Multichannel ist ein Mythos

Im Kampf gegen Amazon setzen die stationären Champions in- und außerhalb des Buchhandels auf Multichannel-Tugenden. Der E-Commerce-Experte Jochen Krisch meldet im Interview Zweifel bei der Verknüpfung von Online und Offline-Geschäften an.
Im Interview zweifelt der Herausgeber des Weblogs Exciting Commerce und Inhaber und Geschäftsführer der Beratungsfirma Exciting Future GmbH für E-Commerce  an den Vorteilen von Multichannel-Konzepten – anders als der E-Commerce-Experte Gerrit Heinemann – und den Perspektiven des Kaufens per Smartphone. 
Ihre Devise lautet: „Wer wachsen will, macht Pure Play, wer nicht verlieren will, Multichannel.“ Warum ist Multichannel für Sie ein Mythos?
Ein Mythos ist, dass stationäre Händler mit einer Multichannelstrategie wachsen können. Sie können allenfalls weniger verlieren, als wenn sie sich auf ihr angestammtes Geschäft konzentrieren. Sämtliche Multichannel-Strategien sind Abwehrstrategien. Man versucht, sein bestehendes Geschäft zu verteidigen und nicht vollends den Anschluss zu verlieren. Aber speziell im Buchmarkt sieht man, dass dies nur bedingt klappt. Wie weit man damit kommt, sieht man in den USA und England. 
Amazon geht immer stärker ins stationäre Geschäft. Gleiches Bild bei notebooksbilliger.de oder Zalando. Ist dies ein Fehler?
Meines Wissens hat Amazon bisher zumindest noch keinen Buchladen eröffnet. Es geht auch nicht darum, ob online besser ist als stationär. Beides hat seine Berechtigung. Man sollte sich nur nicht der Illusion hingeben, dass die am erfolgreichsten sind, die auf allen Hochzeiten tanzen, ganz im Gegenteil: Amazon (und andere Internethändler) profiitieren nicht nur von der Konzentration auf einen stark wachsenden Online-Markt, sondern können diesen durch die bewusste Fokussierung auch aktiv mitgestalten. Diese Chance haben jedoch nur Händler, die sich konsequent auf den Online-Handel und seine ganz eigenen Spielregeln einlassen.
Kann der stationäre Handel vom E-Book-Boom profitieren?
Konnte der stationäre Handel vom Boom bei den Musikdownloads profitieren? 
Viele Onliner blicken euphorisch auf die Chancen durch mobilen Commerce. Sie auch?
Momentan hat nur ein Bruchteil der deutschen Bevölkerung Zugang zum mobilen Web, und selbst die, die Zugang haben, surfen nur wenige Minuten pro Woche mobil. Damit lässt sich relativ leicht überschlagen, wieviel E-Commerce-Transaktionen die mobilen Nutzer in dieser Zeit abschließen können. Schon das Internetgeschäft hat sich für den Handel erst gelohnt, als die Bevölkerung im Schnitt mehrere Stunden online verbrachte. Bis der mobile Markt e-commerce-reif ist, gibt es für den Handel online noch soviele andere Hebel, die erheblich mehr Umsatz versprechen. Aber die Grundthese stimmt natürlich: Die Vielfalt der Geschäftsmodelle wird nochmals erheblich steigen.
Die Fragen stellte Daniel Lenz
Im aktuellen buchreport.magazin Februar/2012 (hier zu bestellen) ist eine umfassende Analyse des Onlinebuchhandels zu lesen.

Kommentare

1 Kommentar zu "Multichannel ist ein Mythos"

  1. Ich kann Ihnen hierzu voll zustimmen!
    Es ist jedoch schon sehr seltsam, was der Buchhändler heutzutage alles können muss. Wo müssen z.B. die kleinen Händler für Bekleidung, der Bäcker, der Metzger um die Ecke, der Schreibwarenladen (PBS), der Kiosk Multichannel treiben, hier käme nie wer auf die Idee dies zu tun!
    Mir kommt dies eher als Verwirrungspolitik der großen Traider vor, die sich wohl jedesmal ins Fäustchen lachen für die Unsummen vergeudeter Arbeit, Zeit und Geld die dahinter steckt, nur um überall im Internet präsent zu sein. Als ob es sonst nichts wichtigeres zu tun gäbe im stationären Buchhandel.

    Und hier eine Auswahl, was der moderne Buchhändler heutzutage alles für seine Kunden tun sollte: Buchhändler sollen sich eine Fangemeinde bei Facebook, Google , Twitter und XINGeling zulegen, respektive potenzielle Kunden sammeln. eBook-Download-Stationen zulegen, 1x monatlich einen Newsletter aussenden, regelmäßig Lesungen u. Vorträge halten. Alle möglichen Verlagsvorschauen, Leseexemplare und sonst noch jeden Abend ein Bündel Bücher mit nach Hause nehmen um auch diese noch querzulesen. TV sehen und Radio hören und Tageszeitungen nach Nachfragenswerten Bücher durchforsten. Scannerblick für all dies inklusive plus fotografisches Gedächtnis und nen IQ 130 plus TripleAAA auf seiner Hausbank sollte selbstverständlich sein.

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