Pricing gegen Piraterie

Im Kampf gegen E-Book-Piraterie sind gemeinhin Abschrecken und Strafen die bevorzugten Waffen von Verlagen. Dabei zeigt die Entwicklung in der Musikindustrie, dass Firmen mit einer attraktiven, nachfrageorientierten Produkt- und Preisgestaltung das Problem entschärfen können.

Die Grundlage liefern Wissenschaftler der Universität Hamburg, die neben dem aktuellen Stand der E-Book-Piraterie auch die „Stellschrauben“ des Erfolgs in der Produkt- und Preisgestaltung sowie die Akzeptanz unterschiedlicher Vermarktungsmodelle von E-Books untersucht haben.

Wichtige Erkenntnisse: 

  • 22% der Befragten kennen illegale Bezugsquellen für digitale Buchinhalte, jeder Zehnte gibt zu, diese bereits genutzt zu haben.
  • Mehr als ein Drittel der Befragten wird mit erhöhter Wahrscheinlichkeit in Zukunft (wieder) auf illegale Quellen zugreifen.
  • Bedroht werden vor allem legale E-Book-Angebote wie Kauf und Leihe, bei gedruckten Büchern sind primär die Taschenbuch-Umsätze bedroht.
  • Einen starken Einfluss auf die Nachfrage haben E-Book-Preise. Im aktuellen Marktstadium können relativ geringe Preissenkungen die (legale) Nachfrage überproportional erhöhen.
  • Auch Leihmodelle (z.B. das unter dem Random House-Dach entwickelte Skoobe) sind grundsätzlich attraktiv, sofern sie der breiten Masse bekannt sind. Ein Abo-Modell mit einem E-Book/Monat würden 25% der Befragten nutzen, ein Flatrate-Modell mit unbegrenztem Zugriff würden ca. 15% wählen.

Die Studie basiert auf einer für den deutschen Markt repräsentativen Studie (N=1623 Buchkäufer) zum Kauf- und Nutzungsverhalten bei E-Books und E-Readern. Ausführliche Ergebnisse der Studie stehen im buchreport.magazin 3/2012 (hier zu bestellen).

Die Studienergebnisse zur Nutzung digitaler Bücher hat buchreport.de bereits vorgestellt (hier nachzulesen). 

Kommentare

3 Kommentare zu "Pricing gegen Piraterie"

  1. Reinhard Matern | 29. Februar 2012 um 15:59 | Antworten

    Es ist kein verheißungsvoller Einstieg in einen Markt, die potentiellen Kunden in der Fremde mit floskelhaften Vorhaltungen und reservierter Haltung zu begrüßen!

    Man wird sich entscheiden müssen, ob man zur digitalen Welt ja oder nein sagt! Es könnte für manchen besser sein, sie unberücksichtigt zu lassen, besser als sich in ihr wie auf einem Exoplaneten zu bewegen.

  2. Michael Dreusicke | 28. Februar 2012 um 17:39 | Antworten

    Sehr schöner Kommentar 🙂
    Ich glaube auch, dass wir von einem faktischen Problem sprechen, nicht von einem rechtlichen.

  3. Peter Schmid-Meil | 28. Februar 2012 um 17:13 | Antworten

    Nur mal so zum Nachdenken, warum Piraterie im Moment ein Problem sein könnte:
    1. Es gibt mehr illegale E-Book-Titel als legale. Manche Titel muss man also klauen, so man sie als E-Book haben will.
    2. Manche E-Books gibt es nur in bestimmten Formaten. Will man ein anderes, muss man es konvertieren oder klauen. Beides ist nicht legal.
    3. Manche Piraterie-Seiten tauchen in den Trefferlisten der Suchmaschinen VOR den legalen Angeboten auf.
    4. Über zu hohe E-Book-Preise will ich hier gar nicht reden, das Argument sticht meiner Meinung nach nicht, denn es geht um die Kunden, die ein E-Book legal kaufen wollen und nicht können!

    Fazit: Solange die Piratenseiten eine größere Titelanzahl und mehr E-Book-Formate bieten und gleichzeitig deren SEO besser ist als das der legalen Seiten, brauchen wir uns über Piraterie nicht zu wundern.

    Bevor wir in der Verlags- und Buchhandelswelt unsere Hausaufgaben nicht gemacht haben und dem zahlungswilligen Kunden die Gelegenheit geben, ein E-Book so zu kaufen, wie er es gerne möchte, solange macht es aus meiner Sicht keinen Sinn, nach der großen Keule zu suchen, um die bösen Piraten zu verhauen.

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