkeiten im Buchhandel ist lang. Statt Zukunftsperspektive, gibt’s Altersarmut. Statt Weiterbildung, der Hinweis auf freie Berufswahl. Dazu sagt die Gewerkschaft lieber mal nichts. Tatsächlich wird das Thema Dumpinglöhne im Einzelhandel nur dann aufgegriffen, wenn eine der großen Firmen in die Pleite geht. Ansonsten sticht man lieber nicht in das Wespennest. Die Überschrift müsste eigentlich heißen : „Sorgen wir nun für anständige Löhne? Aber die Antwort kenne ich schon.

    Ich bin sehr überrascht das ich tatsächlich den ersten Kommentar zu diesem Artikel abgebe. Ist dieses doch ein Thema, zu dem jeder Buchhändler, mit dem ich je zu tun hatte, eine deftige Meinung hatte. Für die, die mehr Info brauchen, Radio Bremen hat berichtet.

    http://www.radiobremen.de/fern

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