Verlage als Verwertungsmafia?

Die Verlage haben politisch einen schweren Stand und ein Imageproblem. Das haben René Strien (Aufbau Verlag) als Vorsitzender der AG Publikumsverlage und Börsenvereins-Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis auf der Tagung der vereinigten Publikumsverlage akzentuiert.
Strien berichtete von Kontakten mit Europaparlamentariern, die zwar ein großes Interesse an Kulturthemen zeigten, „aber keine Ahnung haben, was Verlage tun.“ Es verfestige sich ein Image, dass die Verlage als eine Art „Verwertungsmafia“ empfunden würden, die die kreativen Urheber ausnutze. Es sei keine Selbstverständlichkeit mehr, dass die Branche gesellschaftlich anerkannt sei. Man müsse wieder mehr fürs Buch tun, die Inhalte und die Arbeit der Verlage im sich wandelnden Mediengefüge sichtbar machen.
Skipis, der schon mehrfach über die Herausforderung gesprochen hatte, wie schwierig der Umgang gerade mit jungen Politikern sei, stieß in München in dasselbe Horn und verwies als Beispiel für den Kampf der Erhalt der Geschäftsmodelle der Verlage auf die aktuelle „SOPA“-Diskussion in den USA (hier mehr). Er appellierte, die gemeinsamen Interessen von Autoren und Verlagen stärker herauszuarbeiten und den Schulterschluss mit den Autoren zu suchen. Es bestehe sonst die Gefahr, dass die Verlage aus dem Urheberrecht herausgedrängt würden.

Kommentare

2 Kommentare zu "Verlage als Verwertungsmafia?"

  1. Jutta Willand-Sellner | 20. Januar 2012 um 21:27 | Antworten

    Lieber Herr Stahl aus Ort,

    mit Ihrem Gedanken liegen Sie nicht ganz falsch. Aber leider auch nicht ganz richtig. Das dumme an Halbwahrheiten ist halt, das meistens die falsche Hälfte geglaubt wird…
    Richtig ist: die Personaldecke in Verlagen schmilzt von Jahr zu Jahr weiter ab. Richtig ist auch: die Arbeit in einem Verlag ist nur bis zu einem gewissen Maß zu „rationalisieren“, denn es ist – sehr verkürzt gesagt – eine Arbeit mit Menschen, die anderen Menschen etwas mitzuteilen haben. Die Arbeit des Verlags besteht im Wesentlichen in dieser Mittlerfunktion – und die ist anspruchsvoll, zeitaufwändig und ständigem Wandel unterworfen. Wahr ist aber auch, dass die Buchpreise in den letzten Jahren stetig gesunken sind, während gleichzeitig der Kostendruck stieg.
    Und in einem Punkt muß ich Ihnen dezidiert widersprechen: die Insolvenz des Eichborn Verlags (für die es viele Ursachen und noch mehr Meinungen darüber gibt, welches die Hauptursache gewesen sei) war gewiss nicht in dem Umstand begründet, dass wir zu wenig Mitarbeiter hatten. Und schon gar nicht darin, daß sich nicht jede(r) einzelne dieser Mitarbeiter(innen) hochmotiviert engagiert hat, für unsere Autoren das Bestmögliche zu erreichen.
    Es wäre gewiß hilfreich, wenn die Öffentlichkeit mehr über die wertvolle Arbeit wüßte, die Verlage leisten.

    Jutta Willand-Sellner
    Mitarbeiterin des Eichborn Verlags seit 1987, seit 1990 mit Schwerpunkt Rechte und Lizenzen

  2. Nur so ein Gedanke …
    Könnte es vielleicht sein, dass Verlage darum nicht mehr so positiv wahrgenommen werden, weil sie tatsächlich quasi fast nichts mehr tun abgesehen vom Koordinieren nach extern verlagerter Dienstleistungen.
    Was mich auf den Gedanken brachte war die Nachricht über die Insolvenz des Eichborn-Verlags.
    Ein Verlag, der wenn auch kein Großer doch durchaus nicht unbekannt ist.
    Und dann heißt es da, der hat 38 Mitarbeiter.
    Stelle ich mir nun sehr vereinfacht vor, dass da auf der einen Seite Manuscripte rein und am anderen Ende ein Buch herauskommt, fallen mir als Zwischenschritte spontan Aquise und Betreuung von Autoren, Lektorat, Satz/Layout, Druck, Marketing, Vertrieb, Verwaltung mit Buchhaltung und Personal als Aufgabengebiete in einem Verlag ein.
    Und das macht ein nun nicht gerade Winzverlag mit 38 Leuten?
    Das kann nur gehen, indem der ‚Verlag‘ selbst fast gar nichts mehr macht ausser Dienstleister zu koordinieren.
    Wenn nun ein Verlag keine Verlagsarbeit mehr macht sondern nur deren Ablauf koordieniert, frage ich mich, wie naiv kann man da sein, zu glauben, dass dies keinen Einfluss auf die eigene Ausstrahlung hätte?

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