Michael Hofner: Gas geben statt abwarten

Michael Hofner: Gas geben statt abwarten
Zugegeben, mit der Vorstellung von iBooks 2 und iBooks Author hat Apple wieder einmal für reichlich Furore gesorgt. Vor allem der Schulbuchmarkt ist in Aufruhr. Möglicherweise ist das nachvollziehbar – andererseits drängt sich mir in erster Linie die Frage auf: Worauf warten die Verlage denn nun noch?
Gut, die proprietäre Lösung, die Apple hier präsentiert, könnte als Affront gewertet werden, bringt viele Pläne für neue Plattformen etc. durcheinander und sorgt möglicherweise für Verwirrung. Zumal das International Digital Publishing Forum ja gerade erst im Herbst bekannt gegeben hat, dass die Entwicklung von ePub 3.0 nun abgeschlossen sei – damit scheint der Weg für attraktive eBooks mit multimedialen Inhalten nun auch frei zu sein.
So gesehen ist es möglicherweise verständlich, dass die Verlage zwischen Ratlosigkeit und Aufruhr schweben. Aber ich sage bewusst möglicherweise, denn vorrangig sehe ich hier großes Potenzial und die Frage drängt sich auf, warum sie es nicht nutzen wollen. Und ich meine in der Tat alle Verlage, nicht nur diejenigen, die den Bildungsmarkt bedienen. Lukrative Chancen könnten nämlich hier alle nutzen, die ihre innovativen Konzepte für digitale Inhalte jetzt umsetzen und damit weitaus mehr Nutzen und Funktionalität bieten wollen, als es bisherige Standards ermöglicht haben. Die Zeiten, in denen es genügte, Content vom gedruckten Buch in digitale, aber nicht multimedial nutzbare Medien umzuwandeln, sind vorbei. Jetzt ist mehr gefragt: Interaktivität, Videos, 3D-Visualisierungen und Ähnliches.
ePub 2.0 konnte das bisher nicht leisten, ePub 3.0 stellt es in Aussicht. Aber genau hier liegt das Problem, denn für den neuen Standard gibt es eben bislang keine Lesesoftware, keine Reader-Apps für Tablets oder Smartphone, keine Updates für die bisher im Markt vorhandenen eReader und auch keine Produktionstools, also keine eBook-Autorenumgebungen und Prüftools, die lediglich im Beta-Stadium vorliegen. Bisher scheinen die Ankündigungen der Hersteller bezüglich einer schnellen Integration doch nicht mehr als nur Lippenbekenntnisse zu sein. Das zeigt schon, dass die Umsetzung von interaktiven und multimedialen Konzepten für eBooks mit ePub 3.0  wohl noch auf sich warten lässt.
Und was bietet uns Amazon? Das Kindle Format KF8 ist ausschließlich für Geräte der neueren Generation G4 und für Kindle Fire anwendbar. Dieses Tablet ist in Deutschland derzeit noch gar nicht verfügbar – angesichts der kürzlich veröffentlichten Meldung, dass der Kindle Fire stark am Gewinn des weltgrößten Onlinehändlers zehrt, ist es fraglich, welche Strategie das Unternehmen hier künftig einschlagen wird. Und mit älteren Kindle Geräten ist KF8 nicht kompatibel. Zudem gibt es zur Konvertierung der Daten in das KF8 Format lediglich ein Kommandozeilen-Programm ohne grafische Oberfläche.
Bleibt derzeit also noch das neue iBooks Textbook-Format von Apple als diskussionswürdige Alternative. Diese Lösung für das iPad ist mit der kostenlosen (!) Lesesoftware iBooks 2 sofort verfügbar. Die „Layoutsoftware“ iBooks Author bietet – man merke: ebenfalls kostenlos – eine Umgebung zum Erstellen der Bücher. Interaktive Inhalte lassen sich ohne großen Aufwand integrieren. Hier schließt Apple in der Tat eine Lücke zwischen ePub 3.0 und einer kostenaufwändig produzierten App. Vor allem aber sind iPads als Lesegeräte weit verbreitet, mehr noch: Sie erfreuen sich offensichtlich größter Beliebtheit. Gerade erst erreicht uns die Meldung, dass Apple allein im 4. Quartal 2011 15,4 Millionen iPads verkauft hat, das entspricht einem Anstieg um 111% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Seit der Markteinführung 2010 wurden damit etwa 55 Millionen iPads verkauft, Apple beherrscht den Tablet Markt trotz Konkurrenz deutlich.
Angesichts dieser beeindruckenden Zahlen und Fakten, wage ich also tatsächlich, die Verlage zu fragen: Worauf warten Sie noch? Apple bietet ein funktionierendes wie gefragtes Lesegerät, die passende kostenlose Software und stellt mit dem iBookStore zudem auch noch eine eingeführte Vertriebsplattform zur Verfügung. Dass das Unternehmen dafür ein Stück vom Apfelkuchen beansprucht, steht ihm nicht zuletzt auch  angesichts der rasanten Entwicklungsleistung zu. Das größere Stück aber können sich  Verlage abschneiden, die schnell sind, denn im deutschen iBookStore sind die Bücherregale in der neuen Kategorie interaktive Bücher im iBooks2 Textbook-Format noch leer! Sie warten nur auf Verlage, die Gas geben statt abzuwarten und mit Apple auf der rechten Spur überholen, um den eBook-Markt zu erobern.
Michael Hofner ist Geschäftsleiter Technik & Innovation der kaltner verlagsmedien. Er sondiert neue Technologien, prüft sie für den Einsatz im Verlagsumfeld hinsichtlich Effizienz und Qualität bei der Herstellung von Verlagsprodukten. Darüber hinaus ist Michael Hofner Referent unter anderem bei der Akademie des Deutschen Buchhandels, hier hält er unter anderem Seminare unter dem Titel „Vom gedruckten Buch zum E-Book: Formate, Konvertierungsmethoden und Prozessoptimierung“ oder über die Herstellung von E-Medien.

Zugegeben, mit der Vorstellung von iBooks 2 und iBooks Author hat Apple wieder einmal für reichlich Furore gesorgt. Vor allem der Schulbuchmarkt ist in Aufruhr. Möglicherweise ist das nachvollziehbar – andererseits drängt sich mir in erster Linie die Frage auf: Worauf warten die Verlage denn nun noch?

Gut, die proprietäre Lösung, die Apple hier präsentiert, könnte als Affront gewertet werden, bringt viele Pläne für neue Plattformen etc. durcheinander und sorgt möglicherweise für Verwirrung. Zumal das International Digital Publishing Forum ja gerade erst im Herbst bekannt gegeben hat, dass die Entwicklung von ePub 3.0 nun abgeschlossen sei – damit scheint der Weg für attraktive eBooks mit multimedialen Inhalten nun auch frei zu sein.

So gesehen ist es möglicherweise verständlich, dass die Verlage zwischen Ratlosigkeit und Aufruhr schweben. Aber ich sage bewusst möglicherweise, denn vorrangig sehe ich hier großes Potenzial und die Frage drängt sich auf, warum sie es nicht nutzen wollen. Und ich meine in der Tat alle Verlage, nicht nur diejenigen, die den Bildungsmarkt bedienen. Lukrative Chancen könnten nämlich hier alle nutzen, die ihre innovativen Konzepte für digitale Inhalte jetzt umsetzen und damit weitaus mehr Nutzen und Funktionalität bieten wollen, als es bisherige Standards ermöglicht haben. Die Zeiten, in denen es genügte, Content vom gedruckten Buch in digitale, aber nicht multimedial nutzbare Medien umzuwandeln, sind vorbei. Jetzt ist mehr gefragt: Interaktivität, Videos, 3D-Visualisierungen und Ähnliches.

ePub 2.0 konnte das bisher nicht leisten, ePub 3.0 stellt es in Aussicht. Aber genau hier liegt das Problem, denn für den neuen Standard gibt es eben bislang keine Lesesoftware, keine Reader-Apps für Tablets oder Smartphone, keine Updates für die bisher im Markt vorhandenen eReader und auch keine Produktionstools, also keine eBook-Autorenumgebungen und Prüftools, die lediglich im Beta-Stadium vorliegen. Bisher scheinen die Ankündigungen der Hersteller bezüglich einer schnellen Integration doch nicht mehr als nur Lippenbekenntnisse zu sein. Das zeigt schon, dass die Umsetzung von interaktiven und multimedialen Konzepten für eBooks mit ePub 3.0  wohl noch auf sich warten lässt.

Und was bietet uns Amazon? Das Kindle Format KF8 ist ausschließlich für Geräte der neueren Generation G4 und für Kindle Fire anwendbar. Dieses Tablet ist in Deutschland derzeit noch gar nicht verfügbar – angesichts der kürzlich veröffentlichten Meldung, dass der Kindle Fire stark am Gewinn des weltgrößten Onlinehändlers zehrt, ist es fraglich, welche Strategie das Unternehmen hier künftig einschlagen wird. Und mit älteren Kindle Geräten ist KF8 nicht kompatibel. Zudem gibt es zur Konvertierung der Daten in das KF8 Format lediglich ein Kommandozeilen-Programm ohne grafische Oberfläche.

Bleibt derzeit also noch das neue iBooks Textbook-Format von Apple als diskussionswürdige Alternative. Diese Lösung für das iPad ist mit der kostenlosen (!) Lesesoftware iBooks 2 sofort verfügbar. Die „Layoutsoftware“ iBooks Author bietet – man merke: ebenfalls kostenlos – eine Umgebung zum Erstellen der Bücher. Interaktive Inhalte lassen sich ohne großen Aufwand integrieren. Hier schließt Apple in der Tat eine Lücke zwischen ePub 3.0 und einer kostenaufwändig produzierten App. Vor allem aber sind iPads als Lesegeräte weit verbreitet, mehr noch: Sie erfreuen sich offensichtlich größter Beliebtheit. Gerade erst erreicht uns die Meldung, dass Apple allein im 4. Quartal 2011 15,4 Millionen iPads verkauft hat, das entspricht einem Anstieg um 111% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Seit der Markteinführung 2010 wurden damit etwa 55 Millionen iPads verkauft, Apple beherrscht den Tablet Markt trotz Konkurrenz deutlich.

Angesichts dieser beeindruckenden Zahlen und Fakten, wage ich also tatsächlich, die Verlage zu fragen: Worauf warten Sie noch? Apple bietet ein funktionierendes wie gefragtes Lesegerät, die passende kostenlose Software und stellt mit dem iBookStore zudem auch noch eine eingeführte Vertriebsplattform zur Verfügung. Dass das Unternehmen dafür ein Stück vom Apfelkuchen beansprucht, steht ihm nicht zuletzt auch  angesichts der rasanten Entwicklungsleistung zu. Das größere Stück aber können sich  Verlage abschneiden, die schnell sind, denn im deutschen iBookStore sind die Bücherregale in der neuen Kategorie interaktive Bücher im iBooks2 Textbook-Format noch leer! Sie warten nur auf Verlage, die Gas geben statt abzuwarten und mit Apple auf der rechten Spur überholen, um den eBook-Markt zu erobern.

Michael Hofner ist Geschäftsleiter Technik & Innovation der Kaltner Verlagsmedien. Er sondiert neue Technologien, prüft sie für den Einsatz im Verlagsumfeld hinsichtlich Effizienz und Qualität bei der Herstellung von Verlagsprodukten. Darüber hinaus ist Michael Hofner Referent unter anderem bei der Akademie des Deutschen Buchhandels, hier hält er unter anderem Seminare unter dem Titel „Vom gedruckten Buch zum E-Book: Formate, Konvertierungsmethoden und Prozessoptimierung“ oder über die Herstellung von E-Medien.

Kommentare

2 Kommentare zu "Michael Hofner: Gas geben statt abwarten"

  1. Also ich bin beileibe kein Technikhasser sondern eher technikaffin, aber wenn ich den Blogbeitrag so lese, dann frage ich mich, ob der Autor mit dem Wort Risiko auch nur irgendetwas verbindet. Da ist lediglich ein Format verabschiedet worden – pure Technik ohne jeden Inhalt – und bis auf eine proprietäre Lösung gibt es absolut keine nennenswerte Infrastruktur. Ausserdem hat noch niemand auch nur einen Gedanken daran verschwendet, wie und wo denn diese neue Technik konkret eingesetzt werden soll. Es gibt bis auf Vermutungen noch keine Erkenntnisse darüber ob diese neue Technik denn überhaupt zielführend ist. Bislang sind die Annahmen, die in diesem Blogeintrag stillschwiegend getroffen werden, meiner Meinung nach im besten Fall technikverliebt im schlimmsten Fall blauäugig bis naiv zu nennen.
    Ich will nicht ausschließen, dass diese neue Technik im Bereich Schule/Lernen erfolgreich genutzt werden kann.
    Nur hatten dieses Potential angeblich auch solche Ansätze wie Lernen per Radio, Fernsehen, Sprachlabor etc.
    Immer war da ’neu‘ und ‚Technik‘. Wie man damit auch nur einen Deut besser oder mehr lernen soll; die Antwort auf diese Frage sind – und da muss ich mich mit einschließen – wir Techniker bislang immer schuldig geblieben.
    Nur mal eine technik-ketzerische Frage zum Schluss: Was sollen wir Techniker denn den Verlagen raten, die jetzt ganz toll ‚Gas geben‘ – was bei augenblicklicher Infra Apple heißt – und in 1-2 Jahren (ich weiß das ist sehr optimistisch) beschließt eine Kultusministerkonferrenz wir setzen in deutschen Schulen ausschließlich auf offene Formate? Hmm?

  2. Gas geben statt abwarten, eine Meinung zur Situation rund um das eBook und die Haltung der Verlage. Ich gehe in vielen Punkten mit. Aber ist es auf dem deutschen Buchmarkt, speziell Schulbuchmarkt so einfach, nur Gas geben? Ich glaube nicht, denn alleine die föderalistische Situation macht es im Schulbuchbereich nicht einfacher. Aber es gibt ja noch einige Märkte rund um das „reine“ Schulbuch und die sind nicht wenige interessant.

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