Monatspass

Grenzen zwischen Kritik und Denunziation überschritten

17 bekannte Schriftsteller haben in einem offenen Brief den „SPIEGEL“ für einen Artikel kritisiert, der dem Autor Christian Kracht rechtes Gedankengut unterstellt (buchreport.de berichtete). 
Der Literaturkritiker Georg Diez habe mit seinem Artikel die Grenzen zwischen Kritik und Denunziation überschritten: „Äußerungen von literarischen Erzählern und Figuren werden konsequent dem Autor zugeschrieben und dann als Beweis einer gefährlichen politischen Haltung gewertet. Wenn diese Art des Literaturjournalismus Schule machen würde, wäre dies das Ende jeder literarischen Phantasie, von Fiktion, Ironie und damit von freier Kunst“, heißt es in dem Brief. 
Unterzeichnet wurde der offene Brief von: 
  • Katja Lange-Müller
  • Daniel Kehlmann 
  • Elfriede Jelinek
  • Peter Stamm
  • Monika Maron
  • Thomas von Steinaecker
  • Kathrin Schmidt
  • Thomas Hettche
  • Necla Kelek
  • Rafael Horzon
  • Stefan Beuse
  • Carmen Stephan
  • Benjamin von Stuckrad-Barre
  • Carl von Siemens
  • Eckhart Nickel
  • David Schalko
  • Feridun Zaimoglu
In seinem Artikel „Die Methode Kracht“ bespricht Georg Diez den bei Kiepenheuer & Witsch erschienenen Roman „Imperium“ (18,99 Euro), der die „Nähe des Autors zu rechtem Gedankengut“ zeige. Außerdem zitiert der Autor aus einem (veröffentlichten) Mail-Wechsel zwischen Kracht und dem US-Amerikaner David Woodard, der eine Art Vorarbeit zum Roman sei – die Mails zeigten die „dunkle Seite des Werks“.
Auch Kiwi-Verleger Helge Malchow hatte die Vorwürfe gegen Kracht in einer Stellungnahme abgewiesen. Der Artikel sprenge die Grenzen der Literaturkritik, „weil er einen der besten und wichtigsten Autoren der Gegenwartsliteratur mit Unterstellungen und atemberaubenden Verdrehungen aus dem Kosmos der deutschsprachigen Literatur ausgrenzen will.“ Der Vorwurf der Verbreitung rassistischen Gedankenguts sei bösartig. Der Verlag stehe in der Tradition antifaschistischen und demokratischen Denkens und Publizierens und werde alles tun, um diesem „journalistischen Rufmord“ entgegenzutreten. 

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