Fifty-fifty soll reichen

Die Geschichte des Google-E-Book-Programms ist eine der fortgesetzten Verzögerungen. Nachdem das Unternehmen im Dezember 2010 mit 3 Mio Titeln – das Gros gemeinfrei – in Amerika an den Start ging, tat sich lange Zeit gar nichts. Kein Signal, ob der Launch erfolgreich war.

Statt wie geplant im Frühjahr 2011 folgte der Start in Großbritannien erst im Oktober. Erstes Fazit? – Fehlanzeige. Und von dem von Google-Manager Santiago de la Mora auf der Frankfurter Buchmesse gegenüber buchreport noch fürs gleiche Jahr avisierten Start in Kontinentaleuropa ist bis dato nichts zu sehen.

Doch seit vergangener Woche kommt Bewegung in die Wartepartie. In den Verlagen beschäftigen sich die Justiziare seitdem intensiv mit den Verträgen („Google E-Books Ergänzungsvereinbarung“), die von Hamburg aus mit Bitte um Vertraulichkeit verschickt wurden.

Verlagsanteile viel niedriger als bei Apple und Amazon

Beim Studium des über 20-seitigen Vertragswerks, das buchreport vorliegt, fällt nicht nur ins Auge, dass sich Google weiterhin über den geplanten Start des Download-Dienstes ausschweigt. Auffällig sind insbesondere die für Verlage vergleichsweise schlechten Konditionen und Rahmenbedingungen, mit denen Google versucht, den Vorsprung von Amazon und Apple aufzuholen:

  • Standardgemäß schüttet Google an den Verlag 52% des Nettopreises aus.
  • Verkauft Google die digitalen Bücher über dritte Partnernbuchhändler (in den USA kooperiert Google u.a. mit Powell’s, Alibris und Mitgliedern der American Booksellers Association), liegt der Anteil der Verlage sogar nur bei 45%. 
  • Zum Vergleich: Bei Apple und Amazon erhalten die Verlage rund 70%.
  • Google weigert sich, mit Aggregatoren wie A2 Electronic Publishing oder Bookwire zusammenzuarbeiten, die im Auftrag der Verlage die Titel an verschiedene Shops liefern; besonders kleinere Verlage sind oft auf die Dienstleistungen und Kontakte solcher Firmen angewiesen. Auch Amazon gab Aggregatoren anfangs einen Korb, lenkte aber später ein.
Weitestgehend unauffällige Vertragsklauseln: 
  • Google sichert den Verlagen zu, sich an die Preisbindung zu halten. In Ländern ohne Preisbindung bestimmt Google einen Preis, falls die Verlage keinen eigenen ansetzen.
  • Außerdem haben die Verlage die Wahl, ob sie ihre Titel mit hartem Kopierschutz (DRM) schützen lassen oder nicht und ob die Inhalte kopiert und ausgedruckt werden dürfen.
Start mit Unsicherheiten

Angesichts der aus Verlagssicht eher dürftigen Konditionen bestehen in der Branche Zweifel, ob es Google gelingen wird, in den kommenden Monaten ein attraktives E-Book-Portfolio zusammenzustellen. Dreh- und Angelpunkt wird dabei die Frage sein, wie weit Google großen Verlagsgruppen wie Random House, Bonnier und Holtzbrinck entgegenkommt. Doch auch ein baldiger Start birgt perspektivisch weitere Unsicherheiten:

  • Amazon und Apple haben zusammen mit Weltbild/DBH und Thalia schon einen großen Teil des Marktes unter sich aufgeteilt.
  • Das von Google eingesetzte Bezahlsystem „Checkout“ hat sich, verglichen mit dem von Amazon und Apple, bisher in Deutschland kaum durchgesetzt.
  • Google bietet noch keinen eigenen E-Reader bzw. kein Tablet an und ist daher auf die Android-Gerätehersteller angewiesen, die den Google-E-Book-Shop vorinstallieren können. Erst wenn Google die neue Konzerntochter Motorola in Stellung bringt, könnte die „End-to-end“-Integration gelingen.

Hier der Trailer zu Google Books: 

Kommentare

2 Kommentare zu "Fifty-fifty soll reichen"

  1. Franz J. Bingenheimer | 9. März 2012 um 0:48 | Antworten

    Hallo Ihr Kritiker, bei Google eBooks hat auch ein kleiner Selbstverleger die Möglichkeit seine eBooks Weltweit anzubieten.
    Und das kostenfrei!
    Google schüttet an den Selbstverleger 49% minus den Mehrwertsteuersatz ( derzeit 19% in Deutschland ) für eBooks aus.
    Das finde ich OK.
    Die Produkteinführung von Google eBooks in Deutschland finde ich gut.

  2. Hm. Sieht wirklich nicht sonderlich rosig aus. Aber ich bin sicher, dass Google da einlenken wird. Allerdings ist ein sehr grober Fehler in diesem Beitrag.

    Zitat:
    »Google bietet noch keinen eigenen E-Reader bzw. kein Tablet an und ist daher auf die Android-Gerätehersteller angewiesen, die den Google-E-Book-Shop vorinstallieren können. Erst wenn Google die neue Konzerntochter Motorola in Stellung bringt, könnte die „End-to-end“-Integration gelingen.«

    Es gibt Tonnenweise Android-Tablets und dort ist der Android Market vorinstalliert. Ebenso wie Apps, Spiele, Filme und Musik, werden auch die Bücher dort angeboten. Somit hat man, sobald es verfügbar ist, auch auf jedem Android-Gerät den Buchshop.

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