Japanische Charmeoffensive

Der Markt für digitale Bücher und E-Reader in Europa ist schon heute hart umkämpft. Besonders die amerikanischen Akteure Amazon und Apple kämpfen mit den lokalen Anbietern um Marktanteile. Doch der Wettbewerb könnte sich weiter verschärfen: Aus Japan kommt eine ernstzunehmende Kampfansage.

Wie das „Handelsblatt“ berichtet, will die japanische Nummer eins im E-Commerce Rakuten ihren Hauptkonkurrenten Amazon in Europa attackieren, und zwar besonders im Geschäft mit elektronischen Büchern. Im Interview kündigt CEO Hiroshi Mikitani (Foto) für das eigene Unternehmen weitere Zukäufe und das E-Book eine goldene Zukunft an: Er sei überzeugt, dass elektronische Bücher in naher Zukunft einen Marktanteil von 70% in Europa, einschließlich Deutschland, haben werden. 
Rückblick: 

  • Erst im November 2011 hatten die Japaner den kanadischen E-Book-Spezialisten Kobo übernommen (hier mehr).
  • Laut „HB“ für 315 Mio Euro. Hierzulande hatte Kobo zunächst beim Elektronikhändler Mediamarkt/Saturn (inklusive der Online-Tochter Redcoon) angedockt (hier mehr). 
  • Im Dezember folgte der Schulterschluss bei der Genossenschaft Euronics (hier mehr).
  • Und erst am Freitag vergangene Woche folgte die Ankündigung, auch mit der Verbundgruppe Electronic Partner anzubandeln.
  • Im englischsprachigen Raum kooperiert Kobo mit Indigo, Walmart, Best Buy, Target, WH Smith, Collins Booksellers und Whitcoull’s. In Frankreich hat sich Kobo die Fnac als Partner geangelt.
Auf der Suche nach weiteren stationären Partnern starten die Japaner offenbar eine Charmeoffensive, um sich vom Wettbewerb abzuheben: Anders als Amazon bunkere Rakuten/Kobo die Endkundenkontakte nicht, sondern teile sie mit den Partnerfirmen, so Mikitani im „Handelsblatt“. Und: „Mein Traum ist es, dass auch im Internetzeitalter kleine und lokale Händler überleben und gedeihen können.“ Aus dem deutschen Buchhandel ist besonders nach den Schwierigkeiten mit den Readern von MVB und KNV im Weihnachtsgeschäft der Ruf laut geworden, mit Kobo zu kooperieren. Ein Stolperstein war bisher offenbar die Weigerung der Kanadier, den E-Book-Shop von Kobo auf den Readern auf die stationären Partner abzustimmen.
Man wolle den Buchverlagen, anders als Amazon, keine Konkurrenz machen und nur in vereinzelten Ausnahmefällen eigene E-Books verlegen. 
Rakuten erzielte (nach eigenen Angaben) 2010 einen Umsatz von rund vier Milliarden Dollar. Zum E-Portfolio der Japaner gehören Plattformen wie Buy.com in den USA, Tradoria in Deutschland (gerade in Rakuten umbenannt worden) und Lekutian in China. In Japan hat Rakuten nach eigenen Angaben sogar einen höheren Marktanteil als Amazon. Die Anteile am deutschen Shopping-Portal Tradoria hatte Rakuten im August 2011 von DuMont Venture übernommen.

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