Onliner startet Offline-Offensive

Wenn es einen Wettbewerbsnachteil beim bisherigen Kindle-Programm gab, dann die fehlende stationäre Anbindung. Während WeltbildThaliaSony sowie Kobo ihre Reader per Multichannel-Vertrieb an den Kunden bringen konnten, war Amazon lange Zeit auf die Online-Schiene beschränkt. Doch still und heimlich bauen die Münchner an einem stationären Vertriebsnetz, in das sie bereits große Einzelhandelsfilialisten eingeklinkt haben. Der Ausbau dieses Verkaufskanals steht 2012 ganz oben auf der Agenda von amazon.de

Bereits seit September werden die von Amazon entwickelten Lesegeräte über Filialen der Büromaterial-Kette Staples und Karstadt verkauft. Aktuell taxieren die Münchner das Filialnetz mit Kindle-Angebot auf über 100 Filialen, darunter sämtliche 60 Staples-Dependancen und rund 40 Karstadt-Warenhäuser (insgesamt unterhält Karstadt hierzulande 86 Warenhäuser).Bei einer Stichprobe in Dortmund waren zwei Kindle-Geräte in der Technik-Abteilung von Karstadt vertreten – die Variante mit deutscher Menüführung (mit 99,99 Euro 99 Cent teurer als im Amazon-Shop) sowie das Gerät mit Tastatur und englischer Menüsprache für 119 Euro (derselbe Preis wie online) –, für den gezielt nach Kindles suchenden Kunden kaum auffindbar direkt neben den Navigationsgeräten.

 Unmittelbar neben den Kindle-Geräten wird in Dortmund ein Thalia-Reader verkauft, ein Oyo der ersten Generation für 99,99 statt 149 Euro. Auf Anfrage von buchreport.de, ob auch Thalia mit Karstadt kooperiere, erklärte eine Thalia-Sprecherin, es gebe keine entsprechende Kooperation und auch „nichts in der Pipeline“.

Dass der traditionsgemäß verschwiegene Onliner Amazon in dieser Woche erklärte, man werde auch 2012 an der Integration weiterer Einzelhandelspartner arbeiten, kommt zwar als Fußnote daher, dürfte aber der Ausblick auf eines der großen Projekte der Münchner im kommenden Jahr sein.

Mit der Offensive im Sortiment folgt  den Spuren der US-Mutter. Seit 15. November kooperiert der Internethändler mit Filialisten wie Best BuyWalmartStaplesSam’s ClubRadioShak und Office Depot. Die aktuellen E-Ink-Reader sowie das Tablet „Kindle Fire“ werden in 16.000 Geschäften angeboten (buchreport.de berichtete). Nur wenige Tage vor der Bekanntgabe der Kooperation hatte noch William Lynch, stolz auf das eigene „Nook“-Programm, geätzt: „Wenn Sie Hilfe mit den Kindle Fire brauchen, wo würden Sie hingehen? Zu Amazons Unternehmenssitz nach Seattle?“ – die Antwort aus Seattle folgte prompt. 

Nicht nur Amazon sucht beim Vertrieb der eigenen Hardware den Kontakt zum Einzelhandel: 

Sony: Der Pionier beim stationären Vertrieb von E-Readern ist Sony. Die Japaner verkauften  ihre E-Reader in der Offline-Welt ab Frühjahr 2009 zunächst ausschließlich über den Buchhandel (in Kooperation mit Libri und Thalia), verabschiedeten sich aber schon im September des selben Jahres von dieser Strategie und weiteten den E-Vertrieb auf den Elektrohandel aus (hier mehr). Vermutlich nahm Sony weitere  Vertriebskanäle auf, weil man mit den Absatzzahlen im Buchhandel unzufrieden war (was Sony seinerzeit auf Anfrage von buchreport.de bestritt). Die  GfK hatte für das 1. Halbjahr 2009 für den gesamten Markt nur 65.000 Downloads gezählt. 

Kobo: Sehr erfolgreich knüpft der E-Book-Spezialist Kobo seit November 2011 Partnerschaften mit dem stationären Handel. Dabei konzentrieren sich die Kanadier auf Elektronikfachmärkte; der Verkauf der E-Books wird über den hauseigenen Shop abgewickelt. Rund 200 Filialen von Media Markt und Saturn halten die E-Reader „Kobo Touch“ vorrätig (auf Facebook gibt es eine Liste aller Filialen), bestellt werden können die Geräte aber in jeder Filiale. 

Ähnlich wie in Großbritannien (wo WH Smith gemeinsam mit Kobo eine große Kampagne für das Lesegerät gestartet hat), profitiert Kobo auch in Deutschland von der Marketingmacht der Media-Saturn-Gruppe. Aktuell wird das Kobo-Lesegerät und die Gratisdreingabe in Form der Umberto-Eco-E-Book-Compilation sogar im neuen Prospekt von Media Markt beworben: 

Erst vor wenigen Tagen verkündeten die Kanadier den Schulterschluss mit dem Elektronikverbund Euronics (hier mehr). Mit rund 1800 Mitgliedern an mehr als 1900 Standorten ist die Genossenschaft nach eigenen Angaben der zweitgrößte Player im Bereich Consumer Electronics in Deutschland und europaweit die größte Verbundgruppe der Branche. 

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