Aufbegehren später

Während in Augsburg im Kampf um den Zukunftstarifvertrag bereits offen über Arbeitskampf diskutiert wird, herrscht in München eine auffällige Ruhe unter Mitarbeitern – obwohl sich durch den geplanten Weltbild-Verkauf auch Fragezeichen für Hugendubel ergeben. Mit der heutigen Betriebsversammlung wollten die Arbeitnehmervertreter die Kollegen mobilisieren. Doch der Funke ist noch nicht übergesprungen.

Denn die möglichen Folgen der aus Mitarbeiter-Sicht wenig erfreulichen Botschaft der Kirchenfürsten, sich von ihrer 100-%-Tochter (inklusive 50%-Anteil am Hugendubel-Weltbild-Joint-Venture DBH) trennen zu wollen, sind an der Isar offenbar noch nicht angekommen. „Die Passivität unserer Belegschaft ist erschreckend. (…) kämpferisch geht anders“, rekapituliert ein Leser im Hugendubel-Blog die Versammlung am Salvatorplatz. Und: „Die Kollegen aus Augsburg schütteln wahrscheinlich immer noch den Kopf.“ Timm Bossmann, als Sprecher der Verdi-Betriebsgruppe für Weltbild aus Augsburg angereist, berichtet gegenüber buchreport.de von einer „sehr ruhigen“ Atmosphäre unter den rund 80 bis 90 (von insgesamt 400) anwesenden Hugendubel-Mitarbeitern. 
Dass ein Weltbild-Verkauf auch Hugendubel tangiert, das hat Uwe Kramm, Gesamtbetriebsratschef bei Hugendubel, in seiner Rede dargestellt: Sowohl der Internethandel  als auch die Finanzierung von Hugendubel laufe inzwischen über Augsburg, und eine Veräußerung könnte entsprechende Nachteile bringen. 
Hinzu komme, dass bei Hugendubel schon heute mächtig umgebaut werde: Schließung der Filialen in Kassel (Citypoint) und in Berlin (Tauentzien) in Kürze sowie des Stammhauses am Salvatorplatz in München bis zum Sommer. „Die Betriebsversammlung kann nur ein Auftakt sein. Wir müssen uns endlich auf die Hinterbeine stellen“, mahnt Kramm im Gespräch mit buchreport.de.  
Konkret will Kramm das Thema Sozialtarifvertrag wieder auf die Agenda setzen. „Wenn wir bei Hugendubel eine tarifliche Absicherung haben wollen, müssen wir selbst aktiv werden.“ 
Allerdings ist diese Mission eine schwierige, da der Betriebsrat seit nunmehr zweieinhalb Jahren um den Tarifvertrag ringt (hier mehr zum Thema), ohne Ergebnis. In München verwies Geschäftsführer Thomas Nitz darauf, dass man stattdessen dem Betriebsrat angeboten habe, den Sozialplan zu verlängern. Das habe der Betriebsrat abgelehnt.

Foto: Verdi

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