Millionenschwere Preisdebatte

Bei der juristischen Offensive gegen Apple und mehrere US-Großverlage wegen Preisabsprachen bei E-Books haben sich die Kläger neu positioniert. Amazon und Random House sind aus der Schusslinie gerückt. Die beschuldigten Verlage mit Agency-Modell sollen mächtig zur Kasse gebeten werden.
Die Vorgeschichte: Im August 2011 haben zwei Privatpersonen eine Klage gegen Apple und die US-Verlage Macmillan (Holtzbrinck), HarperCollinsHachettePenguin sowie Simon & Schuster eingereicht. Die Verlage hätten über das Agency-Modell illegal die Preise festgesetzt, um ihre „Gewinne zu steigern und den Rivalen Amazon dazu zu zwingen, seine Discountpreise aufzugeben“. Nachdem zahlreiche ähnliche Klagen eingereicht wurden, wurden alle Fälle unter Federführung der Anwaltskanzlei Hagens Berman zusammengefasst. Zu der ursprünglichen Liste der Beklagten kamen aus den anderen Anklageschriften Random House und Amazon hinzu. 
Vor wenigen Tagen wurde die Anklageschrift laut „Publishers Weekly“ erneut geändert: Nun werden nur noch Apple, HarperCollins, Penguin, Hachette, Simon & Schuster und die Holtzbrinck-Tochter Macmillan angeklagt. Eben jene Verlage setzen in den USA seit November 2010 über das Agency-Modell die Preise ihrer E-Books selbst fest. Random House ist erst im März 2011 als letzter der großen US-Verlage zum Agency-Modell gewechselt. 
Die Kläger werfen den Verlagen vor, Amazon wiederholt zu höheren E-Book-Preisen gedrängt zu haben. Dank dem Launch des iPad und der Konkurrenz durch Apple hätten die Verlage den Druck erhöhen können und damit gedroht, ihre Titel aus dem Amazon-Store zu nehmen, sollte der Onliner ihnen nicht die Preishoheit gewähren. Die Annahme der Kläger: Keiner der Verlage hätte im Alleingang riskiert, seinen größten E-Book-Kunden zu verlieren – eine Absprache untereinander sei also wahrscheinlich. 
Die Klägern fordern nun Schadenersatz für die E-Book-Käufer, eine einstweilige Verfügung gegen die Preisfestsetzung für E-Books über das Agency-Modell und die Beschlagnahme der in Folge ihres wettbewerbswidrigen Verhaltens erwirtschafteten Gewinne – den Anwälten zufolge im zweistelligen Mio-Dollar-Bereich. 

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