Nicht bereit, uns fressen zu lassen

Das neue Gebührenmodell beim Bücherwagendienst von KNV (Foto: KNV) stößt auf Unmut unter den Sortimentern. Besonders die „Stopp-Gebühr“, die Buchhändler ab 1. März zahlen soll, ist umstritten. Ein Wiesbadener Sortimenter-Sextett kritisiert das neue Modell in einem offenen Brief an die KNV-Geschäftsführung.
Hintergrund des Ärgers sind die Pläne von KNV, neben einem „Dieselfloater“ (Zu- oder Abschlag auf die Staffelpreise, abhängig von der Entwicklung des Dieselpreises für Großverbraucher), der die Treibstoffkosten auffangen soll, auch „Stopp-Kosten“ einzuführen: KNV-Kunden sollen künftig für jede Anfahrt einer Buchhandlung oder Filiale Gebühren (Kommittenten von KNV 1,25 Euro je Zustellung, für Kunden ohne Kommissionsvertrag 2,50 Euro) bezahlen. Weitere Details in dieser KNV-Broschüre (ab S. 5). Im Gegenzug senkt KNV die Kommissionsgebühr.
Die Wiesbadener Buchhändler-Gruppe „Die Sechs Richtigen“ schreibt einen offenen Brief an die Geschäftsführung von KNV: 
„Sehr geehrter Herr Voerster, sehr geehrter Herr Strauß, 
in der letzten Woche haben Sie uns doch sehr überrascht: Bisher ist uns Stuttgart nicht als närrische Hochburg aufgefallen! Aber nun das: „Dieselfloater“, „Stoppgebühren“ – wir haben schon die Motivwagen dazu vor uns gesehen. Ihre Heiterkeit scheint derzeit keine Grenzen zu kennen. 
Wir sind – trotz unserer Nähe zu einer wahren karnevalistischen Hochburg, gemeint ist Mainz, nicht Köln (!) – aber nicht wirklich amüsiert. Wir sind überhaupt nicht amüsiert. 
Wir müssen Ihnen nicht einzeln vorrechnen, was diese Erhöhung der Kosten für uns Sortimenter bedeutet. Einige von uns sollen bis zu 800 Euro per annum mehr zahlen. Ihr Modell, dass Sie sicherlich sehr bewusst so gestaltet haben, soll uns dazu bringen, oder darf man sagen: zwingen, sich für den KNV-Bücherwagendienst zu entscheiden. Hier sind die Kostensteigerungen etwas weniger närrisch. 
Dürfen Sie das? Aber sicher! Sollten Sie das? Nein! Solche „Lösungen“ präsentieren Unternehmen, deren strategischen Entscheidungen respektive deren Ergebnisse immer mehr Löcher aufweisen. Und die sollen wir jetzt füllen? Nein, das werden wir nicht tun, denn wir arbeiten anders. Vorausschauend, fair, respektvoll zu unseren Kunden und Lieferanten – und ja, auch wir tanken, ziehen um, bauen, müssen unsere Mitarbeiter bezahlen und arbeiten an unserer Eigenkapitalquote. Sie scheinen vergessen zu haben, dass man Ihrem närrischen Treiben durch Besuche in Bad Hersfeld oder Bietigheim entkommen kann. 
Wir stehen zwar am Ende der buchhändlerischen Nahrungskette, sind aber nicht bereit, uns fressen zu lassen. 
Im Karneval, der bei uns Fastnacht heißt, ist die Reihenfolge der Wagen beim Umzug genau festgelegt: Die Ehrengarde begleitet Bauer und Jungfrau, danach kommt die Prinzengarde und dann der Prinz im letzten Wagen des Zuges. Vielleicht sollten Sie es so machen, wie es der Prinz mit seinen „Kamelle“ macht: Werfen Sie die Kisten doch aus dem fahrenden Wagen, dann brauchen Sie nicht anzuhalten. 
Wir freuen uns auf sehr ernsthafte Gespräche zur Fortführung unserer Geschäftsbeziehungen.“ 
Walter Lüderssen, Buchhandlung Angermann 
Susanne Pristaff und Axel Krautworst, Buchhandlung Susanne Pristaff 
Gabriele Wörner und Jutta Leimbert, Buchhandlung Vaternahm 
Brigitte Endres, Buchhandlung erLesen

Mehr zum Thema im neuen buchreport.express 7/2012 (erscheint am 16.2.2012)

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