Handelsprimus auf dem Prüfstand

Der Hagener Einzelhandelskonzern Douglas hat bei der Bilanzpressekonferenz neben den schwachen Zahlen für Thalia (hier mehr) auch Perspektiven für die Zukunft präsentiert. Mit einem Restrukturierungsprogramm will Douglas das Sorgenkind im Konzern wieder auf Kurs bringen. Hintergrund laut Douglas-Chef Henning Kreke: „Der Buchverkauf wird in den nächsten Jahren weiter rückläufig sein.“ 

Personalabbau nicht auszuschließen

Bestandteile des Restrukturierungsprogramms sind laut Kreke unter anderem die Verkleinerung (die ideale Größe von Thalia-Buchhandlungen liege bei 500 bis 600qm) und ggf. Schließung von bestehenden Filialen. Auf die Frage, ob auch Personal abgebaut werden solle, erklärte Kreke, dies sei nicht auszuschließen. „Wir müssen uns auf die Anforderungen des Marktes einstellen.“ 

Mittelfristig ist „Multichannel“, die Verknüpfung von Online und stationären Kanälen, Hoffnungsträger Nummer 1 –  die größte Waffe im Kampf  gegen die Wettbewerber: „Nur mit operationaler Exzellenz in allen diesen Bereichen kann es gelingen, mit der rasanten Entwicklung des Marktführers Amazon mitzuhalten und die Kunden fest und dauerhaft an die Marke ‚Thalia‘ zu binden“, erklärte der Douglas-Chef bei der Bilanzpressekonferenz in Düsseldorf – ohne dabei zu erwähnen, dass Amazon selbst auch Multichannel-Ansätze testet (hier mehr). 

Non-Book-Anteil soll ausgebaut werden

Außerdem sollen die Umsatzrückgänge in den Sortimentsbuchhandlungen so schnell wie möglich durch Zusatzsortimente kompensiert werden. Kreke peilt einen Anteil von rund 30% für Non-Books an, aktuelle liege der Anteil im Durchschnitt bei 20%. In einigen Thalia-Filialen, in denen beim Sortimentsmix experimentiert wird, liegt der Non-Book-Anteil nach buchreport-Informationen allerdings sogar bei 50%.
Hagen spielt angesichts der Schwäche im stationären Handel besonders die Online-Karte. Das wird daran ersichtlich, dass buch.de mit Hilfe der jüngsten Kapitalerhöhung (die hauptsächlich von Thalia finanziert wurde, hier mehr) fast 24 Mio Euro in die Modernisierung und den Ausbau der technischen Plattform investieren will. Der Anteil bei buch.de (aktuell rund 80%) soll ausgebaut werden, allerdings wollen die Hagener nicht zum aktuellen (vergleichsweise hohen) Kurs zukaufen.
Thalia-Chef Michael Busch erwartet schon mittelfristig eine radikale Umwälzung der Buchbranche. „Bis 2017 ist davon auszugehen, dass der stationäre Buchhandel in Deutschland nur noch für die Hälfte des Gesamtumsatzes im Buchmarkt sorgen wird. Der Rest wird über den Onlinehandel und digitalen Content generiert“, erklärte der Thalia-Chef auf der Frankfurter Buchmesse

„Emotionalisierung“ und Vertriebsverknüpfung

Beim Handelskongress in Berlin hatte Busch seine Multichannel-Strategie angesichts der Kannibalisierung der Kanäle präzisiert: Ein Kunde, der sich zuerst für den Einkaufskanal Internet entscheide, lande in der Regel bei den großen Online-Marken. Ziel müsse deshalb sein, die Handelsmarke Thalia so stark zu machen und in ihrem Produktbereich mit einer so hohen Glaubwürdigkeit über alle Kanäle zu versehen, dass eine signifikante Kundenzahl den Einkaufseinstieg nicht über den Kanal, sondern die Marke suche. 
Bei der Umsetzung von Buschs „No-Line-Strategie“ sollen Emotionalisierung und Vertriebsverknüpfung eine Rolle spielen:

Emotionalisierung: intensivere Beziehung des Kunden zu seinem persönlichen Verkäufer, u.a. indem Thalia-Buchhändler „eigene Homepages“ bekommen und damit 24-Stunden-Erreichbarkeit signalisieren.

Vertriebsverknüpfung: Die Anfang November herausgebrachte Smartphone-App soll vor allem über die stationären Filialen an die Kunden gebracht werden. 

Die große Herausforderung für stationäre Händler bestehe darin, „den Erstkontakt mit den Neuen Medien dort herzustellen, wo er heute das Vertrauen zu seinem Produkt hat“.

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