Erstes Lesefutter beim Piraten

In die Jubelchöre der Online-Shops nach dem starken E-Book-Weihnachtsgeschäft mischen sich ängstliche Stimmen. Der Boom des digitalen Geschäfts werde auch die Piraterie beflügeln. Börsenvereins-Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis (Foto: Börsenverein) rechnet in diesem Jahr mit gesetzlichen Vorkehrungen gegen den Missbrauch von Urheberrechten im Web.
Die britische „Daily Mail“ berichtet über die Ängste der Verlage, dass sich die zahlreichen E-Reader-Käufer jetzt im großen Stil bei entsprechenden Portalen kostenlos mit E-Books eindecken. Der britische Verlegerverband habe im vergangenen Jahr 115.000 Abmahnungen an Webseiten verschickt, die illegal (kostenlose) E-Books anbieten, ein Anstieg um 130% gegenüber dem Vorjahr. Nach Schätzungen stamme jeder 5. Download von einer illegalen Seite. 
Die Verlage seien aktuell in Gesprächen mit der Regierung und Google, um das Problem zu entschärfen. Google solle künftig dafür sorgen, dass entsprechende Such-Ergebnisse nicht mehr prominent platziert werden. Auch bei den Internetprovidern werde der Druck erhöht; diese sollten Piraten-Webseiten schließen.
Im Gespräch mit dem „Handelsblatt“ hat Skipis seine Schätzung wiederholt, dass rund zwei Drittel aller E-Books illegal erworben werden. Die Zahl geht auf eine Studie des Börsenvereins in Zusammenarbeit mit der GfK zurück, die allerdings umstritten ist (hier mehr zur Studiehier Auszüge aus der anschließenden Debatte).
In Richtung Berlin erklärte Skipis: „Wir sind seit Jahren mit der Politik im Gespräch über geistigen Diebstahl. Nun wird es Zeit, dass der Gesetzgeber endlich handelt, um die Geschäftsgrundlage von Verlagen und Handel nicht zu gefährden.“ Und: „Wir mahnen an, endlich einen verlässlichen Rechtsrahmen zu schaffen, um gegen Piraterie effektiver vorgehen zu können.“
Das „Handelsblatt“ zitiert „Insider“, deren Einschätzung nach die Handlungsbereitschaft in der Politik groß sei, besonders bei Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU). Der Börsenverein gehe davon aus, dass 2012 entsprechende gesetzliche Vorkehrungen gegen den Missbrauch von Urheberrechten im Web getroffen werden.
Zuletzt hatte der Verband kurz vor der Frankfurter Buchmesse die Regierung erneut um Hilfe gegen die Internetpiraterie ersucht. Nutzer sollten bei jedem illegalen Download von Filesharing-Plattformen darauf hingewiesen werden, dass sie etwas Illegales tun, so der Frankfurter Vorschlag.  

Kommentare

1 Kommentar zu "Erstes Lesefutter beim Piraten"

  1. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Man erfährt aus diesem Text vor allem, dass der Börsenverein die ganze Ebook-Piraterie-Problematik nicht richtig verstanden hat und die von ihm vorgeschlagene Strategie erfolglos bleiben muss. Wie von Andreas Schaale und mir bereits dargelegt (http://abuse-search.com/Gutenb…, sind „Filesharing-Plattformen“ (Torrents, P2P) in Sachen Ebook-Piraterie ein zunehmend bedeutungsloses Problem. Da mögen Anwälte in der Vergangenheit mit Abmahnungen gut verdient haben, haben aber auch erfolgreich bewirkt, dass Filesharing bei Ebooks (für Musik, Film, Software, Porno sieht es anders aus) signifikant zurückgegangen ist.

    Das Problem sind Piratenseiten, die offiziell in so schönen Ländern wie Westsamoa (.ws) oder Belize (.bz) liegen (siehe z. B. den Artikel http://sz-magazin.sueddeutsche…, in Verbindung mit Filehostern. Da kann die deutsche oder europäische Gesetzgebung an Gesetzen verabschieden, was sie will: es interessiert dort niemanden. Auch gibt es russische Seiten, die aber von Russland aus nicht zu erreichen sind und wo also aus russischer Sicht kein juristischer/polizeilicher Handlungsbedarf besteht.

    Die schlechte Nachricht: Die Zahl der „illegalen“ Downloads ist weitaus höher, als der Börsenverein vermutet. Nur Bruchteile der Ebook-Downloads finden von „legalen“ Seiten statt. Ja: Reader wie Kindle und iPads werden wie blöd verkauft und das schlägt sich kaum in den Verkäufen von Ebooks nieder. Und ja: Ebook-Piraterie steigt weiterhin kräftig an.

    Die gute Nachricht: Man kann effektiv etwas gegen diese Form der Piraterie machen. Muss man nur die entsprechenden Links suchen und bei den Filehostern abmelden.

    Wir werden in Kürze einen entsprechenden Ticket-Service anbieten, der allen Verlagen offensteht. So kann man tatsächlich was gegen Piraterie machen.

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