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E-Books: Online Pricing-Test des Berlin Story Verlags

Welchen Wert haben Ebooks für Leser? Und wie viel sind sie bereit, dafür zu zahlen? 

Dieser Frage will der Berlin Story Verlag nachgehen, indem er es den Lesern überlässt, den Preis eines Ebooks zu bestimmen. Ab dem 8. Februar 2012 können Kunden einen Monat lang das Buch „Der Letzte macht das Licht aus“ von Klaus Behling im Blog www.berlinstory-verlag.de/blog downloaden. Wie und ob bezahlt wird, entscheidet der Kunde. Er kann die gewünschte Summe spenden und via Paypal überweisen; er kann den Verlag durch Flattr unterstützen; er kann mit Naturalien bezahlen – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt; oder er zahlt gar nichts. Welche Zahlungsart sich bewährt und wie hoch die Downloadzahlen sind, wertet der Berlin Story Verlag regelmäßig in seinem Blog www.berlinstory-verlag.de/blog aus. Die abschließende Auswertung stellt der Verlag ebenfalls online zur Verfügung.

Wie viel sollte ein Ebook kosten?
Es fällt nicht schwer, ein greifbares, materielles Produkt mit einem bestimmten Wert zu versehen: zum Beispiel ein Buch, so wie die Menschheit es seit Jahrhunderten kennt, das man in der Hand hält und durchblättert. Was passiert jedoch, wenn der ganze physische Aspekt dieses Buches wegfällt und nur noch der Inhalt übrig bleibt? Was für einen Preis schreiben wir den Wörtern und den Ideen zu, ohne die materielle Hülle? Das Phänomen des Ebooks verändert das Konzept des Buches und wirft daher die Frage auf, inwiefern sich damit auch dessen Wert verändert.

Das Ziel besteht darin, den passenden Preis für ein Ebook zu finden, der idealerweise den Wert für den Leser widerspiegelt und sich trotzdem von den Produktionskosten her rentiert. Bisher wurden keine Informationen zur Bestimmung von Preisen für Ebooks veröffentlicht, auf die sich ein Verlag bei den eigenen Preisen beziehen könnte. Der Berlin Story Verlag führt daher ein eigenes Projekt durch, um diese Informationen zu erschließen. Die Auswertung dieses Projekts wird der Verlag anschließend auf der Verlagsseite veröffentlichen.

Die Produktionskosten eines Ebooks
Kostenlose Ebooks anzubieten oder den Preis selbst zu bestimmen sind zwar keine neuen Konzepte: Amazon bietet zum Beispiel im Januar jeden Tag ein kostenloses Ebook. Aber zwischen einem Großkonzern wie Amazon und einem kleinen Verlag stehen Welten. Wie realistisch ist ein Preismodell der Selbstbestimmung und welche finanziellen Konsequenzen hat es für ein kleines Unternehmen?

Trotz der entfallenden Druckkosten entstehen, wie auch bei jedem gedruckten Buch, eine Vielzahl anderer Kosten, die durch den Verkauf des Ebooks wieder ausgeglichen werden müssen. Vom Verkaufspreis eines Buches bleibt dem Verlag letztendlich ein geringer Anteil an Gewinn.

Die folgenden Diagramme stellen die Aufteilung der Kosten beim Ebook und beim gedruckten Buch graphisch dar.

 

Die Druckkosten des Buches machen nur einen geringen Teil des Verkaufspreises aus. Bei einem Ebook entstehen dafür Herstellungskosten und Umwandlungskosten, um das richtige Format zu erstellen. Ein Vorteil des Ebooks besteht darin, dass der Buchhändlerrabatt von 40 % durch eine Provision von meistens um die 30 % ersetzt wird. Aber da der Verkaufspreis eines Ebooks deutlich niedriger ist als der eines Buches, bekommen andere Kosten einen höheren prozentualen Anteil: Rechtelizenzen und Übersetzungen zum Beispiel kosten bei Ebooks und gedruckten Bücher dasselbe. Hinzu kommen die üblichen Kosten wie Autorenhonorare, Marketing, Lektorat und Vertrieb.

Prozentual beträgt der Gewinn beim Verkauf eines Ebooks also wenig mehr als bei einem gedruckten Buch.

Bisherige Preismodelle
Digitale Inhalte ermöglichen neue Vertriebswege und Preismodelle. Natürlich gibt es bei einem Ebook den gebundenen Verkaufspreis, der meistens ungefähr die Hälfte eines gedruckten Buches beträgt. Zusätzlich besteht die Möglichkeit einer Flatrate, bei der man monatlich zahlt und so viele Ebooks downloaden kann wie man will. Und natürlich das kostenlose Ebook – welches, wie die Diagramme zeigen, für kleinere Verlage keine realisierbare Option ist.

Das Buch zum Projekt
Der Verlag bietet für dieses Projekt ein Buch an, welches das Interesse vieler Leser wecken soll. „Der Letzte macht das Licht aus…“ von Klaus Behling erzählt 250 Fluchtgeschichten, erfolgreich und nicht erfolgreich. Jede Flucht ganz kurz, auf die Akteure und das Wesentliche konzentriert. Wie ein Krimi. Die ganze Erbärmlichkeit, Niedertracht und Kriminalität des DDR-Systems wird wie durch Schlaglichter beleuchtet. Jetzt könnte man meinen, das sei ein niederschmetterndes Buch. Ist es aber nicht. Klaus Behling schreibt scharfzüngig, treffend, mit großer Zuneigung zu den Menschen, die weg wollen, er ist ironisch, genau.

Klaus Behling
Der Letzte macht das Licht aus …
Zu Lande, zu Wasser und in der Luft – 250 Fluchtgeschichten aus der DDR

ISBN 978-3-86368-038-1, 200 Seiten, 12,5 x 20,5 cm, Broschur, Preis Print 16,80 €

Kommentare

1 Kommentar zu "E-Books: Online Pricing-Test des Berlin Story Verlags"

  1. Arnold Schönemann | 9. Februar 2012 um 23:21 | Antworten

    Tolle Aktion des Verlags. Bin gespannt auf die Zahlen. Allerdings sind die Berliner nicht die einzigen und auch nicht die ersten, die sowas machen. Der neugegründete Leipziger ed.cetera Verlag hat das mit einem Riesenmonster von Roman gemacht und dem gedruckten Buch noch eine elektronische Version beigegeben, die kostenlos gelesen, heruntergeladen und weiterverbreitet werden kann – und das sogar ohne Zeitbeschränkung. Es scheint, als komme Leben in die Verlagsbranche…
    Das Buch des ed.cetera Verlags findet man übrigens hier:
    http://www.the-quandary-noveli

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