Ralf Biesemeier: Digital, aber nicht trivial

Ralf Biesemeier: Digital, aber nicht trivial
E-Books scheinen sich auch im deutschen Markt zu etablieren. Nun beginnt die Phase, in der mit digitalen Büchern auf breiter Ebene auch Geld verdient werden kann. Eigentlich. Denn hartnäckig hält sich der weit verbreitete Irrglaube, die Herstellung, Distribution und Vermarktung von E-Books sei trivial und die billigste Lösung damit immer auch die beste.
Im Vergleich zu den USA mag der Anteil digitaler Publikationen am gesamten Buchmarkt zwar noch recht bescheiden sein, aber die Pionier-Phase ist auch hierzulande vorbei. Die Leser sind nicht mehr nur unter den Technologie-affinen Early Adopters zu finden, und die E-Book-Reader haben eine ordentliche Basisverbreitung erreicht. Mittlerweile sind eine Vielzahl der Verlage mehr oder weniger stark im E-Book-Markt vertreten, teilweise schon mit umfangreichen Programmen, teilweise noch mit zaghaften Versuchen, aber dass man an den digitalen Büchern nicht mehr vorbei kommt, hat sich herumgesprochen. Das E-Book hat also Fuß gefasst und die Phase beginnt, in der mit digitalen Büchern auf breiter Ebene auch Geld verdient werden kann.
Dabei scheint für manchen „digital“ ein Synonym, wenn schon nicht für „umsonst“, so doch zumindest für „sehr billig“ zu sein. Papier braucht man schließlich keines, das Kopieren geht automatisch und kostet im Grunde ja nur ein wenig Strom.
Natürlich braucht man für E-Books weder Drucker noch Buchbinder. Das heißt jedoch nicht, dass Herstellung, Distribution und Vermarktung trivial sind, nur weil sie digital sind. Man braucht schon ein bisschen mehr als nur Strom. Es gibt zahllose Formate, für die der digitale Inhalt aufbereitet und angepasst werden muss. Je nach Dateiformat und Reader kann beispielsweise ein und derselbe Text ganz anders aussehen. Um ein qualitativ hochwertiges E-Book herzustellen, braucht es Know-how – damit zum Beispiel Bilder zuverlässig skalieren und nicht in den Text hineinlaufen, damit Fußnoten und Stichwortverzeichnisse „funktionieren“, damit die Zitierfähigkeit garantiert werden kann und auch besondere Inhalte wie interaktive Elemente passend umgesetzt werden.
Wenn man hier auf Billig-Lösungen setzt, kann es am Ende teuer werden. Denn die Herstellung eines „guten“ E-Books kann aufwendig sein, auch wenn der Produktionsprozess auf automatischen Prozessen aufbaut. Das kennt man im Übrigen vom Printbereich her: Hier würde man auch nicht blind dem billigsten Satzstudio und dem billigsten Drucker vertrauen.
Ralf Biesemeier ist Geschäftsführer des Spezialisten für E-Book-Herstellung und -Distribution Readbox in Dortmund.

E-Books scheinen sich auch im deutschen Markt zu etablieren. Nun beginnt die Phase, in der mit digitalen Büchern auf breiter Ebene auch Geld verdient werden kann. Eigentlich. Denn hartnäckig hält sich der weit verbreitete Irrglaube, die Herstellung, Distribution und Vermarktung von E-Books sei trivial und die billigste Lösung damit immer auch die beste.

Im Vergleich zu den USA mag der Anteil digitaler Publikationen am gesamten Buchmarkt zwar noch recht bescheiden sein, aber die Pionier-Phase ist auch hierzulande vorbei. Die Leser sind nicht mehr nur unter den Technologie-affinen Early Adopters zu finden, und die E-Book-Reader haben eine ordentliche Basisverbreitung erreicht. Mittlerweile sind eine Vielzahl der Verlage mehr oder weniger stark im E-Book-Markt vertreten, teilweise schon mit umfangreichen Programmen, teilweise noch mit zaghaften Versuchen, aber dass man an den digitalen Büchern nicht mehr vorbei kommt, hat sich herumgesprochen. Das E-Book hat also Fuß gefasst und die Phase beginnt, in der mit digitalen Büchern auf breiter Ebene auch Geld verdient werden kann.

Dabei scheint für manchen „digital“ ein Synonym, wenn schon nicht für „umsonst“, so doch zumindest für „sehr billig“ zu sein. Papier braucht man schließlich keines, das Kopieren geht automatisch und kostet im Grunde ja nur ein wenig Strom.

Natürlich braucht man für E-Books weder Drucker noch Buchbinder. Das heißt jedoch nicht, dass Herstellung, Distribution und Vermarktung trivial sind, nur weil sie digital sind. Man braucht schon ein bisschen mehr als nur Strom. Es gibt zahllose Formate, für die der digitale Inhalt aufbereitet und angepasst werden muss. Je nach Dateiformat und Reader kann beispielsweise ein und derselbe Text ganz anders aussehen. Um ein qualitativ hochwertiges E-Book herzustellen, braucht es Know-how – damit zum Beispiel Bilder zuverlässig skalieren und nicht in den Text hineinlaufen, damit Fußnoten und Stichwortverzeichnisse „funktionieren“, damit die Zitierfähigkeit garantiert werden kann und auch besondere Inhalte wie interaktive Elemente passend umgesetzt werden.

Wenn man hier auf Billig-Lösungen setzt, kann es am Ende teuer werden. Denn die Herstellung eines „guten“ E-Books kann aufwendig sein, auch wenn der Produktionsprozess auf automatischen Prozessen aufbaut. Das kennt man im Übrigen vom Printbereich her: Hier würde man auch nicht blind dem billigsten Satzstudio und dem billigsten Drucker vertrauen.

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