Wir haben nicht mit der Wucht der Welle gerechnet

Die Krise bei der Konzern-Tochter Thalia führt Henning Kreke (Foto) besonders auf die Online-Konkurrenz zurück. Im Interview mit buchreport.de äußert sich der Douglas-Chef zur Frage, ob das aufgelegte Restrukturierungsprogramm nicht Jahre zu spät kommt. 

Der Buchhandel hat 2011 schlechter als der gesamte Einzelhandel abgeschlossen. Ein ähnliches Bild gibt es bei Ihnen im Konzern, wo Thalia gegenüber den anderen Sparten schwächelt. Was sind die Ursachen?
Die Ursachen liegen in einer Neuorientierung der Kunden beim Buchkauf. In der Vergangenheit haben Kunden gerne im Buchhandel gestöbert und dort gekauft. Sie haben allerdings zunehmend Begeisterung entwickelt, die Bücher auch online zu kaufen. Das führt zu einer Verschiebung der Vertriebswege, weg vom Stationären, hin zu Online und künftig auch hin zum Digitalen. Eine Entwicklung, die sich massiv auch auf alle anderen Branchenteilnehmer auswirkt.

Der Trend zeichnet sich seit Jahren ab. Reagieren Sie mit Ihrem Restrukturierungsprogramm nicht zu spät?

Wir waren mit der Entwicklung der Thalia-Sparte sehr zufrieden in den vergangenen Jahren. Und wir sind mit unserer Beteiligung an Thalia auch seit Jahren im Onlinegeschäft tätig, insofern ist der Onlinehandel nichts Neues für uns. Neu ist aber, dass so viel mehr Kunden im Internet Bücher kaufen, und mit dieser Wucht und Schnelligkeit der Welle haben wir nicht gerechnet. Nichtsdestotrotz hat sich Thalia den Veränderungen bereits seit längerem aktiv gestellt. Der Fokus auf einen neuen Sortimentsmix im stationären Bereich, ohne das Kerngeschäft Buch aus den Augen zu verlieren, die Aktivitäten im digitalen Bereich, zum Beispiel mit der Einführung des eigenen Readers OYO, sind neben dem Engagement im Online-Bereich Themen, an denen Thalia bereits seit längerem arbeitet und die unter anderen auch den genannten Veränderungen geschuldet sind.   

Sie haben vor einem Jahr erklärt, die Flächenproduktivität stimme bei Thalia nicht mehr. Wie weit sind Sie auf dieser Baustelle vorangekommen?

Natürlich sind dort Fortschritte erzielt worden, indem wir neue Sortimente anbieten. Im gesamten Kalenderjahr 2011 haben wir neue Sortimente getestet. Der Anteil der neuen Sortimente ist bereits erhöht worden, aber nicht in dem Maße, um die Flächenproduktivität konstant zu halten – im abgelaufenen Geschäftsjahr ist der Thalia-Umsatz im stationären Handel auf vergleichbarer Fläche um vier Prozent gesunken. Das heißt aber nicht, dass die eingeleiteten Maßnahmen wirkungslos waren. Es dauert nur eben seine Zeit, bis sie greifen und Thalia wird sie selbstverständlich auch konsequent weiterverfolgen.

Bei Thalia wird die künftige Ausrichtung bislang nur vage skizziert: Von „Inspirationshäusern“ ist die Rede. Ist das eine  Auflösung des Fachhandelskonzepts?

Nein, ich sehe keine Auflösung des Fachhandels, da es im Buchhandel schon seit Jahren zusätzliche Sortimente gab. Bei Thalia liegt der Anteil der Non-Books bei rund 20% – und damit liegen wir im allgemeinen Trend. In den kommenden Jahren soll der Anteil leicht ausgeweitet werden, auf rund 30%. Dann sind wir weiterhin kompetente Buchhäuser, die gleichzeitig auch inspirieren können. Würde man allerdings beim Buchanteil weiter nach unten gehen, wäre der Kunde irritiert und fragte: Was verkaufen die hier eigentlich?

Sie haben auf der Bilanzpressekonferenz nur einen Namen eines Wettbewerbers genannt – Amazon. Und erklärt, Sie wollten Ihre Multichannel-Vorteile ausspielen. Doch auch Amazon geht in den stationären Handel, um beispielsweise den eigenen E-Reader bei Karstadt oder Staples zu verkaufen…

Natürlich nutzt Amazon die Möglichkeiten, im Filialgeschäft ihre Hardware zu platzieren, um wiederum selbst am Content zu verdienen. Amazon verkauft den Kindle unter Einkaufpreis. Wie viel der Handel daran verdient, ist mir schleierhaft – Karstadt verdient nämlich nicht am Content. 
Wie reagieren Sie?
Gar nicht. Amazon muss das machen, was die für richtig halten. Und wir setzen bei Thalia konsequent auf Multichannel.
Die Fragen stellte Daniel Lenz.

Kommentare

1 Kommentar zu "Wir haben nicht mit der Wucht der Welle gerechnet"

  1. Georg Mühlberg | 13. Januar 2012 um 4:46 | Antworten

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    Bei Thalia liegt der Anteil der Non-Books bei rund 20% – und damit liegen wir im allgemeinen Trend. In den kommenden Jahren soll der Anteil leicht ausgeweitet werden, auf rund 30%.
    =====

    Vielleicht liegts ja auch daran? Im Buchhandel will ich Bücher kaufen, man schwärmt von schöner Buchhandelatmosphäre im Vergleich zu sterilen Internetshops und macht alles mögliche, um sie zu entfernen.

    Wenn ich weiß, dass in Thalia statt meinen gesuchten Büchern nur Souvenirs und ein paar Bestseller rumliegen, dann gehe ich gleich auf Amazon.de.

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