Worte weise wählen

Eigentlich sollte gerade die Buchbranche mit Worten brillieren können. Die aktuelle Debatte zum Urheberrecht, erneut hochgekocht durch das Acta-Abkommen, aber ist mehr ein ideologischer Austausch von Unfreundlichkeiten denn eine inhaltliche Diskussion. Besonders unglücklich verlaufen ist die Kommunikation bei der Erklärung der „Deutschen Content Allianz“, die auch der Börsenverein unterschrieben hat.

Ohne jedes Unrechtsbewusstsein für digitalen Diebstahl sei die nachwachsende Generation aus Schule und Elternhaus „in die große Welt des Internets“ entlassen worden, moniert der Zusammenschluss aus Vertretern der Kreativwirtschaft in der Erklärung zum Acta-Abkommen. Und fordert noch im selben Atemzug mehr Dialogbereitschaft von den derart an den Pranger Gestellten.

Die Reaktion folgte prompt: Es gebe keine Erkenntnisse, dass besagte Generation krimineller sei als frühere Generationen, kommentiert der Verein D64, der sich den digitalen Fortschritt auf die Fahne geschrieben hat. Andere zerpflücken Sprache und Argumentationsmuster (hier die Reaktionen im Überblick). Die inhaltliche Auseinandersetzung über das eigentliche Thema Urheberrecht rückt an den Rand.

Auch bei den Acta-Protestlern und Netzaktivisten sind konstruktive Beiträge oft Mangelware, vieles ist provozierend. Doch sollte gerade die Kreativbranche, die für hochwertige Inhalte und deren Bezahlung ficht, ihre künftigen Käufer nicht durch unglückliche Formulierungen vergraulen. Wenn sich alle Beteiligten wieder auf die Inhalte statt auf die Form konzentrieren, kann auch auf die Bühne treten, was ins Licht gehört: Die Suche nach dem passenden Rüstzeug für Urheber im digitalen Zeitalter. Diese wird schwierig genug.

Kommentare

2 Kommentare zu "Worte weise wählen"

  1. Harald Henzler | 5. März 2012 um 21:15 | Antworten

    Für sinnvoll erachte ich eine getrennte Betrachtung von zwei Fragen:
    Warum ist es für eine Gesellschaft sinnvoll, Urheberrechte und Patente zu schützen? Und:
    Wie können Verwerter und Distributoren ihre Wertschöpfung im Prozess zwischen Autor und Kunde deutlich machen?
    Trennt man diese Fragen im ersten Schritt, kann eine inhaltliche Auseinandersetzung erleichtert werden. Mehr dazu unter: http://bit.ly/yUh6Pf

  2. Helmut von Berg | 24. Februar 2012 um 20:29 | Antworten

    Wer in Deutschland – zu was auch immer – weise Worte findet, wird schnell mal für ›außer-irdisch‹ gehalten.
    Wertschätzung ist viel zu oft an noch dazu durchschaubare ›Interessenlagen‹ gebunden und damit an sich schon entwertet.
    Das alles ist ›schwierig genug‹, Sie sagen es.

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