E-Books machen Schule

Seit eineinhalb Jahren arbeiten die Bildungsverlage gemeinsam mit Lehrern an einer digitalen Schulbuchplattform, nun steht die Preview-Version der Branchenlösung. Nach den Sommerferien soll „digitale Schulbücher“ mit mehreren Hundert Büchern an den Start gehen.

Das Konzept:

  • Dezentraler Verkauf: „Digitale Schulbücher“ ist keine Vertriebsplattform. Lehrer und Schüler können die Freischalt-Codes für E-Books direkt bei den beteiligten Verlagen erwerben. Die Ausgestaltung der Lizenzen liegt allein beim Verlag. Möglich ist der Erwerb von Jahreslizenzen, Komplettlizenzen, Schullizenzen, Einzellizenzen oder eine Schulbuchleihe; die konkreten Geschäftsmodelle entstehen aus den Verlagen. Die Bildungsverlage wollen einen gemeinsamen technischen Standard bieten, der den einzelnen Verlagen gleichzeitig auch die Flexibilität gewährt, eigene Lösungen anzubieten.
  • Offline-Lektüre: Die Codes geben die Nutzer auf www.digitale-schulbuecher.de oder über eine kostenlose Software ein. Anschließend stehen die Bücher online und offline im virtuellen, verlagsübergreifenden Regal bereit.
  • Herstellerneutralität: Wie vom Verband der freien Lektoren im Vorfeld gefordert, setzen die Verlage auf eine herstellerneutrale Lösung. Die E-Books sollen online und auf allen Betriebssystemen (Mac und Windows, Linux ist derzeit nicht geplant) und Endgeräten gelesen werden können, geplant ist auch eine Version für Tablets (Android und iPad).
  • Zusatzfunktionen: Der Nutzer kann Notizen machen, Formen einfügen, zeichnen und im Buch zeichnen, Lesezeichen setzen sowie einzelne Passagen markieren oder durchsuchen. Die Anmerkungen und Lesezeichen werden automatisch zwischen den verschiedenen Geräten synchronisiert.
  • Kopierschutz: Die digitalen Bücher sind – ähnlich wie bei Amazon und Apple – nur über die Software und über die Online-Plattform selbst einsehbar und sind direkt mit dem Nutzerkonto verknüpft.
  • Datenschutz: Die Plattform soll allen datenschutzrechtlichen Vorgaben entsprechen, eine datenschutzrechtliche Zertifizierung ist in Vorbereitung.
  • Multimediale Zusatzfunktionen: Die Einbindung animierter und multimedialer Inhalte soll sukzessive folgen. Die Inhalte dafür stehen bereits bereit, zeigt ein Rundgang über die Bildungsmesse Didacta (14. bis 18.2.) in Hannover, auf der die Plattform vorgestellt wurde: Viele Schulbuchverlage haben angereicherte E-Books entwickelt, in denen Lehrinhalte mit Video- und Audioinhalten oder mit Abfrage-Tools oder Spielen angereichert sind. Auf multimedial angereicherte digitale Lehrbücher setzt auch Apple mit seiner kürzlich vorgestellten Version von iBooks 2 für Schulbücher.

Trotz des Vorstoßes der Verlage wird der digitale Wandel in Schulen wohl eher im Schritttempo vollzogen: Die klammen Kommunen müssten intensiv in die technische Ausstattung der Schulen investieren, doch noch gibt es in keinem Bundesland gesonderte Budgets für  Bildungsmedien.

„Wir können nur das anbieten, was bezahlt wird. Die Budgets kommen größtenteils aus der öffentlichen Hand. Wir sind darauf angewiesen, ob zusätzliche Budgets für digitale Schulbücher und die passende Infrastruktur (Hardware, Schulungen, Techniker) bereit gestellt werden“, verweist Martin Hüppe, Geschäftsführer bei Cornelsen auf die Hürden der Digitalisierung.

Zudem warnt der Verband Bildungsmedien vor einer zu starken Fokussierung auf technische Aspekte in Schulen. Je nach Lernsituation könne es sinnvoll sein, Lerninhalte in analoger oder in digitaler Form zu publizieren.

Unabhängig von der Geschwindigkeit lautet eine Konsequenz der vorgestellten Digitaloffensive: Das klassische Schulbuchgeschäft schrumpft für Buchhändler wie für Logistiker. Cornelsen-Geschäftsführer Wolf-Rüdiger Feldmann verweist im Gespräch mit buchreport.de darauf, dass die künftige Bedeutung des Handels vor allem von den Bezugswegen der Schulen abhänge. Grundsätzlich sei beim vorgestellten, nicht-finalisierten Modell sowohl der Bezug über den Handel als auch der Direktbezug möglich.

An der Branchenlösung „Digitale Schulbücher“ sind folgende Verlage beteiligt:

  • Beltz
  • Bildungsverlag Eins
  • C.C. Buchner 
  • Cornelsen
  • Diesterweg
  • Duden
  • Ernst Klett Verlag / Klett-Auer
  • Hauschka Verlag
  • Helbling
  • Herdt
  • Hueber
  • Kösel
  • Mathe LV
  • Merkur Verlag Rinteln
  • Mildenberger Verlag
  • Militzke
  • Oldenbourg bsv
  • Schöningh
  • Schroedel
  • Vandenhoeck & Ruprecht
  • Europa Lehrmittel
  • Volk und Wissen
  • vpm
  • Westermann
  • Winklers
  • Wochenschau Verlag

Weitere Details unter www.digitale-schulbuecher.de.

Kommentare

1 Kommentar zu "E-Books machen Schule"

  1. So sehr ich eine solche Initiative auch begrüße sind meines Erachtens die Eckpunkte schon wiederspüchlich.

    Schaut man auf die Seite (oben angegeben) dann steht da:
    „Ein Format:
    Alle Verlage in einem Regal. Eine Technik.“
    und
    „Herstellerunabhängig:
    Alle Betriebssysteme und Endgeräte werden abgedeckt“

    Denn eBook-Reader zählen doch hoffentlich zu den Endgeräten. Die Schnittmenge der unterstützten Formate ist aber leider leer. Also kann es eben nicht ‚ein Format‘ geben.

    Auch was ‚alle Betriebssysteme‘ angeht bin ich sehr gespannt, das es neben den bekannten paar BS für Desktop- bzw. Mobilgeräte ein sehr breites Spektrum an BS gibt, die durchaus auch stark genutzt werden. Allerdings natürlich nicht in Bereichen wo Schulbücher gebraucht würden.
    Aber vielleicht hat ja eine Schule auch eine Landschaft mit einem SUN-Unix oder einem von HP oder einem guten alten Mainframe von IBM.
    Soviel zu ‚alle Betriebssysteme‘ und ‚ein Format‘.
    Ein netter Versuch aber ansonsten – wie mein alter Physiklehrer zu sagen pflegte – Mumpitz.

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