Literarisches Aushängeschild der Berliner Republik

Matthias Koch (Foto: Mike Minehan) hat dem Aufbau Verlag neue Perspektiven eröffnet. Mit dem Aufbau Haus bescherte er Berlin ein Kreativzentrum mit Strahlkraft. buchreport sprach mit ihm über seine Pläne und eine Buchbranche im Wandel.
Wer ist Matthias Koch? Als der Kaufmann 2008 auf der Frankfurter Buchmesse als neuer Inhaber des damals insolventen Aufbau Verlags vorgestellt wurde, rätselte die Branche über den unbekannten Retter. Der ehemalige Lehrer scheut bis heute das Rampenlicht, anders als sein schillernder Vorgänger Bernd F. Lunkewitz hält er sich lieber im Hintergrund. Erkennbar wird aber: Der Aufbau Verlag ist eine zentrale Komponente in einem auf Nachhaltigkeit angelegten unternehmerischen Gesamtkonzept, in das Koch sein Vermögen investiert. 
Die Buchbranche durchlebt strukturelle Veränderungen und steht vor großen Herausforderungen, die sich schon 2008 abgezeichnet haben, als Sie den Aufbau Verlag erwarben und damit vor dem Aus bewahrten. Was hat Sie gereizt, gerade in diesen unsicheren Zeiten Verleger zu werden?
„Gereizt“ trifft es nicht, ich fühlte und fühle mich eher dazu verpflichtet, denn gerade diese grundlegenden strukturellen Veränderungen machen es notwendig, bestimmte Werte zu bewahren. Verlage stehen für ein Kulturgut und für ein Kulturwissen. Es wäre fatal, wenn das in alle Winde verstreut wird oder einfach verloren geht. Das war eine wesentliche Motivation, den traditionsreichen Aufbau Verlag zu kaufen und damit auch die Backlist und das Wissen, das die Lektoren über die Exilliteratur und über die Literatur der DDR haben, zu bewahren.
Aufbau schreibt heute wieder schwarze Zahlen, den Verlag beflügeln neue Perspektiven. Wo soll Aufbau in zehn Jahren stehen?

Aufbau war einst „Suhrkamp des Ostens“ und wir wollen unsere Stellung als einer der führenden Literaturverlage der Berliner Republik ausbauen.

Die Übernahme des Eichborn Verlags ist an Widerständen in Frankfurt gescheitert. In die bereits reservierten Räume zieht nun die Ueberreuter Verlagsgruppe als Mieter ein. 2012  heben Sie mit dem Ueberreuter-Eigner Thomas Salzer eine unabhängige Vertriebsgesellschaft aus der Taufe, die ihr Serviceportfolio in einem späteren Schritt auch anderen Verlagen anbieten wird. Was planen Sie für die Zukunft, stehen weitere Zukäufe auf der Agenda?
Wie man an der „BMV – Berliner Medien Vertriebsgesellschaft“ sieht, müssen es nicht immer Zukäufe sein. Es sind die unterschiedlichsten Kooperationsformen denkbar. Der Plan war immer, um Aufbau als Mutterschiff herum verschiedene Verlage zu gruppieren, die vielleicht stärker programmatisch auf eine bestimmte Zielgruppe ausgerichtet sind. Das andere ist, Vertriebspartner zu finden, die zu uns passen. Wir werden mit der neuen Gesellschaft nach weiteren vertrieblichen Allianzen suchen, die unseren Marktauftritt stärken.
Ein Sprung aus der analogen und haptisch anspruchsvollen Welt in den Kosmos der Bits und Bytes. Investieren Sie auch in Strukturen, die den Verlag fit machen für digitale Buchsatelliten?
Wir haben beschlossen, eine Stabsstelle für die digitale Vermarktung einzurichten. Es reicht natürlich nicht aus, bestehende Bücher einfach in E-Books zu übersetzen. Die neue Verlagseinheit wird sich damit beschäftigen, im Bereich der elektronischen Medien völlig neue Formate und Inhalte zu entwickeln. Warum sollte man zum Beispiel nicht über Rollenspiele mit literarischer Anbindung nachdenken? Die digitale Technologie und das Internet ermöglichen Produktformen, die wir heute noch gar nicht kennen. Daran arbeiten wir. 
Die Fragen stellte Rainer Uebelhöde
Das komplette Interview ist im neuen buchreport.magazin 1/2012 zu lesen (hier zu bestellen).

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