Westfälischer Gletscher

Die Zahlen für 2011 gibt Bertelsmann zwar erst Ende März bekannt, doch das  „Manager Magazin“ hat nach eigenen Angaben einen ersten Blick in die Bilanz geworfen. Demnach stieg der Konzern-Umsatz im vergangenen Jahr um rund 2% auf 16 Mrd Euro. Das Erlös-Plus bewegt sich ungefähr auf dem Niveau des 9-Monats-Bilanz 2011: Für den Zeitraum von Januar bis September 2011 meldeten die Gütersloher ein leichtes Plus um 2,3% auf 10,7 Mrd Euro.

Random House weltweit leicht rückläufig

Die Buchverlagssparte Random House verzeichnete laut „Manager Magazin“ weltweit einen Einnahmerückgang von 1,8 Mrd Euro auf rund 1,6 Mrd Euro. Der Gewinn sei von 173 Mio Euro auf ca. 165 Mio Euro gesunken. Die Zahlen erscheinen insofern einerseits plausibel, als Random House schon in der offiziellen Halbjahresbilanz die einzige Konzernsparte war, die beim Umsatz nicht zulegte; die Einnahmen sanken seinerzeit von 791 Mio Euro auf 787 Mio Euro. Aber: Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen stieg deutlich um über 72% auf 69 Mio Euro.

In ihren jährlichen Briefen an die Mitarbeiter berichteten Random-House-Chef Markus Dohle (Foto) und die britische Statthalterin Gail Rebuck von einem erfolgreichen Jahr, lieferten aber nur wenige Zahlen und Fakten (hier nachzulesen). Rückblick:  2010 haben die Bertelsmann-Verlage die Erlöse um 6% auf 1,828 Mrd Euro erhöht. Beim Gewinn (Operating EBIT) legte die Verlagsgruppe um satte 26% auf 173 Mio. Euro zu (hier mehr)

Endgültige Bilanz bleibt abzuwarten
Die geschätzten Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen, lag doch das „Manager Magazin“ im letzten Jahr mit seinem Vorbericht zumindest teilweise daneben. Zwar traf die Gesamtprognose für den Konzern (Umsatzplus von 5% auf 16 Mrd Euro) ungefähr zu. Doch statt des tatsächlichen Umsatz-Plus‘ bei Random House 2010  (hier die Bilanz) hatten die Hamburger die Erlöse der Bertelsmann-Verlage auf 1,7 Mrd Euro – und somit leicht rückläufig gegenüber 2009 – taxiert. 
Das „Manager-Magazin“ verweist darauf, dass die endgültige Gestalt des Bilanzwerks davon abhänge, wie mit der Be- und Verrechnung von diversen Eigentumsverschiebungen verfahren werde, die Bertelsmann im vergangenen Jahr vorgenommen habe, darunter die Veräußerung des französischen Buchclub-Geschäfts: „Vieles, was rechnerisch geformt und gestaltet werden kann, liegt noch im Ermessen der Rechner. Das Bilanzrecht verzeiht wenig, aber einiges doch.“

Neuer Konzernchef auf der Suche nach neuen Wachstumssparten

Die weiteren Konzern-Zahlen laut „Manager Magazin“ im Überblick:
  • Insgesamt habe der Konzern 2011 mit einem Netto-Gewinn von 650 Mio Euro nur knapp das Vorjahresniveau (656 Mio Euro) erreicht. 
  • Die Finanzschulden seien um knapp 200 Mio Euro abgebaut werden.
  • Der Dienstleister Arvato soll seine Einnahmen von 5,1 auf vorläufig kalkulierte 5,35 Mrd Euro erhöht haben; dies vor allem aufgrund der Übernahme der Gruner-und-Jahr-Beteiligung an den Prinovis-Druckereien. 
  • Der Umsatz von Gruner und Jahr soll vor allem wegen der Ausgliederung der Prinovis-Druckereien auf 270 Mio Euro gesunken sein.
  • Die Fernsehsparte RTL soll ihren Umsatz auf rund 80 Mio Euro auf geschätzte 5,7 Mrd Euro erhöht haben.  

Fazit des Wirtschaftsmagazins: Der größte europäische Medienkonzern habe sich insgesamt nicht schneller von der Stelle bewegt als ein Gletscher.

Doch die Eiszeit soll bald zu Ende sein. Auf der Suche nach neuen Investitionsfeldern will der seit Januar amtierende Konzernchef Thomas Rabe künftig in private Bildungsangebote investieren, in der Hoffnung, sich ein Stück vom großen Umsatzkuchen in diesem Geschäft zu sichern: Mit einem 100 Mio Dollar schweren Fonds sollen Studien- und Weiterbildungsprogramme in den USA und Europa gefördert werden (hier mehr). Der Nachfolger von Hartmut Ostrowski will zudem ein Chefberatergremium einrichten und den Gütersloher Konzern damit stärker internationalisieren sowie neue Wachstumsmärkte wie Indien, China und Lateinamerika erschließen (buchreport berichtete).

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